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Unsere Vorfahren im Ersten Weltkrieg

27. April 2020
Beim Attentat von Sarajevo am 28.06.1914 wurde der Thronfolger Österreich-Ungarns Erzherzog Franz Ferdinand und seine Ehefrau ermordet und Österreich-Ungarn erklärte Serbien den Krieg. Dies wirkte wie ein Katalysator, denn nach und nach eskalierten immer mehr Länder ihre Konflikte mit anderen Mächten und gaben Kriegserklärungen raus. Am 11.11.1918 trat der Waffenstillstand vom Compiègne in Kraft doch erst der am 28.06.1919 unterzeichnete Friedensvertrag von Versailles beendete formal den Kriegszustand.
Wilhelm II. verordnete am 31. Juli 1914 den Kriegszustand.

Soldaten im Krieg

Das Bürgertum war wie der Staat siegessicher, doch die ländliche Bevölkerung und die industrielle Arbeiterschaft standen der Kriegspropaganda von Anfang skeptisch gegenüber. Die Zivilbevölkerung war belastet von Existenzängsten und als die schnellen Siege ausblieben, wuchs das Misstrauen gegenüber dem Staat und die Frage nach dem Sinn des Krieges kam auf.
In den Heeren wurde der Klassenunterschied zwischen Bürgertum und Arbeiterklasse deutlich: Während die Offiziere bevorzugt versorgt wurden, litten die einfachen Soldaten an Hunger und wurden zudem durch den Stellungskrieg zermürbt. Statt heldenhaften Kriegshandlungen wurde das Leben der Soldaten in endlosen Materialschlachten auf Spiel gesetzt – und nicht selten verloren.
Der Grabenkrieg war v. a. für die Westfront charakteristisch: britische Soldaten der Royal Irish Rifles in einem Schützengraben an der Somme, Herbst 1916

Zivilbevölkerung im Krieg

Neben der Sorge um Ehemänner, Brüder und Söhne, die an der Front kämpften, mussten die zurückgelassenen Frauen sich die Familie kümmern und diese ernähren. Lebensmittel wurden rationiert und reichten oft nicht aus. Vor allem die Kinder litten unter der Situation und die Sterblichkeitsrate lag bei ihnen bei 50 %. Insgesamt 700.000 Menschen starben an den Folgen der Unterernährung und des Hungers. Auch hier war der Klassenunterschied sichtbar: Das finanziell bessergestellte Bürgertum konnte sich auf dem Schwarzmarkt mit Lebensmitteln eindecken – und manch ein Bauer nutzte die Situation aus, um seine Produkte zu Wucherpreisen zu verkaufen.
Die Städtebevölkerung versuchte durch „Beschaffungsfahrten“ aufs Land zu überleben und die Kriminalität nahm zu. Das subjektive Wertesystem verschob sich, denn der Diebstahl zur Sicherung des Überlebens der Familie wurde akzeptiert.

Die Kriegsfolgen

Etwa 17 Millionen Menschen verloren durch den Ersten Weltkrieg ihr Leben, davon rund 9 Millionen Soldaten. Überlebende Soldaten kamen meistens nicht nur mit äußerlichen Verletzungen oder mit fehlenden Gliedmaßen zurück, sondern hatten auch mit psychischen Problemen zu kämpfen bedingt durch das Kriegsgrauen und ihren Fronterlebnissen. Hilfe für die sogenannten Kriegszitterer gab es meist keine, das Land und die Bevölkerung hatte andere Probleme.
Denkmal zu Ehren der gefallenen Soldaten in Gräfinau-Angstedt (Thüringen)

Hilfe bei der Familienforschung

In vielen heutigen Familien hat mindestens einer der Großväter, Ur- oder inzwischen Ururgroßväter gekämpft. Aber auch andere Familienangehörige sind im Ersten Weltkrieg gefallen, wurden verwundet oder vermisst und selbst unter der Zivilbevölkerung gab es Kriegsopfer.
Inzwischen gibt es viele Informationsquellen für die Zeit des Ersten Weltkrieges: Archive haben Feldpostbriefe, Zeitungen oder persönliche Dokumente. Dabei gelten vor allem die kleinen Archiven von Gemeinden als wahre Fundgrube. Zudem hat der Verein für Computergenealogie das Projekt der Verlustliste betrieben und in einer Online Datenbank alle Einträge von Soldaten, die im Ersten Weltkrieg gefallen oder vermisst wurden erfasst. Aber auch Einträge von Personen, die verwundet, verunglückten oder in Gefangenschaft geraten sind wurden hier aufgenommen. Zur Zeit kann in den Deutschen Verlustlisten und in den Österreichisch-Ungarischen Verlustlisten gesucht werden. Durch die vielen Tode wurden auch sogenannte Soldatenfriedhöfe angelegt, die vom Volksbund digitalisiert erfasst werden.

Weiterführende Links

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung & Deutsches Historisches Museum

Neuste Beiträge

von Jessica 10. Juli 2024
Wer heute in Berlin-Wittenau unterwegs ist, findet an der Oranienburger Straße einen parkähnlichen Garten mit einzelnen Bauten, in dem seit über 100 Jahren die Nervenklinik Karl-Bonhoeffer untergebracht ist. Die Geschichte der Anstalt ist wechselhaft und schwankt zwischen Schrecken und Hoffen …  1869 erwarb die Stadt Berlin das nördlich gelegene Gut Dalldorf mit dem Ziel hier die städtische „Irrenanstalt“ zu errichten. Hermann Blankenstein, Berliner Stadtbaumeister, wurde beauftragt, die „Irren- und Idiotenanstalt der Stadt Berlin zu Dalldorf“ zu entwerfen und zu bauen. Blankenstein ließ mehrere Einzelgebäude aus rotem Ziegelstein errichten, darunter das Haupt- und Verwaltungsgebäude, die Krankenhausgebäude, das Maschinenhaus, den Wasserturm sowie Wäscherei und Werkstätten. Außerdem ließ er einen Landschaftspark anlegen, sodass die Patienten im Grünen und mit mehr Freiraum, als es die innerstädtische Einrichtung zuließ, schneller zu genesen. Denn nicht nur die Anlage entsprach der Modernen, auch der Umgang mit den Patienten wurde modernisiert. Statt die Kranken in gefängnisähnlichen Bauten wegzusperren, entwickelten Psychiater der Charité Methoden der sogenannten freien Behandlung. Dabei wurde auf Zwangsjacken, Stuhl- und Bettfesseln verzichtet: Stattdessen wurden die arbeitsfähigen Patienten aufgemuntert in den Werkstätten des Hauses oder in den umliegenden Gärten zu arbeiten sowie Ausflüge und Feste organisiert. Besucher konnten jederzeit empfangen werden. Um eine Abgrenzung von der Nervenklinik zu erzielen, forderten die Einwohner Dalldorfs 1925 eine Umbenennung ihres Dorfes in Wittenau, der Name wurde später jedoch auch von der Nervenklinik übernommen. Die Nationalsozialisten hatten eine Ideologie und Politik, die von der menschenverachtenden Rassenlehre geprägt waren. Die arische Rasse sollte vor „minderwertigen“ Rassen geschützt werden, wozu auch psychisch kranke oder behinderte Menschen nach Ansicht der Nationalsozialisten gehörten. Auch wenn gezielte Tötungen von Menschen in Nervenheilanstalten nicht nur in Wittenau bereits nach dem Ende des Ersten Weltkrieges vermutet, jedoch bisher nicht nachgewiesen sind, fanden diese ab 1933 nun gezielt statt. Diese Euthanasie-Morde wurden bis 1945 zunehmen systematischer durchgeführt. In den Wittenauer Heilstätten wurden selbst keine Massenermordungen durchgeführt, jedoch Transporte nach Obrawalde in Posen von Patienten veranlasst, die dort ums Leben kamen. Auf dem Anstaltsfriedhof wurden zwischen 1880 und 1958 in der Klinik verstorbene Patienten sowie auf eigenem Wunsch auch Pflegekräfte und Ärzte beigesetzt. Hier liegen vermutlich auch Tausende in der NS-Zeit Verstorbene begraben. Der Freundeskreis Alter Anstaltsfriedhof und der Verein totgeschwiegen bemühen sich seit den 1990er Jahren um Aufarbeitung dieser dunklen Vergangenheit. 1945 befreiten russische Soldaten Wittenau und somit auch die Anstalt. Nach der Teilung Berlins waren die Wittenauer Heilstätten lange Zeit neben der Psychiatrischen Klinik der Charité das einzige psychiatrische Krankenhaus in West-Berlin. 1957 folgte die Umbenennung in Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik. Seit 2026 ist auf dem Gelände die psychiatrische Ambulanz, die Vivantes-Verwaltung sowie mehrere Tochterfirmen und das Krankenhaus des Maßregelvollzuges untergebracht. Außerdem sind Teile des Geländes an Vereine, Institute und Privatunternehmen vermietet. Quelle: Broschüre des Bezirksamtes Reinickendorf von Berlin & wikipedia
von Jessica 3. April 2024
Seit Dezember 2008 gibt es den gemeinnützigen Verein Familia Austria, mit dem Ziel, die Ahnen- und Familienforschung auf dem Gebiet der alten Habsburgermonarchie zu fördern. Dabei soll nicht nur genealogisches Wissen aufgebaut und publiziert werden, sondern bereits bestehende Initiativen zur Familienforschung in Österreich-Ungarn vernetzt werden. Neben diversen virtuellen Veranstaltungen und Mailinglisten stellt Familia Austria auch eine breite Sammlung an allgemeinen Informationsseiten wie beispielsweise über Matrikenverzeichnisse, Totenzettel oder das österreich-ungarische Militär zur Verfügung. Gleichzeitig können nicht-Mitglieder in den Datenbanken suchen, auch wenn nur die Trefferliste mit einer kurzen Voransicht angezeigt wird. Die genauen Datenbankeinträge sehen nur Mitglieder. In den Datenbanken von Familia Austria sind beispielsweise Einwohnerlisten, Stammbäume, Schulchroniken, Kriegsdenkmäler, Familiennamen und Berufe enthalten, aber auch die Verlustlisten aus dem Ersten Weltkrieg sind digital erfasst. Laut Website enthalten die Datenbanken von Familia Austria aktuell mehr als 13,4 Millionen Personen. Als Mitglied kann man die passwortgeschützten Datenbanken komplett einsehen und aktuell rund 5 Millionen Einträge zu Geburten, Hochzeiten und Sterbefällen aus den Matrikenbüchern bequem von zuhause aus einsehen. Eine Übersicht, aus welchen Gemeinden die Matriken bereits digital erfasst wurden stellt der Verein auf seiner Webseite zur Verfügung. Darüber hinaus können Mitglieder die vereinsinterne Bibliothek und Schriften einsehen und sich individuell bei Beratungsterminen Tipps für die weitere Forschung einholen. Wer Vorfahren aus den Gebieten Österreich-Ungarns hat, sollte also einen Blick in das vielfältige Angebot von Familia Austria werfen, vielleicht lohnt sich eine Mitgliedschaft, um bisher unentdeckte Quellen aufzuspüren. Quellen: genwiki & www.familia-austria.at
von Dorothea Böck 20. März 2024
Wer heute den Namen Herrenhut hört, denkt im ersten Moment an den bekannten Weihnachtsstern, bestehend aus Papier und Pappe und von innen beleuchtet. Im zweiten Moment denkt man vielleicht an die sächsische Stadt Herrenhut, die Namensgeber für die Sterne war. Wohl am aller wenigstens denkt man bei Herrenhut an die Brüdergemeinde, die in Herrenhut gegründet und heute in rund 40 Ländern auf 3 Kontinenten vertreten ist. Bereits 100 Jahr vor Martin Luther machte sich der Böhme Jan Hus Gedanken um den Zustand der katholischen Kirche und wollte diese reformieren. Seine Anhänger wurden als Hussiten bezeichnet, die sich nach der Verbrennung von Jan Hus auf dem Konzil von Konstanz 1415 in eine pragmatische und eine radikale Gruppe aufspalteten. Durch die von Martin Luther angestoßene Reformation vereinigte sich das Gedankengut der Hussiten mit denen von Luther. Im 16. Jahrhundert bildeten sich die ersten Brüder-Unität, auch als Böhmische Brüder bezeichnet. Mit dem Beginn der Gegenreformation Anfang des 18. Jahrhunderts wurden in den Habsburger Ländern vor allem die Böhmischen Brüder verfolgt. Viele gingen daraufhin in den Untergrund oder wanderten aus. Ab 1722 kamen die böhmischen Siedler auch in die Oberlausitz auf das Gut von Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf und gründeten hier die Siedlung Herrenhut. Da es zu Streitigkeiten zwischen den zugezogenen Böhmischen Brüdern und dem ansässigen lutherischen Ortspfarrer kam, musste Graf von Zinzendorf diese schlichten und arbeitete 1727 die sogenannten Herrnhuter Statuen aus, in denen die rechtlichen und wirtschaftlichen Regeln für die Siedlung festgelegt wurden. Hier waren aber auch geistliche Rahmenbedingungen enthalten. Die Herrnhuter Brüdergemeinden sind sehr demokratisch aufgebaut und orientieren sich noch weitestgehend an den Regeln des Grafen von Zinzendorf. Nicht nur die Wählbarkeit von unten nach oben, sondern auch die Gleichstellung von Frau und Mann waren damals schon sehr fortschrittlich. Auch in der Siedlungspolitik gleichen sich die weltweit gegründeten Orte, bis auf Herrnhut selbst: um einen rechteckigen Platz, der in Deutschland immer Zinzendorf-Platz genannt wird, gruppieren sich schachbrettartig die Quartiere, in denen die Menschen in ihren Chor-Häusern leben. Als Chor, abgeleitet vom französischen Wort Corpos, werden die Herrnhuter Untergemeinschaften bezeichnet in denen die Mitglieder des gleichen Standes (verheiratet, ledig, verwitwet) getrennt nach Geschlecht und Alter leben sollten. Ein wichtiger Aspekt der ersten Siedler in Herrnhut war, niemanden zur Last zu fallen. Daher entstanden schnell Wirtschaftsbetriebe wie Textildruck, Möbelherstellung und der Ofenbau. Die Sternenproduktion, in Anlehnung an den Stern von Bethlehem zur Adventszeit ist ein Produkt, was bis heute produziert wird. Heute gibt es Herrnhuter Brüdergemeinden in Afrika, Europa, in der Karibik und Lateinamerika sowie in Nordamerika. Die weltweit größte Verbreitung der Herrnhuter findet man in Tansania. Seit 1764 existieren in allen Herrnhuter Gemeinden Archive, seit 1820 besteht das Zentralarchiv in Herrnhut. Auf der Internetseite www.unitaetsarchiv.de kann man nach Kirchenbüchern suchen, die Einsicht erfolgt jedoch ausschließlich in Lesesaal des Archives. Neben den Kirchenbüchern sind aber auch die Lebenslaufsammlungen, die Mitgliederverzeichnisse sowie das Gottesacker-Verzeichnis interessante Quellen. Quellen: wikipedia, Computergenealogie 1/2023 & www.herrnhut.ebu.de
von Jessica 3. November 2023
Wenn man sich mit Familienangehörigen beschäftigt, die Anfang des 19. Jahrhunderts im heutigen Polen gelebt haben, wird sehr oft der Begriff „Kongresspolen“ verwendet. Doch was bedeutet Kongresspolen? Und wo lag Kongresspolen? Und was war das Besondere an Kongresspolen?
von Jessica 23. Oktober 2023
Auswanderwellen in und aus dem Land – Gebietsaufteilung durch andere Großmächte – die Geschichte Polens ist lang und wechselhaft. Nicht wenige Deutsche haben Vorfahren, die in den heute zu Polen gehörenden Ortschaften geboren, gelebt und gestorben sind. Zum Glück sind die Forschungsmöglichkeiten in Polen auch für nicht-Polen gut und Dank der langjährigen Digitalisierung und Indexierung können viele Dokumente bequem vom heimischen PC eingesehen werden.
von Jessica 12. September 2023
Ob sich die Gründungsmitglieder Philipp Buttmann und Christian Ludwig Ideler am 4 November 1809 vorstellen konnten, dass auch 200 Jahre nach ihnen ihr Gesellschaftsclub noch Bestand hat? Dass ihr elitärer Zirkel das Kaiserreich, zwei Weltkriege, die Teilung von Berlin und die Wiedervereinigung erlebt? Wohl kaum!