Schwabensiedlungen in Polen
1807 musste Preußen die Provinz Südpreußen abtreten und Napoleon Bonaparte errichtete das Herzogtum Warschau, welches ab 1815 zu Kongresspolen gehörte, aber defacto unter russischer Kontrolle stand. Die Schwabensiedlungen erhielten polnische Namen, auch wenn ihre Siedler weiterhin den deutschen Namen für ihre Heimat gebrauchten und auch sonst die deutsche Sprache beibehielten. Auch wenn die Orte im Ersten Weltkrieg weitestgehend verschon wurden, trafen die Kriegshandlungen im Zweiten Weltkrieg die Siedlungen umso härter: Die einsetzende Industrialisierung hatte Fabriken entstehen lassen, die nun zerstört wurden und mehr als einmal zogen russische Soldaten durch die Orte, um alle Männer zu verschleppen, die sich manchmal auch wieder befreien konnten. Als die russische Offensive an der Weichsel begann, wurden die Orte quasi überrollt und nur wenige Dorfbewohner konnten fliehen. Viele wurden in Arbeitslager verschleppt.
Insbesondere die Einwohner von Leonberg fanden sich nach der Flucht wieder zusammen: Ihr ehemaliger Prediger Steinberg war nun Bischof in Westdeutschland und setzte sich dafür ein, dass die Leonberger gemeinsam eine neue Heimat fanden: In einem ehemaligen Moorgebiet an der holländischen Grenze konnte sich die 4. bzw. 5. Generation nach der Kolonisierung des Gostyniner Landes wieder ansiedeln: Neugnadenfeld wurde zur neuen Heimat.
Quelle: Der Journalist Otto Heike, der selbst aus einem der Kolonistendörfer stammt, hat verschiedene Bücher zur Region und den Siedlern geschrieben, unter anderem das Buch „150 Jahre Schwabensiedlung in Polen 1795-1945“ und hier die Geschichte der Kolonisierung recherchiert und aufbereitet.
Neuste Beiträge

