Themenbeiträge
Das Gebiet der Familienforschung ist vielfälig. Neben den Grundlagen der Ahnenforschung und den verschiedenen Quellen, gibt es unzählige Themen, die unser Bild der Vorfahren erweitern und versollständigen. DIe Beiträge bieten einen kurzen Überblick über diese einzelnen Gebiete und Themen.
Wer auf der A19 unterwegs ist, fährt wahrscheinlich an Dobbin-Linstow vorbei. Was sollte es denn schon sehenswertes in dieser kleinen Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern geben? Das Wolhynier Umsiedlermuseum! Hier wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges rund 40 Familien in Übergangslagern untergebracht. Nach der Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone wurde jeder Familie 10 Hektar Land zugewiesen, oft mit etwas Wiese und Wald. Hier konnten sie ab 1947 Bauernhäuser in ihrer traditionellen Holzbauweise errichten. Obwohl sie 1974 wieder enteignet wurden, blieben viele Familien und nach der Wiedervereinigung wurden ein wegen Einsturzgefahr gesperrten Gebäude übernommen und wieder hergerichtet. Es entstand das Museum. 1993 wurde dann der Heimatverein Linstow gegründet und das Museum erweitert um ein Wirtschaftsgebäude, ein Erdkeller sowie eine Scheune, in der sich heute ein Bildungszentrum befindet. So entstand das bundesweit einzige Museum, welches mit einer Dauer- sowie wechselnder Sonderausstellungen einen bewegten Einblick in das Leben der Wolhynier sowohl in der alten als auch in der neuen Heimat ermöglicht. Projekttage für Kinder und Jugendliche, Publikationen aber auch der Austausch mit Nachkommen der Wolhyniendeutschen ergänzen das Angebot. Wer also auf der A19 unterwegs ist, sollte einen Halt in Linstow machen. Quelle: umsiedlermuseum-wolhynien.de
In der Schule lernt heutzutage jedes Kind von Mendel und Darwin und der Evolutionstheorie. Der britische Naturforscher Charles Darwin (12.02.1809-19.04.1882) begann zunächst ein Medizinstudium, um Arzt zu werden wie sein Vater, wechselte dann aufgrund von Langerweile zur Theologie, wo ihn besonders die Naturphilosophie und die neuen Kontinente interessierten. 1831 folgte er der Einladung mit dem Vermessungsschiff HMS Beagle, da er auf der Reise zur Vermessung von Patagonien und Feuerland in Südamerika auch sein Interesse für Natur und Geologie verfolgen konnte. Er sammelte Pflanzen, Tiere und Gesteinsproben und hielt seine Beobachtungen in zahlreichen Notizbüchern fest. Nach seiner Rückkehr nach England 1836 schenkt er den mitgebrachten Vögeln erst einmal keine Beachtung. Da sie unterschiedliche Schnäbel haben - von dick und kräftig zum Nüsse knacken bis hin zu lang und schmal zum Insektenfangen, denkt er, es handelt sich um Zaunkönige, Schwarzdrosseln und Kernbeißer. Erst ein herbeigerufener Kollege stellt fest, dass alle Vögel Finken und miteinander verwandt sind. Darwin kombiniert schnell: Da die Nahrung auf den Galápagos-Inseln, von wo er alle Vögel mitgebracht hatte, knapp war, herrschte dort ein ständiger Überlebenskampf und zufällig entstandene Varianten des Schnabels brachten den Vögel Vorteile, da sie so eine neue Nahrungsquelle erschließen konnten. Charles Darwin nannte dies, die natürliche Auslese oder Selektion und entwickelte seine Evolutionstheorie, mit der die Entstehung von Arten auf naturwissenschaftliche Grundlagen zurückzuführen konnte. Die Kirche, welche an die Erschaffung alle Lebewesen durch Gott glaubte und diese Theorie vertrat, bekämpfte die Evolutionstheorie von Darwin zunächst. Heute gilt diese jedoch auf Grundlage für die Biologie und Darwin hat unser modernes Weltbild durch seine Beobachtungen und Schlussfolgerungen nachhaltiger beeinfluss als kaum ein anderer Wissenschaftler. Quelle: geo.de & planet-wissen.de

Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen wurde am 01.04.1815 geboren, als zweiter Sohn des Rittmeisters Karl Wilhelm Ferdinand von Bismarck, aus dem Adelsgeschlechts Bismarck stammend, und der bürgerlichen Luise Wilhelmine Mencken. Sie war es auch, die ihre Söhne dazu brachte, in den Staatsdienst einzutreten. Bismarck besuchte das Gymnasium und machte 1832 das Abitur am humanistischen Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster. Anschließend nahm er das Studium der Rechtswissenschaften in Göttingen auf, welches er an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität (heute Humboldt Universität) fortführte. Nach seiner Militärzeit übernahm der die Verwaltung des elterliches Guts und unterstützte seinen Bruder im Landtag. Im Juli 1849 wurde er selbst in die die zweite Kammer des Preußischen Landtages gewählt und wurde zum Vollzeit-Politiker. Durch geschickte Diplomatie schaffte er es, deutsche Staaten hinter Preußen zu vereinen, denn sein Tram war ein kleindeutscher Nationalstaat ohne Österreich unter der preußischen Führung. Er war demnach kein Nationalist, der ein vereinigtes Deutschland wollte, sondern ein konservativer Preuße, welcher die Machtposition Preußens in der europäischen Welt stärken und vergrößern wollte. Nach dem Sieg gegen Frankreich und der Deutschen Reichsgründung 1871 wurde dieser Traum war und Otto von Bismarck wurde als Fürst von Bismarck zum ersten ersten Reichskanzel des Deutschen Kaiserreiches. Nach 19 Jahren im Amt, entzog ihm Kaiser Wilhelm die Unterstützung am 15.03.1890, da dieser seine Regierungszeit nicht mit dem Konfliktkurs von Bismarck beginnen wollte. Otto von Bismarck zog sich auf das Gut zurück. Er starb am 30.07.1989. Quelle: dhm.de & wikipedia
Bereits 1943 erhoben die Alliierten Daten zur Situation der Inhaftierten, Zwangsarbeiter und Flüchtlinge in Mitteleuropa, da sie das Ende des Zweiten Weltkrieges näher rücken sahen. Diese Aufgabe wurde zunächst vom Hauptquartier der Alliierten Streitkräfte übernommen und ab Februar 1944 zusätzlich mit der Aufgabe eines Zentralen Suchbüros betraut. Nach dem Kriegsende übernahm die Leitung zunächst die UNRRA (Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen), ab Juni 1947 die IRO (Internationale Flüchtlingsorganisation) und ab 1948 die ITS (Internationaler Suchdienst). Der Sitz der Organisation wurde bereit im Januar 1946 in das hessische Bad Arolsen verlegt, denn hier befand sich die geografische Mitte der vier Besatzungszonen Deutschlands. Heute obliegt die Leitung den Arolsen Archives sowie dem Bundesarchiv. Die heutigen Aufgaben erstrecken sich von der Archivierung und Digitalisierung über die Erschließung der Archivunterlagen sowie der Informationsweitergabe zu NS-Verfolgte. Der Bereich der Aufklärung und Bildung zu den Schicksalen von NS-Verfolgten nimmt dabei einen immer größer werdenden Part ein. Die aktuell rund 30 Millionen historischen Dokumenten der Arolsen Archive sowie weitere Dokumente aus externen Quellen kann online durchsucht werden, wobei der Bestand regelmäßig anwächst. Wer in den digitalen Beständen nicht fündig wird, kann eine Rechercheanfrage stellen. Quelle: Arolsen-archives.org
Bis ins 18. Jahrhundert hinein wusste das Königreich Preußen über regelmäßige staatliche Statistiken, wer im Land lebt. Zentrale Grundlage war dabei die regelmäßige Volkszählung, bei der Formulare von Pfarrern, Gutsherren oder Steuerbeamten ausgefüllt werden mussten. Aber auch Gebäude und Vieh wurde dabei erfasst. Verantwortlich dafür war ab 1805 das Königliche Statistische Bureau. Zu dieser Zeit führte Napoleon in Frankreich und den französisch besetzten Gebieten den "Code Civil", die Grundlage der staatlichen Gesetzgebung, in der auch die Erfassung von Geburten, Heiraten und Todesfälle durch den Staat verordnet wurde. Hier lag also die Dokumentation nicht mehr nur in der Hand der Kirchen. Nach der Napoleanischen Herrschaft behielten einige Gebiete diese Praxis bei, wie beispielsweise in den Rheinprovinzen, in anderen Gebieten wurde das preußische Landrecht wieder eingeführt. Dadurch gab es in den deutschen Gebieten über einige Jahrzehnte unterschiedliche Praktiken bei der Erfassung der Personenereignissen. Auch der Vorrang der Zivilehe vor der kirchlichen Ehe wurde demnach unterschiedlich gehandhabt. 1874 wurde das Personenstandsgesetz in Preußen eingeführt, gegen den Widerstand der Kirche. Auch die Führung der Personenstandsregister durch den Staat, im sogenannten Standesamt, wurde damit staatlich angeordnet und das Gesetz 1876 auf das gesamte Deutsche Reich ausgeweitet. Diese Rechtsordnung gilt bis heute, auch wenn mittlerweile die kirchliche Trauung heute wieder terminlich vor der staatlichen Trauung stattfinden kann - eine Rechtsfolge hat nur die staatliche Trauung. Geburten und Sterbefälle müssen immer beim Standesamt registriert werden. Quelle: Computergenealogie 1/2024 & wikipedia
Ob Napoleon selbst Familienforschung betrieben hat, ist nicht überliefert, doch sein Einfluss auf die Genealogie in Deutschland ist enorm. Bereits 1804 führte er in Frankreich das Zivilgesetzbuch "Code Civil" ein. Hier wurden nicht nur die Grundprinzipien der Französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - Liberté, Égalité, Fraternité) verankert, sondern legte Regeln für den Bereich des Privat-, Personen-, Familien-, Eigentums-, Vertrags- und Erbrecht fest. Damit wurden die bisherigen Gewohnheits- und Partikularrechte abgelöst. Das "Code Civil" hatte auch weltweit einen großen Einfluss auf die Rechtsordnung. Zeitgleich mit der Einführung des "Code Civil" schaffte Napoleon auch Zivilstandsregister, um Geburten, Heiraten und Todesfälle staatlich zu erfassen - und machte dies zur Pflicht. Damit wurde die bisherige Vormachtstellung der Kirchenbücher abgeschafft. Mit der Ausbreitung des französischen Staatsgebietes durch Eroberung von deutschen Herzog- und Fürstentümern sowie Königreichen, wurde auch in diesen Gebieten, selbst wenn sie autonom geführt wurden, der "Code Civil" eingeführt. Auch wenn die Zivilstandsregister teilweise nach dem Wiener Kongress und dem Ende der Herrschaft Napoleons abgeschafft wurden, gab es einige Gebiete wie die Rheinprovinz, Lübeck und Bremen, welche an der staatlichen Dokumentation festhielten. Mit der Schaffung des Deutschen Kaiserreiches wurden die Personenstandsregister dann einheitlich im gesamten deutschen Reich eingeführt - heute neben den Kirchenbüchern eine wichtige Quelle für die Familienforschung. Quelle: demokratiegeschichte.de , wiki.genealogy.net & wikipedia
Unsere persönliche Zeit auf der Erde ist endlich. Doch während Vorsorgen des Nachlasses durch ein Testament - wenn überhaupt - meistens auf finanzieller Ebene getroffen werden, machen sich noch immer sehr wenige Familienforschende Gedanken, was mit ihren mühsam zusammengetragenen Forschungsergebnisse passiert. Regionale Archive und Vereine übernehmen keinen "Chaosberg" an Unterlagen, wenn überhaupt müssen die Dokumente und Unterlagen sortiert und am Besten digitalisiert sein. Hilfestellungen für das "richtige" Sortieren und Ordnen finden sich u.a. unter https://wiki.genealogy.net/Genealogischer_Nachlass oder https://wiki.genealogy.net/DAGV/Arbeitsgruppe_digitaler_genealogischer_Nachlass . Wer schon zu Lebzeiten seine Forschungsergebnisse beispielsweise in online Datenbanken oder als gedruckte Publikationen veröffentlicht, muss sich trotzdem auch Gedanken um die Vererbung der Unterlagen machen. Aber auch die Zugänge zur genutzten Software oder online Datenbank gehören dazu. Aber auch hier sollten klare Regelungen getroffen und für die Erben schriftlich notiert werden. Sofern man sich allein darauf verlässt, dass sich die Nachkommen schon um den (genealogischen) Nachlass kümmern, wird die jahrelange, mühselige Forschungsarbeit wohl eher verloren gehen als anderen Forschenden zur Verfügung zu stehen. Quelle: Computergenealogie 4/2024 & wiki.genealogy.net
Meist wird das Königreich Galizien und Lodomerien als Teil von Österreich-Ungarn immer in einem Atemzug genannt. Benannt nach der lateinischen Bezeichnung Lodomeria für die in der Ukraine liegenden Stadt Wolodymyr, ist heute eher der Name Wolhynien bekannt. Das ehemalige Füstentum Lodomerien, auch bekannt als Fürstentum Wladimir/Wolodymyr war ein Teil des mittelalterlichen Großreiches Kiewer Rus, welches zwischen 800 und 1240 bestand. Bis 1385 gehörte es zum Fürstentum Galizien-Wolhynien, wurde dann Teil von Litauen-Polen und gehörte ab 1793 zum Russischen Reich. Also obwohl das Königreich Galizien und Lodomerien bis 1918 zu Österreich-Ungarn gehörte, gehörte die eigentliche Region Lodomerien bzw. Wolhynien nie zu den Habsburgern. Vielmehr wurde der Name aus der ungarischen Königstitular entnommen, da die Region im Spätmittelalter die Hoheit über das Gebiet beanspruchte. Quelle: Computergenealogie 2/2024, deutschlandfunkkultur.de & wikipedia
Die historische Landschaft Galizien, abgeleitet vom lateinischen Namen Galicia der heutigen Stadt Halytsch im Karpatenvorland/Polen, bezeichnet ein rund 80.000 Quadratmeter großes Gebiet im Süden Polens und Westen der heutigen Ukraine. Nach der ersten Teilung Polens gelangte dieses Gebiet an Österreich und wurde dort zusammen mit Lodomerien als Königreich Galizien und Lodomerien in das Kaisertum angegliedert. Bis 1918 war es Kronland von Österreich-Ungarn. Ursprünglich von Slawen besiedelt, bewohnte, viele verschiedene Volksstämme Galizien während der Zugehörigkeit zum Kaisertum Österreich: Polen, Ukrainer, Russen, Armenier, Moldauer, Ungarn und Deutsche. Die ersten deutschsprachigen Kolonialisten kamen 1774, als Maria Theresia in Lemberg die ersten Handwerker ansiedeln ließ. Auch unter ihrem Nachfolger Kaiser Joseph II. wurden deutsche Handwerker aber auch viele Bauern angeworben, welche bis zur Revolution 1848 nach Galizien strömten. Aufgrund der zugesichterten Bedindung, einen eigenen Staatsapparat aufzubauen, folgten schnell auch Beamte, Lehrer und Offiziere. 1940 wurde der Deutsch-Sowjetische Grenz- und Freundschaftsvertrag geschlossen, welcher vorsah, die Galiziendeutsche ""heim ins Reich"" zu holen. Es folgten Umsiedlungen in die besetzten polnischen Gebiete, vor allem um Łódź (ehemals Litzmannschaft). Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden sie aus dem nun wieder polnischen Gebiet nach Deutschland vertrieben und wurden dort über das ganze Land verteilt. Bereits 1946 gründete sich das Hilfskomitee der Galiziendeutsche, zunächst als Hilfsanlaufstelle, später zur Bewahrung des kulturellen Erbes. Hier sowie beim AGoFF finden Familienforschende Hilfe und Tipps bei der Suche nach Vorfahren. Quelle: Computergenealogie 2/2024, kulturforum.info , galizien-deutsche.d e & wikipedia
Die gängigsten Quellen für die Familienforschung sind Kirchenbücher oder Personenstandsunterlagen oder private Dokumente. Wer jedoch wissen möchte, wie die Vorfahren gewohnt bzw. gelebt haben, sollte Notariatsakte studieren. Zu diesen Akten gehören neben Testamente, Heiratsverträge, Schenkungen, aber auch Vollmachten, Kauf- oder Pachtverträge usw. Also alles Vorgänge, bei denen einen Notar rechtliche oder amtliche Unterlagen erstellt. Bei Vorfahren, welche ausgewandert sind, kann ein Blick in die Akten weiterhelfen, da vor einer Auswanderung meistens sämtliches Hab und Gut überschrieben oder verkauft werden musste. Die Notariatsakten müssen vom Notar aufbewahrt und verwaltete werden und nach Abschluss gesichert oder an ein Archiv übergeben werden. Die Aufbewahrungsfristen reichen von 7 bis 100 Jahre und da sie eine wertvolle historische Quelle darstellen werden die meisten an ein Staatsarchiv übergeben. Auch wenn sie kaum online erschlossen sind, ist ein Blick in die Notariatsakten sehr hilfreich und kann die Familienforschung bereichern oder tote Punkte überwinden. Quelle: Computergenealogie 2/2024 & antenati.cultura.gov.it
Sofern jemand nicht aus Erholungsgründen verreist, sondern um Erkenntnisse zu vertiefen oder Fertigkeiten zu erweitern, spricht man von einer Forschungsreise. Wissenschaftler wie Alexander von Humboldt, Charles Darwin oder Marco Polo haben Forschungsreisen in unbekannte bzw. weniger bekannte Gebiete gemacht, um diese zu erforschen. Auch in der Ahnenforschung können und sollten Forschungsreisen unternommen werden. Hier spricht man auch von Ahnenreise, um beispielsweise die Orte zu besuchen, an denen die Vorfahren gelebt haben. Ziel ist es dabei nicht nur, sich ein Bild vom Ort und der Umgebung zu machen, vielleicht auch das Haus, in denen die Vorfahren gelebt haben zu besichtigen, sondern auch, um in Kirchen, regionalen Archiven oder Friedhöfen Spuren zu suchen und das Bild der eigenen Familie zu vervollständigen. Wie bei jeder Reise ist die Vorbereitung wichtig: Was soll erforscht werden bzw. welche Fragen möchte man beantworten? Was möchte man besuchen, wann haben Kirche, Archive, Museen, welche möglicherweise Antworten auf die Fragen haben, geöffnet? Sofern Termine notwendig sind, sollten diese vorher vereinbart werden. Anfragen bei regionalen Geschichts- oder Heimatvereinen oder lokalen Ahnenforschern sollten frühzeitig gestellt werden. Sofern eine Forschungsreise ins Ausland geht, ist die sprachliche Vorbereitung durch lokale Guides oder Übersetzungs-Apps ebenfalls wichtig. Außerdem sollte man alle notwendigen Unterlagen, wie bereits bekannte Dokumente, Aufzeichnungen, Karten oder Fotos entweder digital oder als Kopie mitgenommen werden. Dabei hilft es, diese zusammen mit den noch offenen Fragen in einem Ordner sortiert und vorbereitet dabei zu haben. Auch können hier die vereinbarten Termine festgehalten werden, damit nichts vergessen wird. Ist man vor Ort, sollte man sich Zeit nehmen, nicht nur für den Besuch der Orte, Archive etc. sondern auch, um alles zu fotografieren und festzuhalten - vielleicht beantwortet die Forschungsreise dann nicht nur bisher offene Fragen sondern ergibt auch noch einen schönen Forschungsbericht als Erinnerung und Ergänzung in der eigenen Familienforschung. Quelle: wikipedia
Seit 2023 ist das Projekt zur Visualisierung verschiedener Quellen wie Adressbüchern, Ortsfamilienbüchern und Friedhöfen des Vereins für Computergenealogie unter https://geovis.genealogy.net/ erreichbar. Die bisher separaten Datenbank wurden hier zusammengebracht und auf einer Kartenansicht visualisiert. So kann man direkt alle bisher beim Verein für Computergenealogie erfassten Quellen zu weltweiten Orten auf einem Blick einsehen - sowohl abgeschlossene als auch Digitalisierungsprojekte, welche sich noch in der Planung bzw. Umsetzung befinden. Eine Ortssuche erleichtert die Navigation. Quelle: Computergenealogie 4/2023
In den Anfängen der Computergenealogie nutzte jedes Genealogieprogramm noch ihre eigene Art und Weise zum Speichern der Daten. Somit war eine Nutzung von verschiedenen Programmen oder gar ein Wechsel nicht möglich. Die Mormonen entwickelten zwischen 1984-1987 einen Branchenstandart: GEDCOM (Genealogical Data Communication) mit einem einheitlichen Dateiformat, sodass Daten von verschiedenen Programmen ausgetauscht werden konnten. Im Laufe der Zeit wurde GEDCOM weiterentwickelt sprich um neue Eingabefelder erweitert. Auch wenn die die Anwender an die Genealogieprpgramme oft den Anspruch eines Datenaustausches per GEDCOM haben und die Funktion auch angeboten wird, ist deren fehlerfreie Anwendung nicht immer im Fokus der Programmanbieter. Wer also Daten per GEDCOM von einem Programm in ein anderes überträgt, sollte nicht blind auf die korrekte Übertragung vertrauen. Vielmehr sollte immer überprüft werden, ob beim Transfer wirklich alle Daten korrekt in das neue Programm eingespielt wurden. Wenn man fehlerhafte Übertragungen erst später feststellt, ist der Schaden meist nicht mehr zu reparieren. Quelle: Computergenealogie 4/2024 & wiki.genealogy.net
Wenn man vom Kaukasus spricht, ist die rund 1.100 km lange Gebirgskette in Eurasien gemeint, welche als Hochgebirge zwischen Schwarzem und Kaspischen Meer liegt und die höchste Erhebung im Elbrus (5.642 m) vorweist. Ist von der Kaukasusregion die Rede, sind die Gebiete gemeint, welche ab 1770 zum Russischen Reich gehörten und heute größtenteils eigenständige Staaten darstellen wie Armenien, Aserbaidschan und Georgien. Aber auch Teile Russland, wie der Südrussland und Nordkaukasus liegen in dieser Region, und auch die Türkei hat Anteil am Kaukasus. Bereits im Osmanischen Reich war die Region Schauplatz von kriegerischen Auseinandersetzungen, da hier viele Völkergruppen mit unterschiedlichen Sprachen und Kulturen auf verhältnismäßig engem Raum lebten. Als Russland um 1770 expandierte, wurde die Region nach dem 5. Russischen Türkenkrieg in das Russische Reich eingegliedert. Doch der Konflikt flammte immer wieder auf und erst 1882 wurde mit der Errichtung des Generalgouvernement Kaukasien eine Militärverwaltung mit festem administrativen Rahmen etabliert. Während dieser doch sehr unruhigen Zeit begann Zar Alexander I. Auswanderungswillige in Württemberg anzulocken. Die ersten 31 Auswandererfamilien machten sich im Mai 1817 auf den beschwerlichen Weg in ihre neue Heimat. Sie waren radikale Pietisten und hatten Herausforderungen mit den württembergischen Behörden. Das Angebot von Alexander I. mit Religionsfreihet und ohne Wehrpflicht nahmen sie gerne an. Nachdem sie in Württemberg gestartet waren, führte sie ihr Weg per Boote über die Donau bis nach Odessa am Schwarzen Meer. Nach mehrwöchiger Quarantäne mussten sie über Land weiter ziehen, bis sie am 20.09.1817 in Tiflis im heutigen Georgien ankamen. Die Kolonie Marienfeld, heute Sartitschala, wurde gegründet, nachdem den Familien Land zugewiesen wurde zusammen mit einem Startkapital. Bereits ein Jahr später folgten weitere Auswanderer und weitere Kolonien wurden errichtet wie Alexanderhilf, Blumental oder Rosenberg. Noch bis in die 1920er Jahre entstanden deutsche Siedlungen. Auch in anderen Regionen wurden deutsche Kolonien errichtet wie Alt-Katharienfeld in Aserbeidschan. Aufgrund der ethnischen und religiösen Unterschiede und Konflikten, gewann der Nationalsozialismus an Bedeutung in der Region und nach dem Ende des Ersten Weltkrieges kam es zu Revolutionen. Das geschwächte Russland verlor die Kontrolle über die Region und ethnische Gruppen schlossen sich zu Nationen zusammen und gründeten die Staaten Nordkaukasische Bergrepublik, Georgien, Armenien und Aserbaidschan. Die Unabhängigkeit währte nur kurz, denn bereits 1918 beendeten die Sowjetunion die Unabhängigkeit von Aserbaidschan, 1920 folgten Armenien und Georgien. In den 1930er Jahren wurden die Nachkommen der deutschen Siedler enteignet und teilweise verhaftet. Stalin befahl am 28.08.1941 die Umsiedlung aller in Russland lebenden Deutschen und wer in der Kaukasusregion nicht mit Einheimischen verheiratet war, wurde nach Sibirien oder Kasachstan deportiert. Dies betraf rund 45.000 Menschen, von denen viele verstarben. Erst 1979 durften rund 2.000 Deutsche zurück nach Georgien kehren, von denen heute die meisten in Tiflis leben. Mit dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Staaten wieder unabhängig. Wer Vorfahren im Kaukasus hat oder auf der Suche nach Nachkommen ist, wird sowohl im Nationalarchiv Georgiens fündig, da hier die Dokumente zu Landbesitz aber auch Kirchenbücher aufbewahrt werden. Diese sind auch bei Ancestry online verfügbar. Quelle: Computergenealogie 3/2024 & wikipedia
Das Elsass, der Landstrich westlich des Rheins, gehörte bis 1254 zum Herzogtum Schwaben und somit zum Heiligen Römischen Reich. Das nördlich anschließende Herzogtum Lothringen war ebenfalls Teil des Heiligen Römischen Reiches. Das Elsass fiel im Zuge des 30jährigen Kriegs schrittweise an Frankreich, Lothringen kam im 18. Jahrhundert in den Besitz Frankreichs. Aufgrund der überwiegend deutschsprachigen Bevölkerung sah Deutschland die Gebiete jedoch als ""rechtmäßigen"" Teil ihres eigenen Herrschaftsgebietes an. Nach dem Sieg über Frankreich im Deutsch-Französischen Krieg und der anschließenden Gründung des Deutschen Kaiserreiches wurde das Gebiet als Reichsland Elsaß-Lothringen an das Kaiserreich angegliedert. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Versailler Vertrag mussten Elass und Lothringen an Frankreich zurück gegeben werden, woraufhin die Nationalsozialisten im zweiten Weltkrieg die Gebiete wieder annektierte. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges kamen die Gebiete zurück unter französischer Kontrolle. Die deutsche Verwaltung und Sprache im öffentlichen Raum wurde beendet und es kam zu einer Säuberung: Viele Elsässer und Lothringer, die mit den deutschen Besatzern zusammengearbeitet und sympathisiert hatten (egal ob freiwillig oder auf Druck der deutschen Besatzer) wurden angeklagt, inhaftiert oder vertrieben. Im Biildungswesen und öffentlichen Leben wurden die regionalen Dialekte durch eine Intensivierung der französischen Sprache zurückgedrängt. Die Bevölkerung musste ihre doch eher deutsche kulturelle Prägung mit der französischen Staatszugehörigkeit verbinden, denn das deutsche Erbe spiegelt sich noch heute unter anderem in den Familiennamen wie Muller, Kramer oder Huber wider. Quelle: www.dhm.de & wikipedia
Die historischen Hauptgebiete Tschechiens sind Böhmen, Mähren und Schlesien. Sie gehörten zum Heiligen Römischen Reich, dann zur Habsburger Dynastie und der Sowjetunion, als Tschechoslowakei, bevor Tschechien und die Slowakei zum 01.01.1993 zwei unabhängige Staaten wurden. Wer Vorfahren in Tschechien sucht, da diese spätestens nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges vertrieben wurde, wird wahrscheinlich schnell auf die Vereinigung Sudetendeutscher Familienforscher (VSFF) stoßen. Neben Kirchenbüchern, Ortsfamilienbüchern, Häuserlisten und den Transportlisten der Vertriebenen hat der Verein auch eine Auflistung der tschechischen Archive auf seiner Website. In der Vereinsdatenbank können nur Vereinsmitglieder online suchen. Andere Anlaufstellen sind das Tschechische Nationalarchiv oder FamilySearch, letzte bieten auch Videovorträge über die tschechischen Archive und Quellen an, teilweise auch auf deutsch. Quelle: Computergenealogie 1/2025 & sudetendeutsche-familienforscher.de
Das historische Gebiet Transsilvanien, die Heimat von Graf Dracula, gehört heute zu Rumänien. Neben der einzigartigen Natur und der höchsten Braunbärenpopulation ist aus genealogischer Sicht vor allem die Geschichte der Siebenbürger Sachsen interessant - welche der Region auch ihren zweiten Namen Siebenbürgen gab. Im 12. Jahrhundert folgten deutsche Bewohner, mehrheitlich aus dem Rheingebiet um Köln und Trier aber auch aus der Region um Lüttich und Bayern, dem Werben des ungarischen Königs. Die Bauern, Handwerker und Kaufleute kamen als freie Bürger in das Gebiet, waren nur dem König untertan und gründeten zahlreiche Städte und Dörfer. Von den sieben zentral befestigten Städten bzw. Burgen dieser Siedler (Hermannstadt, Kronstadt, Schäßburg, Mediasch, Mühlbach, Broos und Großschenk) leitet sich höchstwahrscheinlich der Name Siebenbürgen ab. Die Bewohner wurden als Siebenbürger Sachsen bezeichnet. Der Zusatz Sachsen beruht dabei auf einem Missverständnis, denn ein kleiner Teil der Siedler wurde in den lateinischen Aufzeichnungen der ungarischen Könige als Saxones bezeichnet, doch mit dem heutigen Freistaat Sachsen hat die Bezeichnungs nichts zu tun. Im Laufe der Jahrhunderte geriet das Gebiet zunächst als Fürstentum Siebenbürgen unter die Herrschaft des Osmanischen Reiches und wurde 1699 durch den Frieden von Karlowitz in die Habsburgermonarchie eingegliedert. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges erfolgte der Anschluss an das Königreich Rumänien. Die Nachkommen der ehemaligen Siedler behielten über die Generationen hinweg die deutsche Sprache bei, meist einen moselfränkischen Dialekt, wurden später jedoch vermehrt als Rumänendeutsche bezeichnet. Insbesondere in den 1970er Jahren siedelte viele von ihnen nach Deutschland bzw. Österreich um, doch noch heute lebt eine kleine Minderheit im diesem Gebiet. Beim Verein für Genealogie der Siebenbürger Sachsen e.V. kann unter https://vgss.de/genealogie-datenbank/ genealogische Stammbäume der Siedler bzw. ihrer Nachkommen eingesehen werden. Quelle: sektion-karpaten.de, siebenbuerger.de & wikipedia
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lag nicht nur Deutschland in Trümmern und die Menschen hatten ihre Existenzgrundlage verloren, es mussten auch rund acht Millionen Menschen aufgenommen werden, die aus den ehemaligen Ostgebieten, dem Sudetenland oder den deutschen Siedlungsgebieten in Südosteuropa vertrieben wurden. Sie alle teilte das gleiche Schicksal: Sie waren entwurzelt, hatten ihr gesamtes Hab und Gut verloren, mussten viel Leid auf ihren Fluchtweg erleiden und nicht waren oft von ihren Familien getrennt worden bzw. wussten nichts über das Schicksal ihrer Angehörigen. Auch die Nachkriegszeit war schwer, denn die Bevölkerung musste mit Lebensmittel versorgt werden, es musste Wohnraum geschaffen werden und Vorkehrungen für die kalte Winterzeit. Auch wenn alle leidgeprüften Menschen die Hoffnung auf einen lebenswerten Neuanfang in Deutschland hatten, war dies aus eigener Kraft nur in den seltensten Fällen wirklich zu schaffen. Mit dem im Juni 1948 in Kraft getretenden Währungsgesetzes in den westlichen Besatzungszonen wurde den deutschen gesetzgebenen Stellen auch die Regelung des Lastenausgleichs aufgetragen. Bis in die 1965 wurden verschiedene Gesetze erlassen, um den Geschädigten einen Teil ihres Verlustes zu ersetzen. Hiermit konnten Millionen von vertriebenen und geflüchteten Menschen in Deutschland die Eingliederung und der Neustart ermöglicht werden. Dazu konnten Geschädigte einen Antrag auf Entschädigung stellen und je nach Verlust unterschiedliche Fragebögen ausfüllen. Seit 1996 können keine Anträge auf Lastenausgleich mehr gestellt werden. Im Februar 1988 wurde die zentrale Archivierung der Unterlagen aus dem Bereich des Lastenausgleichs festgelegt und die Akten im Lastenausgleichsarchiv in Bayreuth gesammelt, welches zum Bundesarchiv gehört. Heute kann ein Antrag auf Einsicht in die Lastenausgleichsakte gestellt werden, wobei ein berechtigtes Interesse nachgewiesen werden muss. Teilbestände sind bereits in Invenio online zu finden. Quelle: Computergenealogie 2/2025, Fachzeitschrift Forum (2019) & BADV
Als die Vertreibungen der deutschen Bevölkerung in den ehemaligen Ostgebieten einsetzte, wurde Familien auseinander gerissen und so begannen der Kirchliche Suchdienst der Caritas und Diakonie ab August 1945 die Daten der Familien in sogenannten Heimatortkarteien systematisch zu erfassen. Zunächst nahmen Freiwillige die Personalien der Flüchtlinge und Vertriebenen in den Lagern auf Karteikarten auf, übertrugen sie auf Listen und später wurden die Namenskartei um eine Ortskartei erweitert. So entstand eine Übersicht nach Heimatwohnorte zum Stichtag 01.09.1939. Damit konnte der Suchdienst Anfragen nach vermissten Familienangehörigen schneller bearbeiten. Die Gesamtleitung über die Sammlung mit rund 20 Millionen erfassten Personen wurde am 01.12.1947 der Hauptvertretung des Deutschen Caritasverbandes in München übergeben. Als der Suchdienst 2015 seine Arbeit einstellte, wurden alle Unterlagen dem Bundesarchiv übergeben und sind heute Teil des Lastenausgleicharchivs in Bayreuth. Auf der Website des Bundesarchivs ist zu den ursprünglichen Dienststellen eine Findliste einzusehen. Die Suche in den Unterlagen wird hier auch erklärt, denn die Karteikarten unterliegen dem besonderen Datenschutz, da sie teilweise noch Informationen zu lebenden Personen beinhalten. Quelle: Computergenealogie 2/2025, bundesarchiv.de & wikipedia
Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen wurde am 22.03.1797 in Berlin geboren, als zweiter Sohn des Kronprinzenpaares Friedrich Wilhelm III. und Luise von Preußen. Sein älterer Bruder Friedrich Wilhelm IV. sollte die spätere Thronfolge übernehmen, sodass der Hauslehrer der beiden sein Augenmerk hauptsächlich auf Friedrich Wilhelm lenkte. Beide Jungs wurde vom Hauslehrer Delbrück nach einem aufklärerischen Erziehungskonzept erzogen, welcher ihnen Freiheiten zum Spiel und Tanz erlaubten. Für Wilhelm sahen die Eltern früh eine militärische Laufbahn vor und so trat er 1807 mit 10 Jahren als Fähnrich dem 1. Garde-Regiment zu Fuß bei. Auch wenn der oft kränkelnde Wilhelm sich bei den Offiziersausgaben noch überfordert saß und bei ersten Kriegshandlungen nur aus sicherer Entfernung teilnahm, wurde er in militärstrategischen Überlegungen unterrichtet und das militärische Denken blieb für ihn während seines ganzen Lebens von großer Bedeutung. In den 1820er Jahren zog ihn sein Vater zu diplomatischen Beratungen heran. Nachdem die Ehefrau seines Bruders Friedrich Wilhelm, Elisabeth Ludovika von Bayern, 1828 eine Fehlgeburt erlitt und daraufhin keine Kinder mehr bekommen konnte, wurde Wilhelm zum Nachfolger bestimmt. Da es nun an ihm lag einen legitimen Erben für die Dynastie der Hohenzollern zu zeugen, verfügte sein Vater und sein älterer Bruder, dass sich Wilhelm 1829 mit Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach zu vermählen hatte, obwohl Wilhelm eine Ehe mit seiner Cousine Elisa Radziwiłł wünschte, die jedoch aufgrund ihrer Abstammung väterlicherseits als nicht ebenbürtig seitens des Vaters und des älteren Bruders angesehen wurde. Wilhelm ließ das Alte Palais in Berlin als Winter- und Schloss Babelsberg als Sommerresidenz errichten. Als der Vater starb, übernahm Friedrich Wilhelm IV. die Regentschaft. Während der Märzrevolution empfahl Wilhelm seinem Bruder, den Demonstranten die militärische Macht gegenüber zu stellen. Als es zu blutigen Kämpfen kam und der König schließlich den Abzug der Truppen befahl, wurde Wilhelm als Initiator des Blutvergießens wahrgenommen, sodass er ins Exil nach London geschickt wurde. Erst 1848 kam er zurück, übernahm das Militärgouverneur Rheinprovinz und Westfalen und vertrat seinen Bruder ab 1857 immer häufiger, aufgrund seiner schweren Erkrankung. Friedrich Wilhelm IV. am 02.01.1861 verstarb, übernahm Wilhelm I. als König von Preußen die Regentschaft und ernannte den bisherigen preußischen Botschafter in Paris, Otto von Bismarck, zum preußischen Ministerpräsidenten. Es folgte der Deutsch-Dänischer Krieg (1864), der Preußisch-Österreichischer Krieg (1866) sowie der Deutsch-Französischer Krieg (1870/1871), welcher nach dem gemeinsamen Sieg der deutschen Kleinstaaten zur Reichsgründung am 18.01.1871 im Schloss von Versailles führte. Wilhelm I. war nun der erste Deutsche Kaiser. Mit zunehmenden Alter reduzierte er ab Ende der 1870er Jahren sein Wirken in den Amtsgeschäften und trat nun verstärkt bei öffentlichen Aufgaben mit anderen deutschen Landesherren. So verstärkte er den regionalen Patriotismus des noch jungen Deutschen Kaiserreiches und wurde in der Öffentlichkeit als Symbolfigur wahrgenommen. Mit 90 Jahren verstarb er am 09.03.1888 in Berlin. Während seiner Aufbahrung im Berliner Dom nahmen nach zeitgenössischen Schätzungen zwischen 100.000 und 300.000 Menschen Abschied vom Monarchen. Es folgte das Dreikaiserjahr: Sein Sohn Friedrich III. überlebte ihn nur 99 Tage, da er bereits an Kehlkopfkrebs erkrankt war, und sein Enkelk Wilhelm II. übernahm den Thron. Vor allem sein Enkel Wilhelm II. förderte Denkmäler für seinen Großvater als Reichsgründer, um so selbst seine Herrschaft zu sichern wie das Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal vor dem Berliner Schloss. Auch griff er die Kyffhäuser-Sage auf und ließ Wilhelm I. als Erfüller der Prophezeiung, Kaiser Friedrich I. Barbarossa käme nach einem langen Schlaf zurück und ließe sein altes Reich, das Heilige Römische Reich, wieder auferstehen. Quelle: dhm.de & wikipedia
Der baltische Volksstamm der Prußen oder Pruzzen hatten ab dem 10. Jahrhundert ihr Siedlungsgebiet an der Ostsee zwischen Weichsel und Memel. Die polnischen Herzöge unternahmen immer wieder Feldzüge zur Christianisierung der Prußen, was jedoch ohne Erfolg blieb. Erst durch den polnische Herzog Konrad von Masowien gelang die Unterwerfung der Prußen mit Unterstützung des Deutschen Ordens 1283. Das ehemalige Siedlungsgebiet der Prußen wurde nun durch deutsche Zuwanderer kolonisiert. Ab 1466 wurde ein Teil des historischen Prußen als "Polnisch Preußen" geführt, der andere Teil wurde zum Herzogtum Preußen umgewandelt. 1618 erbten die Kurfürsten von Brandenburg das Herzogtum, welches weiterhin unter polnischer Lehnshoheit stand. Durch 1657 gewann das Herzogtum Preußen die Souveränität und nach der Königskrönung von Friedrichs III. von Brandenburg setzte sich nach und nach die Bezeichnung Preußen für alle Besitztümer der brandenburgisch-preußischen Herrscher durch. Im Zuge der Ersten Teilung Polens 1772 kam nun auch Polnisch-Preußen zu den Hohenzollern. Bereits ein Jahr später wurden aus den historischen Gebieten der Prußen zwei Verwaltungseinheiten: die Provinz Ostpreußen bestand aus den Gebieten des ehemaligen Herzogtum Preußens ohne den südwestlichen Teil und die Provinz Westpreußens wurde aus diesem südwestlichen Teil zusammen mit Pommerellen und dem Kulmerland gebildet. Die Provinz Westpreußen wurde mit dem Ende des Ersten Weltkrieges aufgeteilt, der größte Teil wurde Polen zugesprochen, ein kleiner Teil verblieb beim Deutschen Reich. In der Provinz Ostpreußen wurde per Volksentscheid der Verbleib beim Deutschen Reich entschieden, die noch aus der Provinz Westpreußen erhaltenen Gebiete wurden nun in der Provinz Ostpreußen eingegliedert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde auch die Provinz Ostpreußen wiederum aufgeteilt: Der nördliche Teil um die Stadt Königsberg wurde Russland zugeteilt, der südliche Teil kam zu Polen. Die deutsche Bevölkerung wurde bis 1948 vertrieben oder zwangsumgesiedelt. Aufgrund der langen deutschen Geschichte, gibt es viele Familienforschende, die in West- und/oder Ostpreußen nach Vorfahren suchen. Einen ersten Anlaufpunkt bietet hier der Verein für Familienforschung in Ost- und Westpreußen e.V. ( www.vffow.de ). Quellen: westpreussen.de & ostpreussen.de
Kaum jemand, kann heute sagen, wo Bessarabien liegt - außer vielleicht, Familienforschende, deren Vorfahren aus dieser Region stammen. Geografisch liegt Bessarabien heute größtenteils in der Republik Moldau sowie kleinere Teile in der Ukraine. Über viele Jahrhunderte war es eine Pufferregion zwischen Österreich, Russland und dem Osmanischen Reich, bis das Fürstentum Moldau 1812 in die Herrschaft des Russischen Zarenreiches eintrat und als Gouvernement Bessarabien nun der Kontrolle Russlands unterstand. Zar Alexander I. wollte das Land kolonisieren und warb deutsche Siedler an. Zwischen 1814 und 1842 wurden von rund 9.000 deutschen Siedlern insgesamt 24 größere Kolonien im Süden Bessarabiens errichtet, wobei man sich häufig den bereits existierenden, ehemaligen osmanischen Siedlungen anschloss. 1871 hob Zar Alexander II. den Kolonistenstatus auf, die deutschen Siedler verloren ihre bisherigen Privilegien und eine erste Auswanderungswelle setzte ein - vorrangig nach Nordamerika. Als mit der russischen Revolution im März 1918 Bessarabien an Rumänien viel, waren die Bewohner Bessarabiens nun eine deutsche Minderheit. Spätestens mit der Umsiedlung "Heim ins Reich" ab September 1940 mussten rund 93.000 Siedler überraschend ihre Heimat verlassen. Nachdem sie zunächst Bauernhöfe im besetzten Polen zugewiesen bekamen, mussten sie ab 1944 vor der Roten Armee fliehen. Wie andere vertriebene Kolonisten gründeten auch die Bessarabiendeutschen einen Verein, welcher heute in Stuttgart angesiedelt ist und neben Bessarabien auch die Kolonisierung von Dobrudscha, einer weiteren historischen Landschaft am Schwarzen Meer, aufarbeitet und die Kultur bewahrt. Quelle: bessarabien.de, compgen.de & wikipedia
Durch die Reformation gab es zwei Hauptglaubensrichtungen: Katholizismus und Protestantismus. Doch es gibt eine Vielzahl an evangelischen Konfessionen wie beispielsweise die reformierten, anglikanischen, baptistischen, methodistischen, unierten oder lutherischen Glaubensrichtungen. Altlutherisch sind heute Kirchengemeinden aus der evangelisch-lutherischen Konfession, welche keine Union mit bekenntnisverschiedenen Kirchen eingehen und somit auch ihre selbstständige Organisationsform besitzen. Altlutherische Kirchen binden sich an die Heilige Schrift mit dem Alten und Neuen Testament sowie an die lutherischen Bekenntnisschriften von 1580. Frauen dürfen nicht praktizieren, da es hierfür keine Legitimation in der Heiligen Schrift gibt. Anfänglich waren die meisten protestantischen Glaubensgemeinschaften lutherisch und nur ein kleiner Teil calvinistisch oder refomiert. Der Versuch, beide Glaubensgemeinschaften zu vereinen missglückte sowohl im ersten Versuch von 1529 zwischen Luther und Zwingli als auch 1817 durch Friedrich Wilhelm II. Vor allem die lutherisch geprägten Geimeinschaften lehnten aufgrund ihrer Bekenntnisse die Vereinigung ab. Es kam oft zu Verfolgungen, sodass Angehörige von altlutheranischen Gemeinden ihren Glauben verheimlichten. Erst ab 1841 wurden lutherische Gemeinden geduldet und ab 1845 anerkannt, meist unter dem Begriff Freikirche. Während vor 1841 meist zwei Kirchen in einem Ort oder einer Gemeinde existierten, entstanden ab 1845 eigene Kirchengemeinden der Altlutheraner - vor allem in Schlesien, Posen und Pommern - mit eigenen Kirchenbüchern. Die Gemeinden waren untereinaner gut vernetzt und aufgrund ihrer geringen Anzahl hatten sie meist auch ein großes Einzugsgebiet. Daher gab es oft nur im Hauptort einer Gemeinde ein klassisches Kirchengebäude und weiter entfernt wurden Bethäuser beispielsweise in großen Bauernhäusern oder eigene Gebäude ohne Glockenturm eingerichtet. Dadurch sind heute Familien in Kirchenbüchern zu finden, die über 20 km vom eigentlichen Wohnort entfernt sind - doch so kamen auch Ehepartner von weit ausanderliegenden Orten zusammen. Doch die Gebiete mit altlutherischen Gemeinden waren auch stärker von Auswanderungsbewegungen betroffen. Aus Pommern zogen die Menschen überwiegend in die USA und dort vor allem nach Wisconsin, Minnesota, Iowa, Michigan etc. Doch auch Brasilien und New South Wales in Australien waren beliebte Zielgebiete. Altlutheraner aus Posen und Schlesien gingen eher nach South Australia. Viele der altlutheranischen Kirchenbüchern sind heute noch erhalten und beispielsweise bei Ancestry oder Archion zu finden. Doch ob man auch den gesuchten Eintrag findet, grenzt an ein Zufall. Aufgrund der anfänglichen Verfolgung können Eintragungen von altlutheranischen Familien in anderen Kirchenbüchern zu finden sein - oder zusätzlich auch noch in einem altlutheranischen Kirchenbuch. Auch wurden nicht alle Kinder in er selben Kirche getauft. Somit ist es ratsam alle Kirchenbücher im Umkreis durchzusehen, zumal die altlutheranischen Kirchenbüchern oft nicht als solche gekennzeichnet bzw. indexiert wurden. Sterbefälle sind meist gar nicht dokumentiert, da es keine separaten Friedhöfe gab. Diese Daten sind daher meist nur im Kirchenbuch der Gemeinde eingetragen, auf deren Friedhof der Verstorbene beigesetzt wurde. Manche Kirchenbücher aus Pommern sind heute in den USA zu finden, da die Auswandererfamilien das Kirchenbuch einfach mitgenommen haben. Quelle: https://lutherisch-leipzig.de/ & Computergenealogie 1/2023
Im 12. Jahrhundert schlossen sich Kaufleute der Ost- und Nordseehändler zusammen und richten einen regen Handelsaustausch ein. Es gibt kein Gründungsdatum der Hanse, abgeleitet vom althochdeutschen Wort hansa für Schar oder Gruppe, obwohl in älteren Schriften und Forschungen oft 1143 als Gründungsjahr genannt wurde, die Gründung Lübecks. Vielmehr ist die Hanse es ein freier Zusammenschluss der Kaufleute, welche sich in Städten oder Regionen versammelten, um gemeinsam die gefahrvollen Reisen anzutreten. So erhoffte man sich besseren Schutz. Im 13. Jahrhundert wurden die Reisen zunehmend sicherer, zumal Handelswege besser ausgebaut wurden, wodurch die anfänglichen "Fahrgemeinschaften" überflüssig wurden. Auch musste man nicht mehr selbst reisen, um Handel zu betreiben, sondern man konnte Vertreter entsenden, sodass der Handel kommerzieller wurde. Zusammen mit der Entwicklung der Städte und ihren ständigen Märkten, wurden die Händler sesshaft. Sie konnten nun ihre Geschäfte aus der Stadt heraus betreiben und organisieren. Durch ihren wirtschaftlichen Erfolg übernahmen die Kaufleute in den Städten immer häufiger hohe Positionen in der Stadtverwaltung und ihr Einfluss nahm stetig zu. Aus der ursprünglichen Kaufmannshanse, dem Zusammenschluss mehrerer Kaufleute, wurde die Städtehanse, bei der Städte einen gegenseitig Bund eingingen, da man schnell merkte, das man lieber zusammenarbeiten sollte, als viel Kraft und Geld in die Austragung von Konflikten zu stecken. Dieser erste nachweisliche Städtebund wurde 1241 zwischen Lübeck und Hamburg vertraglich niedergeschrieben, obwohl deren Zusammenarbeit bereits seid 11 Jahren bestand. Ab 1350 wurde die Hanse zur nordeuropäischen Großmacht, da sie immer häufiger und erfolgreicher ihre Interessen bei wirtschaftlichen Auseinandersetzungen durchsetzen konnten. 1356 trafen sich beim ersten Hansetag alle Städte, um das gemeinsame Vorgehen zu koordinieren und zu protokollieren. Insgesamt 72 Städte bildeten den Kern der Hanse und weitere 130 waren beteiligt, der Deutsche Orden war das einzige nichtstädtische Mitglied. Ihren Einflussbereich musste die Hanse in zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen mit Königen oder gegen den Seeräuberbund verteidigen. Doch zwischen 1400 und 1699 schwand der Einfluss der Hanse weiter. Neue Handelsrouten wie beispielsweise durch die Entdeckung Amerikas sowie die Festigung der Territorialstaaten mit teilweiser Verlagerung der Handelswege, verringerte das Handelsvolumen zwar nur gering, doch die vorherige Monopolstellung konnte nicht gehalten werden. Durch die steigende Konkurrenz wurden die Interessensgegensätze innerhalb der Hanse immer größer. In dieser Schwächung sahen die Landesherren des Ostseeraums ihre Chance und verdrängten die Hanse aus ihren jeweiligen Herrschaftsgebieten - auch durch die Führung von Kriegen. Eine offizielle Auflösung der Hanse gab es nicht, wird aber mit dem letzten Hansetag in Lübeck 1669 verbunden. 1980 wurde der moderne Städtebund ""Die Hanse"" neu gegründet und aktuell tragen 27 Städte offiziell den Zusatz "Hansestadt". Quelle: hanse.org, ndr.de & wikipedia