Themenbeiträge
Das Gebiet der Familienforschung ist vielfälig. Neben den Grundlagen der Ahnenforschung und den verschiedenen Quellen, gibt es unzählige Themen, die unser Bild der Vorfahren erweitern und versollständigen. DIe Beiträge bieten einen kurzen Überblick über diese einzelnen Gebiete und Themen.
Angehörige des jüdischen Glaubens hatten und haben es in der Gesellschaft nicht einfach: Die älteste noch praktizierte monotheistische Weltreligion wurde bereits im Mittelalter verachtet, denn Christen haben den Juden die Schuld am Tod Jesu Christi und schlossen sie aus verschiedenen Gesellschaftsstrukturen aus. Menschen mit jüdischem Glauben durften nur bestimmte Berufe ausüben, sie wurden für Katastrophen verantwortlich gemacht und immer wieder verfolgt und vertrieben. Der Antisemitismus fand im Dritten Reich seinen Höhepunkt, als während des Holocaust bis zu 6,3 Millionen Juden ermordet wurden. In dieser Zeit versuchten Menschen mit jüdischem Glauben diesen zu verbergen, durch christliche Taufen, Änderungen in Dokumenten oder veränderten Nachweisen ihrer Herkunft. Doch wo und wie kann man die eigenen jüdischen Vorfahren in der Familienforschung finden? Generell ist zu sagen, im Vergleich zu christlichen Gemeinden gab es in jüdischen keine Verpflichtung zur Erfassung von Geburten, Heiraten oder Begräbnissen. Die Geburt und das Geburtsdatum spielen im Judentum keine so große Rolle, wichtiger ist bei Jungen der Tag der Beschneidung. Diese wird von einem Mohel durchgeführt, der den Tag in seinem Mohelbuch festhielt – doch dieses blieb bei ihm, auch wenn er von Ort zu Ort zog. Doch Jungen erhielten eine Mappa, ein Stoffband mit Geburtsdatum und Segensspruch am Tag ihres ersten Synagogenbesuches, im Alter von 3 Jahren. Dieses wurde bei der Bar Mizwa im Alter von 13 Jahren erneut wiederholt und in der Regel blieb die Mappa auch in der Synagoge. Lediglich der Heiratsvertrag wurde im Judentum als Ketubba bereits früh schriftlich festgehalten. Eine bessere Quelle sind jüdische Friedhöfe, denn sie sind für die Ewigkeit bestimmt – doch Grabsteine verwittern oder wurden in Kriegen als Baumaterialien verwendet. Erst als im 19. Jahrhundert Juden „normale Bürger“ wurden, wurden sie in den staatlichen Personenstandsregistern erfasst. Die von den Nationalsozialisten verfolgten Juden sind in den Arolsen Archives zu finden und es gibt die Familiendatenbank Juden im Deutschen Reich. Ansonsten können Anfragen bei Synagogen oder Vereinen helfen, den jüdischen Vorfahren auf die Spur zu kommen. Quelle: Computergenealogie 2021
Im 16. Jahrhundert traten neben den bekannten Reformatoren Martin Luther oder Ulrich Zwingli auch die Täufer und Täuferinnen auf. Sie wollten eine Reform der Kirche und Gesellschaft ohne enge Bindung an die Staatsgewalt. Sie wollten keinen Glaubenszwang sondern erkannten im gemeinsamen Studieren der Bibel, dass nur mündige Menschen freiwillig getauft werden sollten. Die Säuglingstaufe lehnten sie ab. Am 21.01.1525 fand in Zürich die erste Glaubenstaufe der Täufer:innen statt. Sie gewannen schnell Anhänger dazu, da sie sich jedoch auch weigerten Eide zu leisten und den Waffendienst verweigerten, wurden sie schnell als Rebellen angesehen und als „Wiedertäufer“ verfolgt, gefoltert und mit der Todesstrafe belegt. 1536 schloss sich Menno Simons aus Friesland den Täufer:innen an, wurde ihr Leiter und organisierte geheime Versammlungen in ganz Mitteleuropa. Er wurde zum Namensgeber der Mennoniten. Heute sind die Mennoniten eine der ältesten evangelischen Freikirchen Deutschlands und noch im Zentrum ihres Glaubens steht noch immer die bewusste Entscheidung für den Glauben, Gewaltlosigkeit und die Trennung von Kirche und Staat. Quelle: mennoniten.de
Jenische!? Kaum einer hat schon mal von den Jenischen gehört, eine im 18. Jahrhundert erstmals unter dieser Bezeichnung auftretende Minderheit in Europa, deren Angehörigen zum Fahrenden Volk zählten und aus Heimatlosen, Handwerkern und Händlern bestand. Sie sind keine homogene Volksgruppe, sondern schlossen sich aufgrund ihres gesellschaftlichen Status zusammen. Ihre Gemeinsamkeit ist die Sprache, dem Jenischen, eine Mischung aus Deutsch, Jiddisch, Romanes sowie diversen regionalen Dialekten. Im 19. Jahrhundert änderten sich ihre Lebensumstände, denn aufgrund der zunehmenden Industrialisierung wurden viele Jenische sesshaft. Doch sie lebten weiterhin außerhalb der Gesellschaft in Randgebieten von Dörfern oder Städte in einfachen Behausungen. Manchmal wurden auch extra Siedlungen für sie angelegt. Sie verfolgten auch weiterhin ihre traditionellen Berufe Im 20. Jahrhundert wurden die Jenischen in vielen europäischen Ländern diskriminiert und in der NS Zeit wie andere Minderheiten verfolgt. Um sich zu schützen unterdrückten viele Jenische ihre Kultur. Obwohl sich ihre Lebensform und Berufe mittlerweile geändert hat, bemühen sich Jenische um Anerkennung ihres Minderheitsstatus, um Kultur und Geschichte bewahren zu können. Quelle: Computergenealogie 2024 & Zentralrat der Jenischen in Deutschland
Die Kuratorin Karn Lisboa hat die Auswanderungsgeschichte von Deutschen in Brasilien untersucht und in einer Ausstellung aufgearbeitet. Diese war unter anderem 2025 in der Brasilianischen Botschaft in Berlin zu besuchen. Südamerika und vor allem Brasilien war lange Zeit ein beliebtes Auswanderungsland für deutsche Siedler. Vor rund 200 Jahren kommt eine Gruppe mit rund 40 Deutschen in das Gebiet rund um Porto Alegre. Nach monatelanger Überfahrt erreichen sie am 25.07.1824 Brasilien und erhalten hier wie versprochen ein Stück Land, Saatgut und Startkapital für ein neues Leben. Sie sind nicht die ersten, denn bereits 1818 kamen die ersten Deutschen und im Mai 1824 eine Gruppe von deutschen Söldnern. Doch der 25.07.1824 stellt den Startpunkt einer kontinuierlichen Einwanderungen aus den deutschen Gebieten dar, welche aktiv durch die damalige brasilianische Regierung gefördert wird. Diese wollen in Form der Familienkolonisation in Form von kleinen Parzellen den Süden des Landes kultivieren, nach dem das Land 1822 politische Unabhängigkeit erhalten hatte. Wie bei jeder Auswanderung stehen auch für Brasilien Agenten zum Anwerben von Auswanderungswilligen bereit und wie bei anderen Auswanderungszielen ist die Überfahrt lang und entbehrungsreich. Doch Brasilien und vor allem der heutige Bundesstaat Rio Grande do Sol ist doch anders. Der brasilianische Staat lässt die Kolonisten weites gehend autark agieren. Sie bauen auf ihrer eigenen Art und Weise eine gemeinschaftliche Infrastruktur mit Kirchen, Schulen, Behörden und Läden auf, so bewahren sie - teilweise bis heute - ihre ursprüngliche Lebensweise und Sprache. Auch Vereine zum Erhalt von deutscher Kultur und Traditionen entwickeln sich. Obwohl die heutigen Bewohner von São Leopoldo und Blumenau mittlerweile nicht mehr nur von deutschen Auswanderern abstammen, ist hier die deutsche Kultur durch Fachwerkhäuser, Sprache und dem traditionellen Oktoberfest immer noch zu erleben. Quelle: Ausstellung "Aufbruch in ein fremdes Land"
Stephan Kekule von Stradonitz gründete zusammen mit anderen Interessierten an der Genealogie am 16.02.1904 den Verein zur Begründung und Erhaltung einer Zentralstelle für deutsche Personen- und Familiengeschichte in Leipzig. Ihr Ziel war es, die genealogischen Forschungsergebnisse im deutschsprachigen Raum an einem zentralen Ort zu sammeln und zu erhalten und so die Genealogie zu Fördern. Schnell entwickelte sich eine eigene Kanzlei mit wissenschaftlichen Mitarbeitenden, Schreibkräften und Archivaren und man brachte selbst genealogisch-wissenschaftliche Veröffentlichungen wie beispielsweise die Familiengeschichtlichen Blätter heraus. Des Weiteren wurden Veranstaltungen, Vorlesungen und Kurse angeboten. Bereits 1913 waren rund 200.000 Personen im Zentralkatalog erfasst. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde 1921 ein Kooperationsvertrag mit der Deutschen Bücherei geschlossen, sodass die Zentralstelle hier kostenlos Räumlichkeiten nutzen konnte und gab im Gegenzug den gesamten gesammelten Bestand an genealogischer Literatur in die Hand der Deutschen Bücherei. Ab 1924 wurde die Anzahl an Publikationen erhört, meist durch monatliche Blätter oder mehrbändige Bücher. 1934 teilte sich die Zentralstelle auf: Auf der einen Seite entstand die gemeinnützige Stiftung und auf der anderen Seite ein Förderverein. So wollte man die Zentralstelle auch unter der Herrschaft der NSDAP erhalten. Mit der Einführung des Nachweises zur rein arischen Abstammung, zunächst im Berufsbeamtentum, wuchs die Anzahl an Anfragen und Forschungsaufträgen für die Zentralstelle. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden alle Verein aufgelöst, so auch die Zentralstelle. Das Stiftungsvermögen wurde 1950 in die Volksbildungsstiftung des Landes Sachsens eingegliedert, doch die Arbeit der Zentralstelle wurde durch private Vorträge und Auskunftserteilungen aufrecht erhalten, wenn auch in einem viel kleineren Umfang. Der Bestand ging in die Obhut der Staatlichen Archivverwaltung der DDR über. Durch die Teilung Deutschlands und der Gründung einer Zentralstelle in Berlin-West, erfolgt die Umbenennung in Zentralstelle für Genealogie der DDR 1967 und man erweiterte den Bestand um das Archivgut aus dem Reichssippenamtes, aus dem Verein Roland sowie um die Ahnenstammkartei des deutschen Volkes, welche durch den Verein Deutsche Ahnengemeinschaft erstellt wurde. Nach der Wiedervereinigung wurde die Deutsche Zentralstelle für Genealogie als Spezialarchiv unter das Dach des Staatsarchiv Leipzig gestellt und noch heute werden gedruckte und ungedruckte personen- und familiengeschichtliche Publikationen und Unterlagen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum hier in den Band aufgenommen. Die Bestandübersicht ist auf der Website des Sächsischen Staatsarchivs einzusehen und teilweise auf Ancestry bzw. FamilySearch digital einzusehen. Quelle: staatsarchiv.sachsen.de , https://wiki.genealogy.net/ & Computergenealogie 1/2024
Wer auf der A19 unterwegs ist, fährt wahrscheinlich an Dobbin-Linstow vorbei. Was sollte es denn schon sehenswertes in dieser kleinen Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern geben? Das Wolhynier Umsiedlermuseum! Hier wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges rund 40 Familien in Übergangslagern untergebracht. Nach der Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone wurde jeder Familie 10 Hektar Land zugewiesen, oft mit etwas Wiese und Wald. Hier konnten sie ab 1947 Bauernhäuser in ihrer traditionellen Holzbauweise errichten. Obwohl sie 1974 wieder enteignet wurden, blieben viele Familien und nach der Wiedervereinigung wurden ein wegen Einsturzgefahr gesperrten Gebäude übernommen und wieder hergerichtet. Es entstand das Museum. 1993 wurde dann der Heimatverein Linstow gegründet und das Museum erweitert um ein Wirtschaftsgebäude, ein Erdkeller sowie eine Scheune, in der sich heute ein Bildungszentrum befindet. So entstand das bundesweit einzige Museum, welches mit einer Dauer- sowie wechselnder Sonderausstellungen einen bewegten Einblick in das Leben der Wolhynier sowohl in der alten als auch in der neuen Heimat ermöglicht. Projekttage für Kinder und Jugendliche, Publikationen aber auch der Austausch mit Nachkommen der Wolhyniendeutschen ergänzen das Angebot. Wer also auf der A19 unterwegs ist, sollte einen Halt in Linstow machen. Quelle: umsiedlermuseum-wolhynien.de
In der Schule lernt heutzutage jedes Kind von Mendel und Darwin und der Evolutionstheorie. Der britische Naturforscher Charles Darwin (12.02.1809-19.04.1882) begann zunächst ein Medizinstudium, um Arzt zu werden wie sein Vater, wechselte dann aufgrund von Langerweile zur Theologie, wo ihn besonders die Naturphilosophie und die neuen Kontinente interessierten. 1831 folgte er der Einladung mit dem Vermessungsschiff HMS Beagle, da er auf der Reise zur Vermessung von Patagonien und Feuerland in Südamerika auch sein Interesse für Natur und Geologie verfolgen konnte. Er sammelte Pflanzen, Tiere und Gesteinsproben und hielt seine Beobachtungen in zahlreichen Notizbüchern fest. Nach seiner Rückkehr nach England 1836 schenkt er den mitgebrachten Vögeln erst einmal keine Beachtung. Da sie unterschiedliche Schnäbel haben - von dick und kräftig zum Nüsse knacken bis hin zu lang und schmal zum Insektenfangen, denkt er, es handelt sich um Zaunkönige, Schwarzdrosseln und Kernbeißer. Erst ein herbeigerufener Kollege stellt fest, dass alle Vögel Finken und miteinander verwandt sind. Darwin kombiniert schnell: Da die Nahrung auf den Galápagos-Inseln, von wo er alle Vögel mitgebracht hatte, knapp war, herrschte dort ein ständiger Überlebenskampf und zufällig entstandene Varianten des Schnabels brachten den Vögel Vorteile, da sie so eine neue Nahrungsquelle erschließen konnten. Charles Darwin nannte dies, die natürliche Auslese oder Selektion und entwickelte seine Evolutionstheorie, mit der die Entstehung von Arten auf naturwissenschaftliche Grundlagen zurückzuführen konnte. Die Kirche, welche an die Erschaffung alle Lebewesen durch Gott glaubte und diese Theorie vertrat, bekämpfte die Evolutionstheorie von Darwin zunächst. Heute gilt diese jedoch auf Grundlage für die Biologie und Darwin hat unser modernes Weltbild durch seine Beobachtungen und Schlussfolgerungen nachhaltiger beeinfluss als kaum ein anderer Wissenschaftler. Quelle: geo.de & planet-wissen.de

Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen wurde am 01.04.1815 geboren, als zweiter Sohn des Rittmeisters Karl Wilhelm Ferdinand von Bismarck, aus dem Adelsgeschlechts Bismarck stammend, und der bürgerlichen Luise Wilhelmine Mencken. Sie war es auch, die ihre Söhne dazu brachte, in den Staatsdienst einzutreten. Bismarck besuchte das Gymnasium und machte 1832 das Abitur am humanistischen Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster. Anschließend nahm er das Studium der Rechtswissenschaften in Göttingen auf, welches er an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität (heute Humboldt Universität) fortführte. Nach seiner Militärzeit übernahm der die Verwaltung des elterliches Guts und unterstützte seinen Bruder im Landtag. Im Juli 1849 wurde er selbst in die die zweite Kammer des Preußischen Landtages gewählt und wurde zum Vollzeit-Politiker. Durch geschickte Diplomatie schaffte er es, deutsche Staaten hinter Preußen zu vereinen, denn sein Tram war ein kleindeutscher Nationalstaat ohne Österreich unter der preußischen Führung. Er war demnach kein Nationalist, der ein vereinigtes Deutschland wollte, sondern ein konservativer Preuße, welcher die Machtposition Preußens in der europäischen Welt stärken und vergrößern wollte. Nach dem Sieg gegen Frankreich und der Deutschen Reichsgründung 1871 wurde dieser Traum war und Otto von Bismarck wurde als Fürst von Bismarck zum ersten ersten Reichskanzel des Deutschen Kaiserreiches. Nach 19 Jahren im Amt, entzog ihm Kaiser Wilhelm die Unterstützung am 15.03.1890, da dieser seine Regierungszeit nicht mit dem Konfliktkurs von Bismarck beginnen wollte. Otto von Bismarck zog sich auf das Gut zurück. Er starb am 30.07.1989. Quelle: dhm.de & wikipedia
Bereits 1943 erhoben die Alliierten Daten zur Situation der Inhaftierten, Zwangsarbeiter und Flüchtlinge in Mitteleuropa, da sie das Ende des Zweiten Weltkrieges näher rücken sahen. Diese Aufgabe wurde zunächst vom Hauptquartier der Alliierten Streitkräfte übernommen und ab Februar 1944 zusätzlich mit der Aufgabe eines Zentralen Suchbüros betraut. Nach dem Kriegsende übernahm die Leitung zunächst die UNRRA (Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen), ab Juni 1947 die IRO (Internationale Flüchtlingsorganisation) und ab 1948 die ITS (Internationaler Suchdienst). Der Sitz der Organisation wurde bereit im Januar 1946 in das hessische Bad Arolsen verlegt, denn hier befand sich die geografische Mitte der vier Besatzungszonen Deutschlands. Heute obliegt die Leitung den Arolsen Archives sowie dem Bundesarchiv. Die heutigen Aufgaben erstrecken sich von der Archivierung und Digitalisierung über die Erschließung der Archivunterlagen sowie der Informationsweitergabe zu NS-Verfolgte. Der Bereich der Aufklärung und Bildung zu den Schicksalen von NS-Verfolgten nimmt dabei einen immer größer werdenden Part ein. Die aktuell rund 30 Millionen historischen Dokumenten der Arolsen Archive sowie weitere Dokumente aus externen Quellen kann online durchsucht werden, wobei der Bestand regelmäßig anwächst. Wer in den digitalen Beständen nicht fündig wird, kann eine Rechercheanfrage stellen. Quelle: Arolsen-archives.org
Bis ins 18. Jahrhundert hinein wusste das Königreich Preußen über regelmäßige staatliche Statistiken, wer im Land lebt. Zentrale Grundlage war dabei die regelmäßige Volkszählung, bei der Formulare von Pfarrern, Gutsherren oder Steuerbeamten ausgefüllt werden mussten. Aber auch Gebäude und Vieh wurde dabei erfasst. Verantwortlich dafür war ab 1805 das Königliche Statistische Bureau. Zu dieser Zeit führte Napoleon in Frankreich und den französisch besetzten Gebieten den "Code Civil", die Grundlage der staatlichen Gesetzgebung, in der auch die Erfassung von Geburten, Heiraten und Todesfälle durch den Staat verordnet wurde. Hier lag also die Dokumentation nicht mehr nur in der Hand der Kirchen. Nach der Napoleanischen Herrschaft behielten einige Gebiete diese Praxis bei, wie beispielsweise in den Rheinprovinzen, in anderen Gebieten wurde das preußische Landrecht wieder eingeführt. Dadurch gab es in den deutschen Gebieten über einige Jahrzehnte unterschiedliche Praktiken bei der Erfassung der Personenereignissen. Auch der Vorrang der Zivilehe vor der kirchlichen Ehe wurde demnach unterschiedlich gehandhabt. 1874 wurde das Personenstandsgesetz in Preußen eingeführt, gegen den Widerstand der Kirche. Auch die Führung der Personenstandsregister durch den Staat, im sogenannten Standesamt, wurde damit staatlich angeordnet und das Gesetz 1876 auf das gesamte Deutsche Reich ausgeweitet. Diese Rechtsordnung gilt bis heute, auch wenn mittlerweile die kirchliche Trauung heute wieder terminlich vor der staatlichen Trauung stattfinden kann - eine Rechtsfolge hat nur die staatliche Trauung. Geburten und Sterbefälle müssen immer beim Standesamt registriert werden. Quelle: Computergenealogie 1/2024 & wikipedia
Ob Napoleon selbst Familienforschung betrieben hat, ist nicht überliefert, doch sein Einfluss auf die Genealogie in Deutschland ist enorm. Bereits 1804 führte er in Frankreich das Zivilgesetzbuch "Code Civil" ein. Hier wurden nicht nur die Grundprinzipien der Französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - Liberté, Égalité, Fraternité) verankert, sondern legte Regeln für den Bereich des Privat-, Personen-, Familien-, Eigentums-, Vertrags- und Erbrecht fest. Damit wurden die bisherigen Gewohnheits- und Partikularrechte abgelöst. Das "Code Civil" hatte auch weltweit einen großen Einfluss auf die Rechtsordnung. Zeitgleich mit der Einführung des "Code Civil" schaffte Napoleon auch Zivilstandsregister, um Geburten, Heiraten und Todesfälle staatlich zu erfassen - und machte dies zur Pflicht. Damit wurde die bisherige Vormachtstellung der Kirchenbücher abgeschafft. Mit der Ausbreitung des französischen Staatsgebietes durch Eroberung von deutschen Herzog- und Fürstentümern sowie Königreichen, wurde auch in diesen Gebieten, selbst wenn sie autonom geführt wurden, der "Code Civil" eingeführt. Auch wenn die Zivilstandsregister teilweise nach dem Wiener Kongress und dem Ende der Herrschaft Napoleons abgeschafft wurden, gab es einige Gebiete wie die Rheinprovinz, Lübeck und Bremen, welche an der staatlichen Dokumentation festhielten. Mit der Schaffung des Deutschen Kaiserreiches wurden die Personenstandsregister dann einheitlich im gesamten deutschen Reich eingeführt - heute neben den Kirchenbüchern eine wichtige Quelle für die Familienforschung. Quelle: demokratiegeschichte.de , wiki.genealogy.net & wikipedia
Unsere persönliche Zeit auf der Erde ist endlich. Doch während Vorsorgen des Nachlasses durch ein Testament - wenn überhaupt - meistens auf finanzieller Ebene getroffen werden, machen sich noch immer sehr wenige Familienforschende Gedanken, was mit ihren mühsam zusammengetragenen Forschungsergebnisse passiert. Regionale Archive und Vereine übernehmen keinen "Chaosberg" an Unterlagen, wenn überhaupt müssen die Dokumente und Unterlagen sortiert und am Besten digitalisiert sein. Hilfestellungen für das "richtige" Sortieren und Ordnen finden sich u.a. unter https://wiki.genealogy.net/Genealogischer_Nachlass oder https://wiki.genealogy.net/DAGV/Arbeitsgruppe_digitaler_genealogischer_Nachlass . Wer schon zu Lebzeiten seine Forschungsergebnisse beispielsweise in online Datenbanken oder als gedruckte Publikationen veröffentlicht, muss sich trotzdem auch Gedanken um die Vererbung der Unterlagen machen. Aber auch die Zugänge zur genutzten Software oder online Datenbank gehören dazu. Aber auch hier sollten klare Regelungen getroffen und für die Erben schriftlich notiert werden. Sofern man sich allein darauf verlässt, dass sich die Nachkommen schon um den (genealogischen) Nachlass kümmern, wird die jahrelange, mühselige Forschungsarbeit wohl eher verloren gehen als anderen Forschenden zur Verfügung zu stehen. Quelle: Computergenealogie 4/2024 & wiki.genealogy.net
Meist wird das Königreich Galizien und Lodomerien als Teil von Österreich-Ungarn immer in einem Atemzug genannt. Benannt nach der lateinischen Bezeichnung Lodomeria für die in der Ukraine liegenden Stadt Wolodymyr, ist heute eher der Name Wolhynien bekannt. Das ehemalige Füstentum Lodomerien, auch bekannt als Fürstentum Wladimir/Wolodymyr war ein Teil des mittelalterlichen Großreiches Kiewer Rus, welches zwischen 800 und 1240 bestand. Bis 1385 gehörte es zum Fürstentum Galizien-Wolhynien, wurde dann Teil von Litauen-Polen und gehörte ab 1793 zum Russischen Reich. Also obwohl das Königreich Galizien und Lodomerien bis 1918 zu Österreich-Ungarn gehörte, gehörte die eigentliche Region Lodomerien bzw. Wolhynien nie zu den Habsburgern. Vielmehr wurde der Name aus der ungarischen Königstitular entnommen, da die Region im Spätmittelalter die Hoheit über das Gebiet beanspruchte. Quelle: Computergenealogie 2/2024, deutschlandfunkkultur.de & wikipedia
Die historische Landschaft Galizien, abgeleitet vom lateinischen Namen Galicia der heutigen Stadt Halytsch im Karpatenvorland/Polen, bezeichnet ein rund 80.000 Quadratmeter großes Gebiet im Süden Polens und Westen der heutigen Ukraine. Nach der ersten Teilung Polens gelangte dieses Gebiet an Österreich und wurde dort zusammen mit Lodomerien als Königreich Galizien und Lodomerien in das Kaisertum angegliedert. Bis 1918 war es Kronland von Österreich-Ungarn. Ursprünglich von Slawen besiedelt, bewohnte, viele verschiedene Volksstämme Galizien während der Zugehörigkeit zum Kaisertum Österreich: Polen, Ukrainer, Russen, Armenier, Moldauer, Ungarn und Deutsche. Die ersten deutschsprachigen Kolonialisten kamen 1774, als Maria Theresia in Lemberg die ersten Handwerker ansiedeln ließ. Auch unter ihrem Nachfolger Kaiser Joseph II. wurden deutsche Handwerker aber auch viele Bauern angeworben, welche bis zur Revolution 1848 nach Galizien strömten. Aufgrund der zugesichterten Bedindung, einen eigenen Staatsapparat aufzubauen, folgten schnell auch Beamte, Lehrer und Offiziere. 1940 wurde der Deutsch-Sowjetische Grenz- und Freundschaftsvertrag geschlossen, welcher vorsah, die Galiziendeutsche ""heim ins Reich"" zu holen. Es folgten Umsiedlungen in die besetzten polnischen Gebiete, vor allem um Łódź (ehemals Litzmannschaft). Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden sie aus dem nun wieder polnischen Gebiet nach Deutschland vertrieben und wurden dort über das ganze Land verteilt. Bereits 1946 gründete sich das Hilfskomitee der Galiziendeutsche, zunächst als Hilfsanlaufstelle, später zur Bewahrung des kulturellen Erbes. Hier sowie beim AGoFF finden Familienforschende Hilfe und Tipps bei der Suche nach Vorfahren. Quelle: Computergenealogie 2/2024, kulturforum.info , galizien-deutsche.d e & wikipedia
Die gängigsten Quellen für die Familienforschung sind Kirchenbücher oder Personenstandsunterlagen oder private Dokumente. Wer jedoch wissen möchte, wie die Vorfahren gewohnt bzw. gelebt haben, sollte Notariatsakte studieren. Zu diesen Akten gehören neben Testamente, Heiratsverträge, Schenkungen, aber auch Vollmachten, Kauf- oder Pachtverträge usw. Also alles Vorgänge, bei denen einen Notar rechtliche oder amtliche Unterlagen erstellt. Bei Vorfahren, welche ausgewandert sind, kann ein Blick in die Akten weiterhelfen, da vor einer Auswanderung meistens sämtliches Hab und Gut überschrieben oder verkauft werden musste. Die Notariatsakten müssen vom Notar aufbewahrt und verwaltete werden und nach Abschluss gesichert oder an ein Archiv übergeben werden. Die Aufbewahrungsfristen reichen von 7 bis 100 Jahre und da sie eine wertvolle historische Quelle darstellen werden die meisten an ein Staatsarchiv übergeben. Auch wenn sie kaum online erschlossen sind, ist ein Blick in die Notariatsakten sehr hilfreich und kann die Familienforschung bereichern oder tote Punkte überwinden. Quelle: Computergenealogie 2/2024 & antenati.cultura.gov.it
Sofern jemand nicht aus Erholungsgründen verreist, sondern um Erkenntnisse zu vertiefen oder Fertigkeiten zu erweitern, spricht man von einer Forschungsreise. Wissenschaftler wie Alexander von Humboldt, Charles Darwin oder Marco Polo haben Forschungsreisen in unbekannte bzw. weniger bekannte Gebiete gemacht, um diese zu erforschen. Auch in der Ahnenforschung können und sollten Forschungsreisen unternommen werden. Hier spricht man auch von Ahnenreise, um beispielsweise die Orte zu besuchen, an denen die Vorfahren gelebt haben. Ziel ist es dabei nicht nur, sich ein Bild vom Ort und der Umgebung zu machen, vielleicht auch das Haus, in denen die Vorfahren gelebt haben zu besichtigen, sondern auch, um in Kirchen, regionalen Archiven oder Friedhöfen Spuren zu suchen und das Bild der eigenen Familie zu vervollständigen. Wie bei jeder Reise ist die Vorbereitung wichtig: Was soll erforscht werden bzw. welche Fragen möchte man beantworten? Was möchte man besuchen, wann haben Kirche, Archive, Museen, welche möglicherweise Antworten auf die Fragen haben, geöffnet? Sofern Termine notwendig sind, sollten diese vorher vereinbart werden. Anfragen bei regionalen Geschichts- oder Heimatvereinen oder lokalen Ahnenforschern sollten frühzeitig gestellt werden. Sofern eine Forschungsreise ins Ausland geht, ist die sprachliche Vorbereitung durch lokale Guides oder Übersetzungs-Apps ebenfalls wichtig. Außerdem sollte man alle notwendigen Unterlagen, wie bereits bekannte Dokumente, Aufzeichnungen, Karten oder Fotos entweder digital oder als Kopie mitgenommen werden. Dabei hilft es, diese zusammen mit den noch offenen Fragen in einem Ordner sortiert und vorbereitet dabei zu haben. Auch können hier die vereinbarten Termine festgehalten werden, damit nichts vergessen wird. Ist man vor Ort, sollte man sich Zeit nehmen, nicht nur für den Besuch der Orte, Archive etc. sondern auch, um alles zu fotografieren und festzuhalten - vielleicht beantwortet die Forschungsreise dann nicht nur bisher offene Fragen sondern ergibt auch noch einen schönen Forschungsbericht als Erinnerung und Ergänzung in der eigenen Familienforschung. Quelle: wikipedia
Seit 2023 ist das Projekt zur Visualisierung verschiedener Quellen wie Adressbüchern, Ortsfamilienbüchern und Friedhöfen des Vereins für Computergenealogie unter https://geovis.genealogy.net/ erreichbar. Die bisher separaten Datenbank wurden hier zusammengebracht und auf einer Kartenansicht visualisiert. So kann man direkt alle bisher beim Verein für Computergenealogie erfassten Quellen zu weltweiten Orten auf einem Blick einsehen - sowohl abgeschlossene als auch Digitalisierungsprojekte, welche sich noch in der Planung bzw. Umsetzung befinden. Eine Ortssuche erleichtert die Navigation. Quelle: Computergenealogie 4/2023
In den Anfängen der Computergenealogie nutzte jedes Genealogieprogramm noch ihre eigene Art und Weise zum Speichern der Daten. Somit war eine Nutzung von verschiedenen Programmen oder gar ein Wechsel nicht möglich. Die Mormonen entwickelten zwischen 1984-1987 einen Branchenstandart: GEDCOM (Genealogical Data Communication) mit einem einheitlichen Dateiformat, sodass Daten von verschiedenen Programmen ausgetauscht werden konnten. Im Laufe der Zeit wurde GEDCOM weiterentwickelt sprich um neue Eingabefelder erweitert. Auch wenn die die Anwender an die Genealogieprpgramme oft den Anspruch eines Datenaustausches per GEDCOM haben und die Funktion auch angeboten wird, ist deren fehlerfreie Anwendung nicht immer im Fokus der Programmanbieter. Wer also Daten per GEDCOM von einem Programm in ein anderes überträgt, sollte nicht blind auf die korrekte Übertragung vertrauen. Vielmehr sollte immer überprüft werden, ob beim Transfer wirklich alle Daten korrekt in das neue Programm eingespielt wurden. Wenn man fehlerhafte Übertragungen erst später feststellt, ist der Schaden meist nicht mehr zu reparieren. Quelle: Computergenealogie 4/2024 & wiki.genealogy.net
Wenn man vom Kaukasus spricht, ist die rund 1.100 km lange Gebirgskette in Eurasien gemeint, welche als Hochgebirge zwischen Schwarzem und Kaspischen Meer liegt und die höchste Erhebung im Elbrus (5.642 m) vorweist. Ist von der Kaukasusregion die Rede, sind die Gebiete gemeint, welche ab 1770 zum Russischen Reich gehörten und heute größtenteils eigenständige Staaten darstellen wie Armenien, Aserbaidschan und Georgien. Aber auch Teile Russland, wie der Südrussland und Nordkaukasus liegen in dieser Region, und auch die Türkei hat Anteil am Kaukasus. Bereits im Osmanischen Reich war die Region Schauplatz von kriegerischen Auseinandersetzungen, da hier viele Völkergruppen mit unterschiedlichen Sprachen und Kulturen auf verhältnismäßig engem Raum lebten. Als Russland um 1770 expandierte, wurde die Region nach dem 5. Russischen Türkenkrieg in das Russische Reich eingegliedert. Doch der Konflikt flammte immer wieder auf und erst 1882 wurde mit der Errichtung des Generalgouvernement Kaukasien eine Militärverwaltung mit festem administrativen Rahmen etabliert. Während dieser doch sehr unruhigen Zeit begann Zar Alexander I. Auswanderungswillige in Württemberg anzulocken. Die ersten 31 Auswandererfamilien machten sich im Mai 1817 auf den beschwerlichen Weg in ihre neue Heimat. Sie waren radikale Pietisten und hatten Herausforderungen mit den württembergischen Behörden. Das Angebot von Alexander I. mit Religionsfreihet und ohne Wehrpflicht nahmen sie gerne an. Nachdem sie in Württemberg gestartet waren, führte sie ihr Weg per Boote über die Donau bis nach Odessa am Schwarzen Meer. Nach mehrwöchiger Quarantäne mussten sie über Land weiter ziehen, bis sie am 20.09.1817 in Tiflis im heutigen Georgien ankamen. Die Kolonie Marienfeld, heute Sartitschala, wurde gegründet, nachdem den Familien Land zugewiesen wurde zusammen mit einem Startkapital. Bereits ein Jahr später folgten weitere Auswanderer und weitere Kolonien wurden errichtet wie Alexanderhilf, Blumental oder Rosenberg. Noch bis in die 1920er Jahre entstanden deutsche Siedlungen. Auch in anderen Regionen wurden deutsche Kolonien errichtet wie Alt-Katharienfeld in Aserbeidschan. Aufgrund der ethnischen und religiösen Unterschiede und Konflikten, gewann der Nationalsozialismus an Bedeutung in der Region und nach dem Ende des Ersten Weltkrieges kam es zu Revolutionen. Das geschwächte Russland verlor die Kontrolle über die Region und ethnische Gruppen schlossen sich zu Nationen zusammen und gründeten die Staaten Nordkaukasische Bergrepublik, Georgien, Armenien und Aserbaidschan. Die Unabhängigkeit währte nur kurz, denn bereits 1918 beendeten die Sowjetunion die Unabhängigkeit von Aserbaidschan, 1920 folgten Armenien und Georgien. In den 1930er Jahren wurden die Nachkommen der deutschen Siedler enteignet und teilweise verhaftet. Stalin befahl am 28.08.1941 die Umsiedlung aller in Russland lebenden Deutschen und wer in der Kaukasusregion nicht mit Einheimischen verheiratet war, wurde nach Sibirien oder Kasachstan deportiert. Dies betraf rund 45.000 Menschen, von denen viele verstarben. Erst 1979 durften rund 2.000 Deutsche zurück nach Georgien kehren, von denen heute die meisten in Tiflis leben. Mit dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Staaten wieder unabhängig. Wer Vorfahren im Kaukasus hat oder auf der Suche nach Nachkommen ist, wird sowohl im Nationalarchiv Georgiens fündig, da hier die Dokumente zu Landbesitz aber auch Kirchenbücher aufbewahrt werden. Diese sind auch bei Ancestry online verfügbar. Quelle: Computergenealogie 3/2024 & wikipedia
Das Elsass, der Landstrich westlich des Rheins, gehörte bis 1254 zum Herzogtum Schwaben und somit zum Heiligen Römischen Reich. Das nördlich anschließende Herzogtum Lothringen war ebenfalls Teil des Heiligen Römischen Reiches. Das Elsass fiel im Zuge des 30jährigen Kriegs schrittweise an Frankreich, Lothringen kam im 18. Jahrhundert in den Besitz Frankreichs. Aufgrund der überwiegend deutschsprachigen Bevölkerung sah Deutschland die Gebiete jedoch als ""rechtmäßigen"" Teil ihres eigenen Herrschaftsgebietes an. Nach dem Sieg über Frankreich im Deutsch-Französischen Krieg und der anschließenden Gründung des Deutschen Kaiserreiches wurde das Gebiet als Reichsland Elsaß-Lothringen an das Kaiserreich angegliedert. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Versailler Vertrag mussten Elass und Lothringen an Frankreich zurück gegeben werden, woraufhin die Nationalsozialisten im zweiten Weltkrieg die Gebiete wieder annektierte. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges kamen die Gebiete zurück unter französischer Kontrolle. Die deutsche Verwaltung und Sprache im öffentlichen Raum wurde beendet und es kam zu einer Säuberung: Viele Elsässer und Lothringer, die mit den deutschen Besatzern zusammengearbeitet und sympathisiert hatten (egal ob freiwillig oder auf Druck der deutschen Besatzer) wurden angeklagt, inhaftiert oder vertrieben. Im Biildungswesen und öffentlichen Leben wurden die regionalen Dialekte durch eine Intensivierung der französischen Sprache zurückgedrängt. Die Bevölkerung musste ihre doch eher deutsche kulturelle Prägung mit der französischen Staatszugehörigkeit verbinden, denn das deutsche Erbe spiegelt sich noch heute unter anderem in den Familiennamen wie Muller, Kramer oder Huber wider. Quelle: www.dhm.de & wikipedia
Die historischen Hauptgebiete Tschechiens sind Böhmen, Mähren und Schlesien. Sie gehörten zum Heiligen Römischen Reich, dann zur Habsburger Dynastie und der Sowjetunion, als Tschechoslowakei, bevor Tschechien und die Slowakei zum 01.01.1993 zwei unabhängige Staaten wurden. Wer Vorfahren in Tschechien sucht, da diese spätestens nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges vertrieben wurde, wird wahrscheinlich schnell auf die Vereinigung Sudetendeutscher Familienforscher (VSFF) stoßen. Neben Kirchenbüchern, Ortsfamilienbüchern, Häuserlisten und den Transportlisten der Vertriebenen hat der Verein auch eine Auflistung der tschechischen Archive auf seiner Website. In der Vereinsdatenbank können nur Vereinsmitglieder online suchen. Andere Anlaufstellen sind das Tschechische Nationalarchiv oder FamilySearch, letzte bieten auch Videovorträge über die tschechischen Archive und Quellen an, teilweise auch auf deutsch. Quelle: Computergenealogie 1/2025 & sudetendeutsche-familienforscher.de
Das historische Gebiet Transsilvanien, die Heimat von Graf Dracula, gehört heute zu Rumänien. Neben der einzigartigen Natur und der höchsten Braunbärenpopulation ist aus genealogischer Sicht vor allem die Geschichte der Siebenbürger Sachsen interessant - welche der Region auch ihren zweiten Namen Siebenbürgen gab. Im 12. Jahrhundert folgten deutsche Bewohner, mehrheitlich aus dem Rheingebiet um Köln und Trier aber auch aus der Region um Lüttich und Bayern, dem Werben des ungarischen Königs. Die Bauern, Handwerker und Kaufleute kamen als freie Bürger in das Gebiet, waren nur dem König untertan und gründeten zahlreiche Städte und Dörfer. Von den sieben zentral befestigten Städten bzw. Burgen dieser Siedler (Hermannstadt, Kronstadt, Schäßburg, Mediasch, Mühlbach, Broos und Großschenk) leitet sich höchstwahrscheinlich der Name Siebenbürgen ab. Die Bewohner wurden als Siebenbürger Sachsen bezeichnet. Der Zusatz Sachsen beruht dabei auf einem Missverständnis, denn ein kleiner Teil der Siedler wurde in den lateinischen Aufzeichnungen der ungarischen Könige als Saxones bezeichnet, doch mit dem heutigen Freistaat Sachsen hat die Bezeichnungs nichts zu tun. Im Laufe der Jahrhunderte geriet das Gebiet zunächst als Fürstentum Siebenbürgen unter die Herrschaft des Osmanischen Reiches und wurde 1699 durch den Frieden von Karlowitz in die Habsburgermonarchie eingegliedert. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges erfolgte der Anschluss an das Königreich Rumänien. Die Nachkommen der ehemaligen Siedler behielten über die Generationen hinweg die deutsche Sprache bei, meist einen moselfränkischen Dialekt, wurden später jedoch vermehrt als Rumänendeutsche bezeichnet. Insbesondere in den 1970er Jahren siedelte viele von ihnen nach Deutschland bzw. Österreich um, doch noch heute lebt eine kleine Minderheit im diesem Gebiet. Beim Verein für Genealogie der Siebenbürger Sachsen e.V. kann unter https://vgss.de/genealogie-datenbank/ genealogische Stammbäume der Siedler bzw. ihrer Nachkommen eingesehen werden. Quelle: sektion-karpaten.de, siebenbuerger.de & wikipedia
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lag nicht nur Deutschland in Trümmern und die Menschen hatten ihre Existenzgrundlage verloren, es mussten auch rund acht Millionen Menschen aufgenommen werden, die aus den ehemaligen Ostgebieten, dem Sudetenland oder den deutschen Siedlungsgebieten in Südosteuropa vertrieben wurden. Sie alle teilte das gleiche Schicksal: Sie waren entwurzelt, hatten ihr gesamtes Hab und Gut verloren, mussten viel Leid auf ihren Fluchtweg erleiden und nicht waren oft von ihren Familien getrennt worden bzw. wussten nichts über das Schicksal ihrer Angehörigen. Auch die Nachkriegszeit war schwer, denn die Bevölkerung musste mit Lebensmittel versorgt werden, es musste Wohnraum geschaffen werden und Vorkehrungen für die kalte Winterzeit. Auch wenn alle leidgeprüften Menschen die Hoffnung auf einen lebenswerten Neuanfang in Deutschland hatten, war dies aus eigener Kraft nur in den seltensten Fällen wirklich zu schaffen. Mit dem im Juni 1948 in Kraft getretenden Währungsgesetzes in den westlichen Besatzungszonen wurde den deutschen gesetzgebenen Stellen auch die Regelung des Lastenausgleichs aufgetragen. Bis in die 1965 wurden verschiedene Gesetze erlassen, um den Geschädigten einen Teil ihres Verlustes zu ersetzen. Hiermit konnten Millionen von vertriebenen und geflüchteten Menschen in Deutschland die Eingliederung und der Neustart ermöglicht werden. Dazu konnten Geschädigte einen Antrag auf Entschädigung stellen und je nach Verlust unterschiedliche Fragebögen ausfüllen. Seit 1996 können keine Anträge auf Lastenausgleich mehr gestellt werden. Im Februar 1988 wurde die zentrale Archivierung der Unterlagen aus dem Bereich des Lastenausgleichs festgelegt und die Akten im Lastenausgleichsarchiv in Bayreuth gesammelt, welches zum Bundesarchiv gehört. Heute kann ein Antrag auf Einsicht in die Lastenausgleichsakte gestellt werden, wobei ein berechtigtes Interesse nachgewiesen werden muss. Teilbestände sind bereits in Invenio online zu finden. Quelle: Computergenealogie 2/2025, Fachzeitschrift Forum (2019) & BADV
Als die Vertreibungen der deutschen Bevölkerung in den ehemaligen Ostgebieten einsetzte, wurde Familien auseinander gerissen und so begannen der Kirchliche Suchdienst der Caritas und Diakonie ab August 1945 die Daten der Familien in sogenannten Heimatortkarteien systematisch zu erfassen. Zunächst nahmen Freiwillige die Personalien der Flüchtlinge und Vertriebenen in den Lagern auf Karteikarten auf, übertrugen sie auf Listen und später wurden die Namenskartei um eine Ortskartei erweitert. So entstand eine Übersicht nach Heimatwohnorte zum Stichtag 01.09.1939. Damit konnte der Suchdienst Anfragen nach vermissten Familienangehörigen schneller bearbeiten. Die Gesamtleitung über die Sammlung mit rund 20 Millionen erfassten Personen wurde am 01.12.1947 der Hauptvertretung des Deutschen Caritasverbandes in München übergeben. Als der Suchdienst 2015 seine Arbeit einstellte, wurden alle Unterlagen dem Bundesarchiv übergeben und sind heute Teil des Lastenausgleicharchivs in Bayreuth. Auf der Website des Bundesarchivs ist zu den ursprünglichen Dienststellen eine Findliste einzusehen. Die Suche in den Unterlagen wird hier auch erklärt, denn die Karteikarten unterliegen dem besonderen Datenschutz, da sie teilweise noch Informationen zu lebenden Personen beinhalten. Quelle: Computergenealogie 2/2025, bundesarchiv.de & wikipedia