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Unsere Vorfahren im Ersten Weltkrieg
4. Juni 2021
Beim Attentat von Sarajevo am 28.06.1914 wurde der Thronfolger Österreich-Ungarns Erzherzog Franz Ferdinand und seine Ehefrau ermordet und Österreich-Ungarn erklärte Serbien den Krieg. Dies wirkte wie ein Katalysator, denn nach und nach eskalierten immer mehr Konflikte und einzelne Länder gaben Kriegserklärungen raus. Am 11.11.1918 trat der Waffenstillstand vom Compiègne in Kraft doch erst der am 28.06.1919 unterzeichnete Friedensvertrag von Versailles beendete formal den Kriegszustand.
Das Bürgertum war wie der Staat siegessicher, doch die ländliche Bevölkerung und die industrielle Arbeiterschaft standen der Kriegspropaganda von Anfang skeptisch gegenüber. Die Zivilbevölkerung war belastet von Existenzängsten und als die schnellen Siege ausblieben, wuchs das Misstrauen gegenüber dem Staat und die Frage nach dem Sinn des Krieges kam auf. In den Heeren wurde der Klassenunterschied zwischen Bürgertum und Arbeiterklasse deutlich: Während die Offiziere bevorzugt versorgt wurden, litten die einfachen Soldaten an Hunger und wurden zudem durch den Stellungskrieg zermürbt. Statt heldenhaften Kriegshandlungen wurde das Leben der Soldaten in endlosen Materialschlachten auf Spiel gesetzt – und nicht selten verloren.
Neben der Sorge um Ehemänner, Brüder und Söhne, die an der Front kämpften, mussten die zurückgelassenen Frauen sich die Familie kümmern und diese ernähren. Lebensmittel wurden rationiert und reichten oft nicht aus. Vor allem die Kinder litten unter der Situation und die Sterblichkeitsrate lag bei ihnen bei 50 %. Insgesamt 700.000 Menschen starben an den Folgen der Unterernährung und des Hungers. Auch hier war der Klassenunterschied sichtbar: Das finanziell bessergestellte Bürgertum konnte sich auf dem Schwarzmarkt mit Lebensmitteln eindecken – und manch ein Bauer nutzte die Situation aus, um seine Produkte zu Wucherpreisen zu verkaufen. Die Städtebevölkerung versuchte durch „Beschaffungsfahrten“ aufs Land zu überleben und die Kriminalität nahm zu. Das subjektive Wertesystem verschob sich, denn der Diebstahl zur Sicherung des Überlebens der Familie wurde akzeptiert.
Etwa 17 Millionen Menschen verloren durch den Ersten Weltkrieg ihr Leben, davon rund 9 Millionen Soldaten. Überlebende Soldaten kamen meistens nicht nur mit äußerlichen Verletzungen oder mit fehlenden Gliedmaßen zurück, sondern hatten auch mit psychischen Problemen zu kämpfen, bedingt durch das Kriegsgrauen und ihren Fronterlebnissen. Hilfe für die sogenannten Kriegszitterer gab es meist keine, das Land und die Bevölkerung hatte andere Probleme.
In vielen heutigen Familien hat mindestens einer der Großväter, Ur- oder inzwischen Ururgroßväter gekämpft. Aber auch andere Familienangehörige sind im Ersten Weltkrieg gefallen, wurden verwundet oder vermisst und selbst unter der Zivilbevölkerung gab es Kriegsopfer. Inzwischen gibt es viele Informationsquellen für die Zeit des Ersten Weltkrieges: Archive verwahren Feldpostbriefe, Zeitungen oder persönliche Dokumente. Dabei gelten vor allem die kleinen Archive von Gemeinden als wahre Fundgrube. Zudem hat der Verein für Computergenealogie das Projekt der Verlustliste betrieben und in einer Online-Datenbank alle Einträge von Soldaten, die im Ersten Weltkrieg gefallen oder vermisst wurden erfasst. Aber auch Einträge von Personen, die verwundet, verunglückten oder in Gefangenschaft geraten sind, wurden hier aufgenommen. Zurzeit kann in den Deutschen Verlustlisten und in den Österreichisch-Ungarischen Verlustlisten
gesucht werden. Durch die vielen Tode wurden auch sogenannte Soldatenfriedhöfe mit Kriegsgräbern angelegt, die vom Volksbund digitalisiert erfasst werden.
Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung & Deutsches Historisches Museum
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Angehörige des jüdischen Glaubens hatten und haben es in der Gesellschaft nicht einfach: Die älteste noch praktizierte monotheistische Weltreligion wurde bereits im Mittelalter verachtet, denn Christen haben den Juden die Schuld am Tod Jesu Christi und schlossen sie aus verschiedenen Gesellschaftsstrukturen aus. Menschen mit jüdischem Glauben durften nur bestimmte Berufe ausüben, sie wurden für Katastrophen verantwortlich gemacht und immer wieder verfolgt und vertrieben. Der Antisemitismus fand im Dritten Reich seinen Höhepunkt, als während des Holocaust bis zu 6,3 Millionen Juden ermordet wurden. In dieser Zeit versuchten Menschen mit jüdischem Glauben diesen zu verbergen, durch christliche Taufen, Änderungen in Dokumenten oder veränderten Nachweisen ihrer Herkunft. Doch wo und wie kann man die eigenen jüdischen Vorfahren in der Familienforschung finden? Generell ist zu sagen, im Vergleich zu christlichen Gemeinden gab es in jüdischen keine Verpflichtung zur Erfassung von Geburten, Heiraten oder Begräbnissen. Die Geburt und das Geburtsdatum spielen im Judentum keine so große Rolle, wichtiger ist bei Jungen der Tag der Beschneidung. Diese wird von einem Mohel durchgeführt, der den Tag in seinem Mohelbuch festhielt – doch dieses blieb bei ihm, auch wenn er von Ort zu Ort zog. Doch Jungen erhielten eine Mappa, ein Stoffband mit Geburtsdatum und Segensspruch am Tag ihres ersten Synagogenbesuches, im Alter von 3 Jahren. Dieses wurde bei der Bar Mizwa im Alter von 13 Jahren erneut wiederholt und in der Regel blieb die Mappa auch in der Synagoge. Lediglich der Heiratsvertrag wurde im Judentum als Ketubba bereits früh schriftlich festgehalten. Eine bessere Quelle sind jüdische Friedhöfe, denn sie sind für die Ewigkeit bestimmt – doch Grabsteine verwittern oder wurden in Kriegen als Baumaterialien verwendet. Erst als im 19. Jahrhundert Juden „normale Bürger“ wurden, wurden sie in den staatlichen Personenstandsregistern erfasst. Die von den Nationalsozialisten verfolgten Juden sind in den Arolsen Archives zu finden und es gibt die Familiendatenbank Juden im Deutschen Reich. Ansonsten können Anfragen bei Synagogen oder Vereinen helfen, den jüdischen Vorfahren auf die Spur zu kommen. Quelle: Computergenealogie 2021
Im 16. Jahrhundert traten neben den bekannten Reformatoren Martin Luther oder Ulrich Zwingli auch die Täufer und Täuferinnen auf. Sie wollten eine Reform der Kirche und Gesellschaft ohne enge Bindung an die Staatsgewalt. Sie wollten keinen Glaubenszwang sondern erkannten im gemeinsamen Studieren der Bibel, dass nur mündige Menschen freiwillig getauft werden sollten. Die Säuglingstaufe lehnten sie ab. Am 21.01.1525 fand in Zürich die erste Glaubenstaufe der Täufer:innen statt. Sie gewannen schnell Anhänger dazu, da sie sich jedoch auch weigerten Eide zu leisten und den Waffendienst verweigerten, wurden sie schnell als Rebellen angesehen und als „Wiedertäufer“ verfolgt, gefoltert und mit der Todesstrafe belegt. 1536 schloss sich Menno Simons aus Friesland den Täufer:innen an, wurde ihr Leiter und organisierte geheime Versammlungen in ganz Mitteleuropa. Er wurde zum Namensgeber der Mennoniten. Heute sind die Mennoniten eine der ältesten evangelischen Freikirchen Deutschlands und noch im Zentrum ihres Glaubens steht noch immer die bewusste Entscheidung für den Glauben, Gewaltlosigkeit und die Trennung von Kirche und Staat. Quelle: mennoniten.de
Jenische!? Kaum einer hat schon mal von den Jenischen gehört, eine im 18. Jahrhundert erstmals unter dieser Bezeichnung auftretende Minderheit in Europa, deren Angehörigen zum Fahrenden Volk zählten und aus Heimatlosen, Handwerkern und Händlern bestand. Sie sind keine homogene Volksgruppe, sondern schlossen sich aufgrund ihres gesellschaftlichen Status zusammen. Ihre Gemeinsamkeit ist die Sprache, dem Jenischen, eine Mischung aus Deutsch, Jiddisch, Romanes sowie diversen regionalen Dialekten. Im 19. Jahrhundert änderten sich ihre Lebensumstände, denn aufgrund der zunehmenden Industrialisierung wurden viele Jenische sesshaft. Doch sie lebten weiterhin außerhalb der Gesellschaft in Randgebieten von Dörfern oder Städte in einfachen Behausungen. Manchmal wurden auch extra Siedlungen für sie angelegt. Sie verfolgten auch weiterhin ihre traditionellen Berufe Im 20. Jahrhundert wurden die Jenischen in vielen europäischen Ländern diskriminiert und in der NS Zeit wie andere Minderheiten verfolgt. Um sich zu schützen unterdrückten viele Jenische ihre Kultur. Obwohl sich ihre Lebensform und Berufe mittlerweile geändert hat, bemühen sich Jenische um Anerkennung ihres Minderheitsstatus, um Kultur und Geschichte bewahren zu können. Quelle: Computergenealogie 2024 & Zentralrat der Jenischen in Deutschland
Die Kuratorin Karn Lisboa hat die Auswanderungsgeschichte von Deutschen in Brasilien untersucht und in einer Ausstellung aufgearbeitet. Diese war unter anderem 2025 in der Brasilianischen Botschaft in Berlin zu besuchen. Südamerika und vor allem Brasilien war lange Zeit ein beliebtes Auswanderungsland für deutsche Siedler. Vor rund 200 Jahren kommt eine Gruppe mit rund 40 Deutschen in das Gebiet rund um Porto Alegre. Nach monatelanger Überfahrt erreichen sie am 25.07.1824 Brasilien und erhalten hier wie versprochen ein Stück Land, Saatgut und Startkapital für ein neues Leben. Sie sind nicht die ersten, denn bereits 1818 kamen die ersten Deutschen und im Mai 1824 eine Gruppe von deutschen Söldnern. Doch der 25.07.1824 stellt den Startpunkt einer kontinuierlichen Einwanderungen aus den deutschen Gebieten dar, welche aktiv durch die damalige brasilianische Regierung gefördert wird. Diese wollen in Form der Familienkolonisation in Form von kleinen Parzellen den Süden des Landes kultivieren, nach dem das Land 1822 politische Unabhängigkeit erhalten hatte. Wie bei jeder Auswanderung stehen auch für Brasilien Agenten zum Anwerben von Auswanderungswilligen bereit und wie bei anderen Auswanderungszielen ist die Überfahrt lang und entbehrungsreich. Doch Brasilien und vor allem der heutige Bundesstaat Rio Grande do Sol ist doch anders. Der brasilianische Staat lässt die Kolonisten weites gehend autark agieren. Sie bauen auf ihrer eigenen Art und Weise eine gemeinschaftliche Infrastruktur mit Kirchen, Schulen, Behörden und Läden auf, so bewahren sie - teilweise bis heute - ihre ursprüngliche Lebensweise und Sprache. Auch Vereine zum Erhalt von deutscher Kultur und Traditionen entwickeln sich. Obwohl die heutigen Bewohner von São Leopoldo und Blumenau mittlerweile nicht mehr nur von deutschen Auswanderern abstammen, ist hier die deutsche Kultur durch Fachwerkhäuser, Sprache und dem traditionellen Oktoberfest immer noch zu erleben. Quelle: Ausstellung "Aufbruch in ein fremdes Land"
Stephan Kekule von Stradonitz gründete zusammen mit anderen Interessierten an der Genealogie am 16.02.1904 den Verein zur Begründung und Erhaltung einer Zentralstelle für deutsche Personen- und Familiengeschichte in Leipzig. Ihr Ziel war es, die genealogischen Forschungsergebnisse im deutschsprachigen Raum an einem zentralen Ort zu sammeln und zu erhalten und so die Genealogie zu Fördern. Schnell entwickelte sich eine eigene Kanzlei mit wissenschaftlichen Mitarbeitenden, Schreibkräften und Archivaren und man brachte selbst genealogisch-wissenschaftliche Veröffentlichungen wie beispielsweise die Familiengeschichtlichen Blätter heraus. Des Weiteren wurden Veranstaltungen, Vorlesungen und Kurse angeboten. Bereits 1913 waren rund 200.000 Personen im Zentralkatalog erfasst. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde 1921 ein Kooperationsvertrag mit der Deutschen Bücherei geschlossen, sodass die Zentralstelle hier kostenlos Räumlichkeiten nutzen konnte und gab im Gegenzug den gesamten gesammelten Bestand an genealogischer Literatur in die Hand der Deutschen Bücherei. Ab 1924 wurde die Anzahl an Publikationen erhört, meist durch monatliche Blätter oder mehrbändige Bücher. 1934 teilte sich die Zentralstelle auf: Auf der einen Seite entstand die gemeinnützige Stiftung und auf der anderen Seite ein Förderverein. So wollte man die Zentralstelle auch unter der Herrschaft der NSDAP erhalten. Mit der Einführung des Nachweises zur rein arischen Abstammung, zunächst im Berufsbeamtentum, wuchs die Anzahl an Anfragen und Forschungsaufträgen für die Zentralstelle. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden alle Verein aufgelöst, so auch die Zentralstelle. Das Stiftungsvermögen wurde 1950 in die Volksbildungsstiftung des Landes Sachsens eingegliedert, doch die Arbeit der Zentralstelle wurde durch private Vorträge und Auskunftserteilungen aufrecht erhalten, wenn auch in einem viel kleineren Umfang. Der Bestand ging in die Obhut der Staatlichen Archivverwaltung der DDR über. Durch die Teilung Deutschlands und der Gründung einer Zentralstelle in Berlin-West, erfolgt die Umbenennung in Zentralstelle für Genealogie der DDR 1967 und man erweiterte den Bestand um das Archivgut aus dem Reichssippenamtes, aus dem Verein Roland sowie um die Ahnenstammkartei des deutschen Volkes, welche durch den Verein Deutsche Ahnengemeinschaft erstellt wurde. Nach der Wiedervereinigung wurde die Deutsche Zentralstelle für Genealogie als Spezialarchiv unter das Dach des Staatsarchiv Leipzig gestellt und noch heute werden gedruckte und ungedruckte personen- und familiengeschichtliche Publikationen und Unterlagen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum hier in den Band aufgenommen. Die Bestandübersicht ist auf der Website des Sächsischen Staatsarchivs einzusehen und teilweise auf Ancestry bzw. FamilySearch digital einzusehen. Quelle: staatsarchiv.sachsen.de , https://wiki.genealogy.net/ & Computergenealogie 1/2024
Wer auf der A19 unterwegs ist, fährt wahrscheinlich an Dobbin-Linstow vorbei. Was sollte es denn schon sehenswertes in dieser kleinen Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern geben? Das Wolhynier Umsiedlermuseum! Hier wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges rund 40 Familien in Übergangslagern untergebracht. Nach der Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone wurde jeder Familie 10 Hektar Land zugewiesen, oft mit etwas Wiese und Wald. Hier konnten sie ab 1947 Bauernhäuser in ihrer traditionellen Holzbauweise errichten. Obwohl sie 1974 wieder enteignet wurden, blieben viele Familien und nach der Wiedervereinigung wurden ein wegen Einsturzgefahr gesperrten Gebäude übernommen und wieder hergerichtet. Es entstand das Museum. 1993 wurde dann der Heimatverein Linstow gegründet und das Museum erweitert um ein Wirtschaftsgebäude, ein Erdkeller sowie eine Scheune, in der sich heute ein Bildungszentrum befindet. So entstand das bundesweit einzige Museum, welches mit einer Dauer- sowie wechselnder Sonderausstellungen einen bewegten Einblick in das Leben der Wolhynier sowohl in der alten als auch in der neuen Heimat ermöglicht. Projekttage für Kinder und Jugendliche, Publikationen aber auch der Austausch mit Nachkommen der Wolhyniendeutschen ergänzen das Angebot. Wer also auf der A19 unterwegs ist, sollte einen Halt in Linstow machen. Quelle: umsiedlermuseum-wolhynien.de
