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Russlands Weg vom Zarenreich zum Kommunismus

29. Mai 2023
Kapitalismus vs. Kommunismus – Kalter Krieg – Ost gegen Weg. Als 1917 die russischen Bolschewisten die Macht im Land ergriffen, lösten sie nicht nur das russische Kaiserreich ab, sondern sie veränderten auch gravierend den Lauf der Weltgeschichte, deren Folgen heute nach über 100 Jahren noch immer präsent sind.

Das Zarenreich wird Kaiserreich

1721 siegte Russland über die Großmacht Schweden im Großen Nordischen Krieg und stieg zur Großmacht in Europa auf. Um ein Zeichen zu setzen, benannte Zar Peter I., der den Beinamen „Der Große“ erhielt, das Russische Zarenreich in Russisches Kaiserreich um und änderte seinen offiziellen Herrschertitel von „Zar“ in „Kaiser“. Dieses Vorgehen erregte in den anderen europäischen Teilen großes Aufsehen und wurde von vielen als Provokation verstanden. In der Geschichte wurde trotzdem weiterhin vom russischen Zarenreich gesprochen.

Nach seinem Tod 1725 folgten verschiedene Herrscher: Katharina I. (1725-1727), Peter II. (1727-1730), Anna (1730-1740), Elisabeth (1741-1762) und Katharina II. (1762-1796). Letztere vergrößerte das Herrschaftsgebiet, in dem sie Teile Polens für ihr Land sicherte und viele Auswanderungswillige anwarb, um das bisher karg besiedelte Land urbar zu machen. Ihr Sohn Paul II (1796-1801) und Enkel Alexander I. (1801-1825) setzten die Bemühungen von Katharina der Großen fort, letzter gliederte u.a. Finnland, Georgien und Bessarabien in das Russische Kaiserreich ein.

Die Eroberungen wurden unter Nikolaus I. (1825-1855), Alexander II. (1855-1881), Alexander III. (1881-1894) und Nikolaus II. (1894-1917) fortgesetzt und das Russische Kaiserreich erreichte seine größte Ausdehnung um 1895 mit einer Fläche von rund 22,8 Million km².

Erster Weltkrieg, Februar- und Oktoberrevolution

Im August 1914 brach der Erste Weltkrieg aus und Russland stand als Verbündeter von Serbien. Frankreich und Großbritanniens dem Deutschen Kaiserreich, Österreich-Ungarn und dem Osmanische Reich auf den Kriegsschauplätzen gegenüber. Doch bereits vor der Jahrhundertwende waren wirtschaftliche und soziale Missstände im Russischen Kaiserreich deutlich geworden. Der Krieg verschlimmerte die Situation der oft sehr armen Bevölkerung, so dass immer wieder Streiks und Proteste ausbrachen. Da für die moderne Kriegsführung Schwerindustrie benötigt wurde, die vor Kriegsausbruch kaum im Land vorhanden war, wurde der Aus- und Aufbau dieser Anlagen zunächst durch Kriegsanleihen finanziert, später druckte man einfach mehr Geld. Die Inflation stieg auf bis zu 400 % zur Vorkriegszeit an. Die Ernährungslage verschlimmerte sich immer weiter und führte zu immer mehr Protesten, die 1917 zur Februarrevolution führten. Am 15. März 1917 wird von der Duma und dem Arbeiter- und Sozialrat vereinbart, den Zar abzusetzen, die Abdankung unterzeichnet Nikolaus II. unter Druck und Zugunsten seines Bruders Großfürst Michail. Jedoch vereinbart die Provisorische Regierung auch ihn zur Abdankung zu bewegen, was ihnen dadurch gelingt, dass er zustimmt, sich zunächst der Provisorischen Regierung unterzuordnen und das Volk später in geheimen Wahlen entscheiden soll. Doch dazu kommt es nicht mehr, denn die Übergangsregierung hat massive Probleme und so ergreifen die Bolschewiki in der Oktoberrevolution die Macht und die 300-jährige Herrschaft der Romanows endet, nicht zuletzt durch die Ermordung von Großfürst Michail am 13.06.1918 sowie von Nikolaus II. und seiner Familie am 17.07.1918.

Die Macht der Bolschewiki

1898 gründete sich die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) in Minsk, aus der sich schnell die radikale Fraktion der Bolschewiken (wörtlich übersetzt „die Mehrheitler“) bildetet, deren Vorsitz ab 1903 Wladimir Iljitsch Lenin übernahm. Sie strebten nicht nur soziale Reformen an, sondern wollten den Sturz des Zaren und die Einführung einer demokratischen Diktatur der Arbeiter und Bauer. Erst 1912 kam es zum endgültigen Bruch und die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands (Bolschewiki) wurden als eigenständige Partei gegründet. 1952 erfolgte dann die Umbenennung in Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) und 1993 in Kommunistische Partei der Russischen Förderation (KPRF).

Quellen: lpb & LeMo


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Wer heute in Berlin-Wittenau unterwegs ist, findet an der Oranienburger Straße einen parkähnlichen Garten mit einzelnen Bauten, in dem seit über 100 Jahren die Nervenklinik Karl-Bonhoeffer untergebracht ist. Die Geschichte der Anstalt ist wechselhaft und schwankt zwischen Schrecken und Hoffen …  1869 erwarb die Stadt Berlin das nördlich gelegene Gut Dalldorf mit dem Ziel hier die städtische „Irrenanstalt“ zu errichten. Hermann Blankenstein, Berliner Stadtbaumeister, wurde beauftragt, die „Irren- und Idiotenanstalt der Stadt Berlin zu Dalldorf“ zu entwerfen und zu bauen. Blankenstein ließ mehrere Einzelgebäude aus rotem Ziegelstein errichten, darunter das Haupt- und Verwaltungsgebäude, die Krankenhausgebäude, das Maschinenhaus, den Wasserturm sowie Wäscherei und Werkstätten. Außerdem ließ er einen Landschaftspark anlegen, sodass die Patienten im Grünen und mit mehr Freiraum, als es die innerstädtische Einrichtung zuließ, schneller zu genesen. Denn nicht nur die Anlage entsprach der Modernen, auch der Umgang mit den Patienten wurde modernisiert. Statt die Kranken in gefängnisähnlichen Bauten wegzusperren, entwickelten Psychiater der Charité Methoden der sogenannten freien Behandlung. Dabei wurde auf Zwangsjacken, Stuhl- und Bettfesseln verzichtet: Stattdessen wurden die arbeitsfähigen Patienten aufgemuntert in den Werkstätten des Hauses oder in den umliegenden Gärten zu arbeiten sowie Ausflüge und Feste organisiert. Besucher konnten jederzeit empfangen werden. Um eine Abgrenzung von der Nervenklinik zu erzielen, forderten die Einwohner Dalldorfs 1925 eine Umbenennung ihres Dorfes in Wittenau, der Name wurde später jedoch auch von der Nervenklinik übernommen. Die Nationalsozialisten hatten eine Ideologie und Politik, die von der menschenverachtenden Rassenlehre geprägt waren. Die arische Rasse sollte vor „minderwertigen“ Rassen geschützt werden, wozu auch psychisch kranke oder behinderte Menschen nach Ansicht der Nationalsozialisten gehörten. Auch wenn gezielte Tötungen von Menschen in Nervenheilanstalten nicht nur in Wittenau bereits nach dem Ende des Ersten Weltkrieges vermutet, jedoch bisher nicht nachgewiesen sind, fanden diese ab 1933 nun gezielt statt. Diese Euthanasie-Morde wurden bis 1945 zunehmen systematischer durchgeführt. In den Wittenauer Heilstätten wurden selbst keine Massenermordungen durchgeführt, jedoch Transporte nach Obrawalde in Posen von Patienten veranlasst, die dort ums Leben kamen. Auf dem Anstaltsfriedhof wurden zwischen 1880 und 1958 in der Klinik verstorbene Patienten sowie auf eigenem Wunsch auch Pflegekräfte und Ärzte beigesetzt. Hier liegen vermutlich auch Tausende in der NS-Zeit Verstorbene begraben. Der Freundeskreis Alter Anstaltsfriedhof und der Verein totgeschwiegen bemühen sich seit den 1990er Jahren um Aufarbeitung dieser dunklen Vergangenheit. 1945 befreiten russische Soldaten Wittenau und somit auch die Anstalt. Nach der Teilung Berlins waren die Wittenauer Heilstätten lange Zeit neben der Psychiatrischen Klinik der Charité das einzige psychiatrische Krankenhaus in West-Berlin. 1957 folgte die Umbenennung in Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik. Seit 2026 ist auf dem Gelände die psychiatrische Ambulanz, die Vivantes-Verwaltung sowie mehrere Tochterfirmen und das Krankenhaus des Maßregelvollzuges untergebracht. Außerdem sind Teile des Geländes an Vereine, Institute und Privatunternehmen vermietet. Quelle: Broschüre des Bezirksamtes Reinickendorf von Berlin & wikipedia
von Jessica 3. April 2024
Seit Dezember 2008 gibt es den gemeinnützigen Verein Familia Austria, mit dem Ziel, die Ahnen- und Familienforschung auf dem Gebiet der alten Habsburgermonarchie zu fördern. Dabei soll nicht nur genealogisches Wissen aufgebaut und publiziert werden, sondern bereits bestehende Initiativen zur Familienforschung in Österreich-Ungarn vernetzt werden. Neben diversen virtuellen Veranstaltungen und Mailinglisten stellt Familia Austria auch eine breite Sammlung an allgemeinen Informationsseiten wie beispielsweise über Matrikenverzeichnisse, Totenzettel oder das österreich-ungarische Militär zur Verfügung. Gleichzeitig können nicht-Mitglieder in den Datenbanken suchen, auch wenn nur die Trefferliste mit einer kurzen Voransicht angezeigt wird. Die genauen Datenbankeinträge sehen nur Mitglieder. In den Datenbanken von Familia Austria sind beispielsweise Einwohnerlisten, Stammbäume, Schulchroniken, Kriegsdenkmäler, Familiennamen und Berufe enthalten, aber auch die Verlustlisten aus dem Ersten Weltkrieg sind digital erfasst. Laut Website enthalten die Datenbanken von Familia Austria aktuell mehr als 13,4 Millionen Personen. Als Mitglied kann man die passwortgeschützten Datenbanken komplett einsehen und aktuell rund 5 Millionen Einträge zu Geburten, Hochzeiten und Sterbefällen aus den Matrikenbüchern bequem von zuhause aus einsehen. Eine Übersicht, aus welchen Gemeinden die Matriken bereits digital erfasst wurden stellt der Verein auf seiner Webseite zur Verfügung. Darüber hinaus können Mitglieder die vereinsinterne Bibliothek und Schriften einsehen und sich individuell bei Beratungsterminen Tipps für die weitere Forschung einholen. Wer Vorfahren aus den Gebieten Österreich-Ungarns hat, sollte also einen Blick in das vielfältige Angebot von Familia Austria werfen, vielleicht lohnt sich eine Mitgliedschaft, um bisher unentdeckte Quellen aufzuspüren. Quellen: genwiki & www.familia-austria.at
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Wer heute den Namen Herrenhut hört, denkt im ersten Moment an den bekannten Weihnachtsstern, bestehend aus Papier und Pappe und von innen beleuchtet. Im zweiten Moment denkt man vielleicht an die sächsische Stadt Herrenhut, die Namensgeber für die Sterne war. Wohl am aller wenigstens denkt man bei Herrenhut an die Brüdergemeinde, die in Herrenhut gegründet und heute in rund 40 Ländern auf 3 Kontinenten vertreten ist. Bereits 100 Jahr vor Martin Luther machte sich der Böhme Jan Hus Gedanken um den Zustand der katholischen Kirche und wollte diese reformieren. Seine Anhänger wurden als Hussiten bezeichnet, die sich nach der Verbrennung von Jan Hus auf dem Konzil von Konstanz 1415 in eine pragmatische und eine radikale Gruppe aufspalteten. Durch die von Martin Luther angestoßene Reformation vereinigte sich das Gedankengut der Hussiten mit denen von Luther. Im 16. Jahrhundert bildeten sich die ersten Brüder-Unität, auch als Böhmische Brüder bezeichnet. Mit dem Beginn der Gegenreformation Anfang des 18. Jahrhunderts wurden in den Habsburger Ländern vor allem die Böhmischen Brüder verfolgt. Viele gingen daraufhin in den Untergrund oder wanderten aus. Ab 1722 kamen die böhmischen Siedler auch in die Oberlausitz auf das Gut von Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf und gründeten hier die Siedlung Herrenhut. Da es zu Streitigkeiten zwischen den zugezogenen Böhmischen Brüdern und dem ansässigen lutherischen Ortspfarrer kam, musste Graf von Zinzendorf diese schlichten und arbeitete 1727 die sogenannten Herrnhuter Statuen aus, in denen die rechtlichen und wirtschaftlichen Regeln für die Siedlung festgelegt wurden. Hier waren aber auch geistliche Rahmenbedingungen enthalten. Die Herrnhuter Brüdergemeinden sind sehr demokratisch aufgebaut und orientieren sich noch weitestgehend an den Regeln des Grafen von Zinzendorf. Nicht nur die Wählbarkeit von unten nach oben, sondern auch die Gleichstellung von Frau und Mann waren damals schon sehr fortschrittlich. Auch in der Siedlungspolitik gleichen sich die weltweit gegründeten Orte, bis auf Herrnhut selbst: um einen rechteckigen Platz, der in Deutschland immer Zinzendorf-Platz genannt wird, gruppieren sich schachbrettartig die Quartiere, in denen die Menschen in ihren Chor-Häusern leben. Als Chor, abgeleitet vom französischen Wort Corpos, werden die Herrnhuter Untergemeinschaften bezeichnet in denen die Mitglieder des gleichen Standes (verheiratet, ledig, verwitwet) getrennt nach Geschlecht und Alter leben sollten. Ein wichtiger Aspekt der ersten Siedler in Herrnhut war, niemanden zur Last zu fallen. Daher entstanden schnell Wirtschaftsbetriebe wie Textildruck, Möbelherstellung und der Ofenbau. Die Sternenproduktion, in Anlehnung an den Stern von Bethlehem zur Adventszeit ist ein Produkt, was bis heute produziert wird. Heute gibt es Herrnhuter Brüdergemeinden in Afrika, Europa, in der Karibik und Lateinamerika sowie in Nordamerika. Die weltweit größte Verbreitung der Herrnhuter findet man in Tansania. Seit 1764 existieren in allen Herrnhuter Gemeinden Archive, seit 1820 besteht das Zentralarchiv in Herrnhut. Auf der Internetseite www.unitaetsarchiv.de kann man nach Kirchenbüchern suchen, die Einsicht erfolgt jedoch ausschließlich in Lesesaal des Archives. Neben den Kirchenbüchern sind aber auch die Lebenslaufsammlungen, die Mitgliederverzeichnisse sowie das Gottesacker-Verzeichnis interessante Quellen. Quellen: wikipedia, Computergenealogie 1/2023 & www.herrnhut.ebu.de
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Auswanderwellen in und aus dem Land – Gebietsaufteilung durch andere Großmächte – die Geschichte Polens ist lang und wechselhaft. Nicht wenige Deutsche haben Vorfahren, die in den heute zu Polen gehörenden Ortschaften geboren, gelebt und gestorben sind. Zum Glück sind die Forschungsmöglichkeiten in Polen auch für nicht-Polen gut und Dank der langjährigen Digitalisierung und Indexierung können viele Dokumente bequem vom heimischen PC eingesehen werden.
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