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Schwabensiedlungen in Polen

9. August 2023
Preußen – Schwabensiedlungen – Polen!? Wie hängen diese drei Begriffe geschichtlich zusammen? Was hat der preußische König mit der Auswanderung aus dem heutigen Baden-Württemberg zu tun? Um diese spannenden Fragen zu beantworten, drehen wir die Zeit zurück und machen uns gedanklich auf den Weg ins Herzen Polens, ins Gostyniner Land.

Nach der zweiten (1793) und dritten (1795) Teilung Polens kam ein großer Teil der historischen Landschaft Masowiens an Preußen und wurde als Provinz Südpreußen in das Königreich eingegliedert. Bereits vorher waren amtliche Stellen und private Grundbesitzer bemüht gewesen, deutsche Kolonisten für eine Siedlung zu gewinnen. Mit der Thronbesteigung Friedrich Wilhelm III. im November 1797 wurde eine umfangreiche Kolonisierungsaktion eingeleitet: Er wollte die riesigen Wald- und Sumpfgebiete der neuen Provinz durch Schaffung von Siedlungen urbar machen. Dazu wurde ein Plan ausgearbeitet, der zunächst festhielt, dass man keine Menschenverschiebungen innerhalb des Reiches wünschte und somit Einwanderer aus den alten preußischen Gebieten für die Kolonisierung nicht erlaubte. Dies lag vor allem daran, dass Preußen zu dieser Zeit schwach besiedelt war. Daher richtete man das Augenmerk auf die kleinen überbevölkerten süddeutschen Länder, wo es aufgrund der großen Armut viele Auswanderungswillige gab. Aus diesen Ländern zog es die Menschen bisher in die Neue Welt. Man wollte von diesem Auswanderungsstrom profitieren und die Menschen nach Südpreußen lenken. 
Um diesen Plan umzusetzen, startete man eine große Werbekampagne: Die neuen Siedler sollten pro Person ein Reisegeld von 2 Groschen für jede zurückgelegte Meile erhalten. Wer ein Waldland zugewiesen bekam, sollte mit Rodungsgeldern unterstützt werden. Zehrgelder von 2 Groschen täglich für jede Person bis zu Zeit, wenn sie von der eigenen Wirtschaft leben konnte, und drei bis sechs Jahre Befreiung von der Steuer sowie Befreiung vom Soldatendienst für die Kolonisten und ihre eingewanderten Söhne wurden ebenfalls versprochen. Auch wollte Preußen Wohn- und Wirtschaftsgebäude sowie Brunnen, Wirtschaftsgeräte, Saatgetreide und Vieh auf Regierungskosten stellen.

Ende 1799/Anfang 1800 kam ein erster großer Strom von Schwaben in das Land, welches ihre neue Heimat werden sollte, und fanden nichts vor, wie es ihnen die Werber versprochen hatten. Doch schon bald verbesserte sich die Situation. Zwischen 1801 und 1802 wurden die ersten schwäbischen Kolonisten in das Gostyniner Land gelenkt, welches sich nordwestlich von Warschau befindet. Hier wurden die sogenannten Schwabensiedlungen Leonberg, Neu-Dietlingen, Nagold und Luisental angelegt – die Heimatorte der ersten Siedler standen dabei Pate für die Namen der neuen Siedlungen. Alle wurden nach dem Prinzip des Liniendorfes angelegt. Dazu wurden die Orte mit preußischer Geradlinigkeit vermessen und die Parzellen entlang der Hauptstraße aneinandergereiht. Leonberg erfuhr bei der Kolonisierung die beste Entwicklung: Bereits 1804/1805 waren insgesamt 58 Siedlungsstellen eingerichtet und das Dorf hatte 307 Einwohner, auch wenn den Siedlern hier relativ wenig Land zu Bewirtschaftung zur Verfügung stand. Von den 58 Familien kamen 48 aus Württemberg und 7 aus Frankreich, wobei es sich dabei wohl um Siedler handelte, die aus dem damals von Frankreich besetzten Teil Württembergs stammten. 
Karte der Schwabensiedlungen (Quelle: Historischer Atlas von Baden-Württemberg)

1807 musste Preußen die Provinz Südpreußen abtreten und Napoleon Bonaparte errichtete das Herzogtum Warschau, welches ab 1815 zu Kongresspolen gehörte, aber defacto unter russischer Kontrolle stand. Die Schwabensiedlungen erhielten polnische Namen, auch wenn ihre Siedler weiterhin den deutschen Namen für ihre Heimat gebrauchten und auch sonst die deutsche Sprache beibehielten. Auch wenn die Orte im Ersten Weltkrieg weitestgehend verschon wurden, trafen die Kriegshandlungen im Zweiten Weltkrieg die Siedlungen umso härter: Die einsetzende Industrialisierung hatte Fabriken entstehen lassen, die nun zerstört wurden und mehr als einmal zogen russische Soldaten durch die Orte, um alle Männer zu verschleppen, die sich manchmal auch wieder befreien konnten. Als die russische Offensive an der Weichsel begann, wurden die Orte quasi überrollt und nur wenige Dorfbewohner konnten fliehen. Viele wurden in Arbeitslager verschleppt.


Insbesondere die Einwohner von Leonberg fanden sich nach der Flucht wieder zusammen: Ihr ehemaliger Prediger Steinberg war nun Bischof in Westdeutschland und setzte sich dafür ein, dass die Leonberger gemeinsam eine neue Heimat fanden: In einem ehemaligen Moorgebiet an der holländischen Grenze konnte sich die 4. bzw. 5. Generation nach der Kolonisierung des Gostyniner Landes wieder ansiedeln: Neugnadenfeld wurde zur neuen Heimat.


Quelle: Der Journalist Otto Heike, der selbst aus einem der Kolonistendörfer stammt, hat verschiedene Bücher zur Region und den Siedlern geschrieben, unter anderem das Buch „150 Jahre Schwabensiedlung in Polen 1795-1945“ und hier die Geschichte der Kolonisierung recherchiert und aufbereitet.


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23. Dezember 2025
Wer auf der A19 unterwegs ist, fährt wahrscheinlich an Dobbin-Linstow vorbei. Was sollte es denn schon sehenswertes in dieser kleinen Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern geben? Das Wolhynier Umsiedlermuseum! Hier wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges rund 40 Familien in Übergangslagern untergebracht. Nach der Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone wurde jeder Familie 10 Hektar Land zugewiesen, oft mit etwas Wiese und Wald. Hier konnten sie ab 1947 Bauernhäuser in ihrer traditionellen Holzbauweise errichten. Obwohl sie 1974 wieder enteignet wurden, blieben viele Familien und nach der Wiedervereinigung wurden ein wegen Einsturzgefahr gesperrten Gebäude übernommen und wieder hergerichtet. Es entstand das Museum. 1993 wurde dann der Heimatverein Linstow gegründet und das Museum erweitert um ein Wirtschaftsgebäude, ein Erdkeller sowie eine Scheune, in der sich heute ein Bildungszentrum befindet. So entstand das bundesweit einzige Museum, welches mit einer Dauer- sowie wechselnder Sonderausstellungen einen bewegten Einblick in das Leben der Wolhynier sowohl in der alten als auch in der neuen Heimat ermöglicht. Projekttage für Kinder und Jugendliche, Publikationen aber auch der Austausch mit Nachkommen der Wolhyniendeutschen ergänzen das Angebot. Wer also auf der A19 unterwegs ist, sollte einen Halt in Linstow machen. Quelle: umsiedlermuseum-wolhynien.de
8. Dezember 2025
In der Schule lernt heutzutage jedes Kind von Mendel und Darwin und der Evolutionstheorie. Der britische Naturforscher Charles Darwin (12.02.1809-19.04.1882) begann zunächst ein Medizinstudium, um Arzt zu werden wie sein Vater, wechselte dann aufgrund von Langerweile zur Theologie, wo ihn besonders die Naturphilosophie und die neuen Kontinente interessierten. 1831 folgte er der Einladung mit dem Vermessungsschiff HMS Beagle, da er auf der Reise zur Vermessung von Patagonien und Feuerland in Südamerika auch sein Interesse für Natur und Geologie verfolgen konnte. Er sammelte Pflanzen, Tiere und Gesteinsproben und hielt seine Beobachtungen in zahlreichen Notizbüchern fest. Nach seiner Rückkehr nach England 1836 schenkt er den mitgebrachten Vögeln erst einmal keine Beachtung. Da sie unterschiedliche Schnäbel haben - von dick und kräftig zum Nüsse knacken bis hin zu lang und schmal zum Insektenfangen, denkt er, es handelt sich um Zaunkönige, Schwarzdrosseln und Kernbeißer. Erst ein herbeigerufener Kollege stellt fest, dass alle Vögel Finken und miteinander verwandt sind. Darwin kombiniert schnell: Da die Nahrung auf den Galápagos-Inseln, von wo er alle Vögel mitgebracht hatte, knapp war, herrschte dort ein ständiger Überlebenskampf und zufällig entstandene Varianten des Schnabels brachten den Vögel Vorteile, da sie so eine neue Nahrungsquelle erschließen konnten. Charles Darwin nannte dies, die natürliche Auslese oder Selektion und entwickelte seine Evolutionstheorie, mit der die Entstehung von Arten auf naturwissenschaftliche Grundlagen zurückzuführen konnte. Die Kirche, welche an die Erschaffung alle Lebewesen durch Gott glaubte und diese Theorie vertrat, bekämpfte die Evolutionstheorie von Darwin zunächst. Heute gilt diese jedoch auf Grundlage für die Biologie und Darwin hat unser modernes Weltbild durch seine Beobachtungen und Schlussfolgerungen nachhaltiger beeinfluss als kaum ein anderer Wissenschaftler. Quelle: geo.de & planet-wissen.de
26. November 2025
Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen wurde am 01.04.1815 geboren, als zweiter Sohn des Rittmeisters Karl Wilhelm Ferdinand von Bismarck, aus dem Adelsgeschlechts Bismarck stammend, und der bürgerlichen Luise Wilhelmine Mencken. Sie war es auch, die ihre Söhne dazu brachte, in den Staatsdienst einzutreten. Bismarck besuchte das Gymnasium und machte 1832 das Abitur am humanistischen Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster. Anschließend nahm er das Studium der Rechtswissenschaften in Göttingen auf, welches er an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität (heute Humboldt Universität) fortführte. Nach seiner Militärzeit übernahm der die Verwaltung des elterliches Guts und unterstützte seinen Bruder im Landtag. Im Juli 1849 wurde er selbst in die die zweite Kammer des Preußischen Landtages gewählt und wurde zum Vollzeit-Politiker. Durch geschickte Diplomatie schaffte er es, deutsche Staaten hinter Preußen zu vereinen, denn sein Tram war ein kleindeutscher Nationalstaat ohne Österreich unter der preußischen Führung. Er war demnach kein Nationalist, der ein vereinigtes Deutschland wollte, sondern ein konservativer Preuße, welcher die Machtposition Preußens in der europäischen Welt stärken und vergrößern wollte. Nach dem Sieg gegen Frankreich und der Deutschen Reichsgründung 1871 wurde dieser Traum war und Otto von Bismarck wurde als Fürst von Bismarck zum ersten ersten Reichskanzel des Deutschen Kaiserreiches. Nach 19 Jahren im Amt, entzog ihm Kaiser Wilhelm die Unterstützung am 15.03.1890, da dieser seine Regierungszeit nicht mit dem Konfliktkurs von Bismarck beginnen wollte. Otto von Bismarck zog sich auf das Gut zurück. Er starb am 30.07.1989. Quelle: dhm.de & wikipedia
14. November 2025
Bereits 1943 erhoben die Alliierten Daten zur Situation der Inhaftierten, Zwangsarbeiter und Flüchtlinge in Mitteleuropa, da sie das Ende des Zweiten Weltkrieges näher rücken sahen. Diese Aufgabe wurde zunächst vom Hauptquartier der Alliierten Streitkräfte übernommen und ab Februar 1944 zusätzlich mit der Aufgabe eines Zentralen Suchbüros betraut. Nach dem Kriegsende übernahm die Leitung zunächst die UNRRA (Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen), ab Juni 1947 die IRO (Internationale Flüchtlingsorganisation) und ab 1948 die ITS (Internationaler Suchdienst). Der Sitz der Organisation wurde bereit im Januar 1946 in das hessische Bad Arolsen verlegt, denn hier befand sich die geografische Mitte der vier Besatzungszonen Deutschlands. Heute obliegt die Leitung den Arolsen Archives sowie dem Bundesarchiv. Die heutigen Aufgaben erstrecken sich von der Archivierung und Digitalisierung über die Erschließung der Archivunterlagen sowie der Informationsweitergabe zu NS-Verfolgte. Der Bereich der Aufklärung und Bildung zu den Schicksalen von NS-Verfolgten nimmt dabei einen immer größer werdenden Part ein. Die aktuell rund 30 Millionen historischen Dokumenten der Arolsen Archive sowie weitere Dokumente aus externen Quellen kann online durchsucht werden, wobei der Bestand regelmäßig anwächst. Wer in den digitalen Beständen nicht fündig wird, kann eine Rechercheanfrage stellen. Quelle: Arolsen-archives.org
31. Oktober 2025
Bis ins 18. Jahrhundert hinein wusste das Königreich Preußen über regelmäßige staatliche Statistiken, wer im Land lebt. Zentrale Grundlage war dabei die regelmäßige Volkszählung, bei der Formulare von Pfarrern, Gutsherren oder Steuerbeamten ausgefüllt werden mussten. Aber auch Gebäude und Vieh wurde dabei erfasst. Verantwortlich dafür war ab 1805 das Königliche Statistische Bureau. Zu dieser Zeit führte Napoleon in Frankreich und den französisch besetzten Gebieten den "Code Civil", die Grundlage der staatlichen Gesetzgebung, in der auch die Erfassung von Geburten, Heiraten und Todesfälle durch den Staat verordnet wurde. Hier lag also die Dokumentation nicht mehr nur in der Hand der Kirchen. Nach der Napoleanischen Herrschaft behielten einige Gebiete diese Praxis bei, wie beispielsweise in den Rheinprovinzen, in anderen Gebieten wurde das preußische Landrecht wieder eingeführt. Dadurch gab es in den deutschen Gebieten über einige Jahrzehnte unterschiedliche Praktiken bei der Erfassung der Personenereignissen. Auch der Vorrang der Zivilehe vor der kirchlichen Ehe wurde demnach unterschiedlich gehandhabt. 1874 wurde das Personenstandsgesetz in Preußen eingeführt, gegen den Widerstand der Kirche. Auch die Führung der Personenstandsregister durch den Staat, im sogenannten Standesamt, wurde damit staatlich angeordnet und das Gesetz 1876 auf das gesamte Deutsche Reich ausgeweitet. Diese Rechtsordnung gilt bis heute, auch wenn mittlerweile die kirchliche Trauung heute wieder terminlich vor der staatlichen Trauung stattfinden kann - eine Rechtsfolge hat nur die staatliche Trauung. Geburten und Sterbefälle müssen immer beim Standesamt registriert werden. Quelle: Computergenealogie 1/2024 & wikipedia
14. Oktober 2025
Ob Napoleon selbst Familienforschung betrieben hat, ist nicht überliefert, doch sein Einfluss auf die Genealogie in Deutschland ist enorm. Bereits 1804 führte er in Frankreich das Zivilgesetzbuch "Code Civil" ein. Hier wurden nicht nur die Grundprinzipien der Französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - Liberté, Égalité, Fraternité) verankert, sondern legte Regeln für den Bereich des Privat-, Personen-, Familien-, Eigentums-, Vertrags- und Erbrecht fest. Damit wurden die bisherigen Gewohnheits- und Partikularrechte abgelöst. Das "Code Civil" hatte auch weltweit einen großen Einfluss auf die Rechtsordnung. Zeitgleich mit der Einführung des "Code Civil" schaffte Napoleon auch Zivilstandsregister, um Geburten, Heiraten und Todesfälle staatlich zu erfassen - und machte dies zur Pflicht. Damit wurde die bisherige Vormachtstellung der Kirchenbücher abgeschafft. Mit der Ausbreitung des französischen Staatsgebietes durch Eroberung von deutschen Herzog- und Fürstentümern sowie Königreichen, wurde auch in diesen Gebieten, selbst wenn sie autonom geführt wurden, der "Code Civil" eingeführt. Auch wenn die Zivilstandsregister teilweise nach dem Wiener Kongress und dem Ende der Herrschaft Napoleons abgeschafft wurden, gab es einige Gebiete wie die Rheinprovinz, Lübeck und Bremen, welche an der staatlichen Dokumentation festhielten. Mit der Schaffung des Deutschen Kaiserreiches wurden die Personenstandsregister dann einheitlich im gesamten deutschen Reich eingeführt - heute neben den Kirchenbüchern eine wichtige Quelle für die Familienforschung. Quelle: demokratiegeschichte.de , wiki.genealogy.net & wikipedia