zurück zur Übersichtsseite

Ahnenforschung in Polen

13. Dezember 2023
Auswanderwellen in und aus dem Land – Gebietsaufteilung durch andere Großmächte – die Geschichte Polens ist lang und wechselhaft. Nicht wenige Deutsche haben Vorfahren, die in heute zu Polen gehörenden Orten geboren, gelebt und gestorben sind. Zum Glück sind die Forschungsmöglichkeiten in Polen auch für nicht-Polen gut und Dank der langjährigen Digitalisierung und Indexierung können viele Dokumente bequem vom heimischen PC eingesehen werden.

Polens Geschichte im Überblick: Es beginnt mit einem Herzogtum Ende des 9. Jahrhundert, mit dem die polnischen Stämme vereinigt und der erster polnische Staat 960 durch den Piastenfürsten Mieszko I. gegründet wird. Nach der Christianisierung erfolgt 1025 die Krönung von Bolesław Chrobry zum ersten König Polens. Doch unter seinem Sohn Mieszko II. Lambert steigt die innere Instabilität, nicht zuletzt durch enorme Kosten für den Aufbau der Monarchie und der Einsätze, um die eroberten Gebiete zu halten, sondern auch, weil die ins Ausland geflüchteten Brüder die Macht des Königs untergraben. Bis 1300 zersplittert das Polnische Reich in einzelne kleine Fürstentümer.

1333 wird Kasimir III. neuer König von Polen, deren Grenzen im Vergleich zu 1138 deutlich kleiner sind. Außerdem erbt der junge Monarch auch die Konflikte um das Herzogtum Pommerellen mit dem Deutschen Orden sowie der Oberherrschaft in Schlesien mit den Luxemburgern und nicht zu vergessen, erhob Johann als König von Böhmen auch Anspruch auf den polnischen Thron. Kasimir wird später den Beinamen „der Große“ erhalten, denn im Vergleich zu seinen Vorgängern versucht er die Konflikte nicht durch militärische Operationen, sondern durch diplomatische Verhandlungen zu lösen. So erkennt er 1347 die böhmische Lehensherrschaft über Schlesien an. Auch mit dem Deutschen Orden schließt er Frieden – wobei er auf Pommerellen verzichtete und stattdessen Kujawien und das Dobriner Ländchen erhält. Doch friedlich war auch Kasimir nicht, denn das Fürstentum Galizien-Wolhynien sowie das Herzogtum Masowien wurden unterworfen. 

Nach dem Tod Kasimir des Großen wurde Polen mit dem ungarischen Königshaus verbunden doch da Ludwig von Anjou in Polen unbeliebt war, überließ er die Amtsgeschäfte seiner Mutter Elisabeth. Mangels männlicher Nachkommen wurde die polnische Aristokratie durch politische und steuerliche Vorrechte überzeugt, Hedwig von Anjou als neue Königin anzuerkennen – auch wenn sie als polnischer rex (König) gekrönt wurde. Sie trieb die Diplomatie wieder voran und rief 1385 durch geschickte Verhandlungen die Polnisch-Litauische Union ins Leben, so gewann Polen eine territoriale Vergrößerung und einen erheblichen Machtzuwachs. In der Schlacht bei Tannenberg 1410 wurde der Deutsche Orden geschlagen und seine Gebiete wurden als Königliches Preußen und als Fürstentum Ermland der polnischen Krone unterstellt. Der Deutsche Orden versuchte die Gebiete im 13-jährigen Krieg (1454-1466) zurückzuerobern, verliert nun jedoch auch Pommern und Danzig. 1525 wird das Gebiet des Deutschen Ordens schließlich zum Herzogtum Preußen und zum polnischen Lehen.

1569 werden die bisher immer noch eigenständigen Staaten Polen und Litauen in einem einheitlichen Staat, der Adelsrepublik Polen-Litauen vereinigt. In den folgenden Jahrzehnten kommt es immer wieder zu verschiedenen Kriegen und der innere Verfall der polnisch-litauischen Adelsrepublik nimmt seinen Anfang. Mit dem Tod von König August II. beginnt der Polnische Thronfolgekrieg (1733-1738), in dem die Nachbarstaaten Russland, Preußen und Österreich August III. unterstützten, doch das System der Adelsdemokratie treibt Polen an den Rand des Ruins und der innere Verfall endet mit der Teilung Polens: 1772, 1793 und 1795 wird Polen schrittweise unter Russland, Preußen und Österreich aufgeteilt. Lediglich zwischen 1807 und 1815 schuf Napoleon Bonaparte das Herzogtum Warschau, doch er nutzte es als Rekrutierungsgebiet für seinen Russlandfeldzug 1812. So wird das Herzogtum Warschau mit dem Wiener Kongress 1815 in Kongresspolen umgewandelt, doch die Ländereien von Polen und Litauen gehörten bis zum Ende des Ersten Weltkrieges den drei Nachbarstaaten.

1918 erhielt Polen seine staatliche Souveränität wieder und in verschiedenen Volksabstimmungen entschieden die Bevölkerung über ihren zukünftigen Verbleib wie beispielsweise in Oberschlesien. Doch Russland und Deutschland planen die erneute Aufteilung Polens im Hitler-Stalin-Pakt (Deutsch-sowjetischer Nichtangriffsvertrag) und am 1. September 1939 beginnt der Zweite Weltkrieg durch den Überfall Deutschlands auf Polen. Erst mit dem Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945 erhält Polen die Gebiete zurück und die Oder-Neiße-Linie wird neue Grenze zwischen Polen und Deutschland. Es beginnt eine Zeit der Flucht, denn die deutsche Bevölkerung muss die nun polnischen Gebiete verlassen und die polnische Bevölkerung wird aus den Gebieten vertrieben, die nun zur Sowjetunion gehörten.


Anhand der Geschichte ist leicht erkennbar, dass die Suche nach alten Dokumenten oder Kirchenbüchern nicht einfach ist. Unterschiedliche Herrscher hatten unterschiedliche Vorgaben, Kriege haben Aufzeichnungen vernichtet, Menschen sind auf der Flucht gestorben – oder geboren worden. Außerdem haben sich Ortsbezeichnungen geändert. Da ist es gut, dass mit Szukaj w Archiwach, auf Deutsch „Durchsuchen Sie die Archive“ eine Plattform existiert, auf der man größtenteils auch in deutscher Sprache nach Dokumenten suchen und hier auch die deutschen Ortsnamen nutzen kann. Dank langjähriger Arbeit sind viele Dokumente direkt einsehbar und wenn nicht, kann über ein kostenloses Nutzerkonto eine Kopie für ein paar Zloty Gebühr angefordert werden. Der Scan wird meistens innerhalb weniger Tage per E-Mail zugestellt.


Quelle: Computergenealogie 3/2021 & www.polish-online.com/geschichte-polen


Neuste Beiträge

23. Dezember 2025
Wer auf der A19 unterwegs ist, fährt wahrscheinlich an Dobbin-Linstow vorbei. Was sollte es denn schon sehenswertes in dieser kleinen Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern geben? Das Wolhynier Umsiedlermuseum! Hier wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges rund 40 Familien in Übergangslagern untergebracht. Nach der Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone wurde jeder Familie 10 Hektar Land zugewiesen, oft mit etwas Wiese und Wald. Hier konnten sie ab 1947 Bauernhäuser in ihrer traditionellen Holzbauweise errichten. Obwohl sie 1974 wieder enteignet wurden, blieben viele Familien und nach der Wiedervereinigung wurden ein wegen Einsturzgefahr gesperrten Gebäude übernommen und wieder hergerichtet. Es entstand das Museum. 1993 wurde dann der Heimatverein Linstow gegründet und das Museum erweitert um ein Wirtschaftsgebäude, ein Erdkeller sowie eine Scheune, in der sich heute ein Bildungszentrum befindet. So entstand das bundesweit einzige Museum, welches mit einer Dauer- sowie wechselnder Sonderausstellungen einen bewegten Einblick in das Leben der Wolhynier sowohl in der alten als auch in der neuen Heimat ermöglicht. Projekttage für Kinder und Jugendliche, Publikationen aber auch der Austausch mit Nachkommen der Wolhyniendeutschen ergänzen das Angebot. Wer also auf der A19 unterwegs ist, sollte einen Halt in Linstow machen. Quelle: umsiedlermuseum-wolhynien.de
8. Dezember 2025
In der Schule lernt heutzutage jedes Kind von Mendel und Darwin und der Evolutionstheorie. Der britische Naturforscher Charles Darwin (12.02.1809-19.04.1882) begann zunächst ein Medizinstudium, um Arzt zu werden wie sein Vater, wechselte dann aufgrund von Langerweile zur Theologie, wo ihn besonders die Naturphilosophie und die neuen Kontinente interessierten. 1831 folgte er der Einladung mit dem Vermessungsschiff HMS Beagle, da er auf der Reise zur Vermessung von Patagonien und Feuerland in Südamerika auch sein Interesse für Natur und Geologie verfolgen konnte. Er sammelte Pflanzen, Tiere und Gesteinsproben und hielt seine Beobachtungen in zahlreichen Notizbüchern fest. Nach seiner Rückkehr nach England 1836 schenkt er den mitgebrachten Vögeln erst einmal keine Beachtung. Da sie unterschiedliche Schnäbel haben - von dick und kräftig zum Nüsse knacken bis hin zu lang und schmal zum Insektenfangen, denkt er, es handelt sich um Zaunkönige, Schwarzdrosseln und Kernbeißer. Erst ein herbeigerufener Kollege stellt fest, dass alle Vögel Finken und miteinander verwandt sind. Darwin kombiniert schnell: Da die Nahrung auf den Galápagos-Inseln, von wo er alle Vögel mitgebracht hatte, knapp war, herrschte dort ein ständiger Überlebenskampf und zufällig entstandene Varianten des Schnabels brachten den Vögel Vorteile, da sie so eine neue Nahrungsquelle erschließen konnten. Charles Darwin nannte dies, die natürliche Auslese oder Selektion und entwickelte seine Evolutionstheorie, mit der die Entstehung von Arten auf naturwissenschaftliche Grundlagen zurückzuführen konnte. Die Kirche, welche an die Erschaffung alle Lebewesen durch Gott glaubte und diese Theorie vertrat, bekämpfte die Evolutionstheorie von Darwin zunächst. Heute gilt diese jedoch auf Grundlage für die Biologie und Darwin hat unser modernes Weltbild durch seine Beobachtungen und Schlussfolgerungen nachhaltiger beeinfluss als kaum ein anderer Wissenschaftler. Quelle: geo.de & planet-wissen.de
26. November 2025
Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen wurde am 01.04.1815 geboren, als zweiter Sohn des Rittmeisters Karl Wilhelm Ferdinand von Bismarck, aus dem Adelsgeschlechts Bismarck stammend, und der bürgerlichen Luise Wilhelmine Mencken. Sie war es auch, die ihre Söhne dazu brachte, in den Staatsdienst einzutreten. Bismarck besuchte das Gymnasium und machte 1832 das Abitur am humanistischen Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster. Anschließend nahm er das Studium der Rechtswissenschaften in Göttingen auf, welches er an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität (heute Humboldt Universität) fortführte. Nach seiner Militärzeit übernahm der die Verwaltung des elterliches Guts und unterstützte seinen Bruder im Landtag. Im Juli 1849 wurde er selbst in die die zweite Kammer des Preußischen Landtages gewählt und wurde zum Vollzeit-Politiker. Durch geschickte Diplomatie schaffte er es, deutsche Staaten hinter Preußen zu vereinen, denn sein Tram war ein kleindeutscher Nationalstaat ohne Österreich unter der preußischen Führung. Er war demnach kein Nationalist, der ein vereinigtes Deutschland wollte, sondern ein konservativer Preuße, welcher die Machtposition Preußens in der europäischen Welt stärken und vergrößern wollte. Nach dem Sieg gegen Frankreich und der Deutschen Reichsgründung 1871 wurde dieser Traum war und Otto von Bismarck wurde als Fürst von Bismarck zum ersten ersten Reichskanzel des Deutschen Kaiserreiches. Nach 19 Jahren im Amt, entzog ihm Kaiser Wilhelm die Unterstützung am 15.03.1890, da dieser seine Regierungszeit nicht mit dem Konfliktkurs von Bismarck beginnen wollte. Otto von Bismarck zog sich auf das Gut zurück. Er starb am 30.07.1989. Quelle: dhm.de & wikipedia
14. November 2025
Bereits 1943 erhoben die Alliierten Daten zur Situation der Inhaftierten, Zwangsarbeiter und Flüchtlinge in Mitteleuropa, da sie das Ende des Zweiten Weltkrieges näher rücken sahen. Diese Aufgabe wurde zunächst vom Hauptquartier der Alliierten Streitkräfte übernommen und ab Februar 1944 zusätzlich mit der Aufgabe eines Zentralen Suchbüros betraut. Nach dem Kriegsende übernahm die Leitung zunächst die UNRRA (Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen), ab Juni 1947 die IRO (Internationale Flüchtlingsorganisation) und ab 1948 die ITS (Internationaler Suchdienst). Der Sitz der Organisation wurde bereit im Januar 1946 in das hessische Bad Arolsen verlegt, denn hier befand sich die geografische Mitte der vier Besatzungszonen Deutschlands. Heute obliegt die Leitung den Arolsen Archives sowie dem Bundesarchiv. Die heutigen Aufgaben erstrecken sich von der Archivierung und Digitalisierung über die Erschließung der Archivunterlagen sowie der Informationsweitergabe zu NS-Verfolgte. Der Bereich der Aufklärung und Bildung zu den Schicksalen von NS-Verfolgten nimmt dabei einen immer größer werdenden Part ein. Die aktuell rund 30 Millionen historischen Dokumenten der Arolsen Archive sowie weitere Dokumente aus externen Quellen kann online durchsucht werden, wobei der Bestand regelmäßig anwächst. Wer in den digitalen Beständen nicht fündig wird, kann eine Rechercheanfrage stellen. Quelle: Arolsen-archives.org
31. Oktober 2025
Bis ins 18. Jahrhundert hinein wusste das Königreich Preußen über regelmäßige staatliche Statistiken, wer im Land lebt. Zentrale Grundlage war dabei die regelmäßige Volkszählung, bei der Formulare von Pfarrern, Gutsherren oder Steuerbeamten ausgefüllt werden mussten. Aber auch Gebäude und Vieh wurde dabei erfasst. Verantwortlich dafür war ab 1805 das Königliche Statistische Bureau. Zu dieser Zeit führte Napoleon in Frankreich und den französisch besetzten Gebieten den "Code Civil", die Grundlage der staatlichen Gesetzgebung, in der auch die Erfassung von Geburten, Heiraten und Todesfälle durch den Staat verordnet wurde. Hier lag also die Dokumentation nicht mehr nur in der Hand der Kirchen. Nach der Napoleanischen Herrschaft behielten einige Gebiete diese Praxis bei, wie beispielsweise in den Rheinprovinzen, in anderen Gebieten wurde das preußische Landrecht wieder eingeführt. Dadurch gab es in den deutschen Gebieten über einige Jahrzehnte unterschiedliche Praktiken bei der Erfassung der Personenereignissen. Auch der Vorrang der Zivilehe vor der kirchlichen Ehe wurde demnach unterschiedlich gehandhabt. 1874 wurde das Personenstandsgesetz in Preußen eingeführt, gegen den Widerstand der Kirche. Auch die Führung der Personenstandsregister durch den Staat, im sogenannten Standesamt, wurde damit staatlich angeordnet und das Gesetz 1876 auf das gesamte Deutsche Reich ausgeweitet. Diese Rechtsordnung gilt bis heute, auch wenn mittlerweile die kirchliche Trauung heute wieder terminlich vor der staatlichen Trauung stattfinden kann - eine Rechtsfolge hat nur die staatliche Trauung. Geburten und Sterbefälle müssen immer beim Standesamt registriert werden. Quelle: Computergenealogie 1/2024 & wikipedia
14. Oktober 2025
Ob Napoleon selbst Familienforschung betrieben hat, ist nicht überliefert, doch sein Einfluss auf die Genealogie in Deutschland ist enorm. Bereits 1804 führte er in Frankreich das Zivilgesetzbuch "Code Civil" ein. Hier wurden nicht nur die Grundprinzipien der Französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - Liberté, Égalité, Fraternité) verankert, sondern legte Regeln für den Bereich des Privat-, Personen-, Familien-, Eigentums-, Vertrags- und Erbrecht fest. Damit wurden die bisherigen Gewohnheits- und Partikularrechte abgelöst. Das "Code Civil" hatte auch weltweit einen großen Einfluss auf die Rechtsordnung. Zeitgleich mit der Einführung des "Code Civil" schaffte Napoleon auch Zivilstandsregister, um Geburten, Heiraten und Todesfälle staatlich zu erfassen - und machte dies zur Pflicht. Damit wurde die bisherige Vormachtstellung der Kirchenbücher abgeschafft. Mit der Ausbreitung des französischen Staatsgebietes durch Eroberung von deutschen Herzog- und Fürstentümern sowie Königreichen, wurde auch in diesen Gebieten, selbst wenn sie autonom geführt wurden, der "Code Civil" eingeführt. Auch wenn die Zivilstandsregister teilweise nach dem Wiener Kongress und dem Ende der Herrschaft Napoleons abgeschafft wurden, gab es einige Gebiete wie die Rheinprovinz, Lübeck und Bremen, welche an der staatlichen Dokumentation festhielten. Mit der Schaffung des Deutschen Kaiserreiches wurden die Personenstandsregister dann einheitlich im gesamten deutschen Reich eingeführt - heute neben den Kirchenbüchern eine wichtige Quelle für die Familienforschung. Quelle: demokratiegeschichte.de , wiki.genealogy.net & wikipedia