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Hugenotten in Berlin
9. März 2022
Wer in der Altstadt von Berlin-Köpenick spazieren geht, läuft eventuell auch durch die etwa 200 m lange Straße mit dem Namen „Freiheit“. Kaum einer wird sich Gedanken über diesen seltsamen Straßennamen machen und wenn dann an ein Gefängnis denken. Doch dass dieser Name mit den Hugenotten zu tun hat, darauf wird wohl kaum einer kommen.
Seit etwa 1560 wurden die französischen Protestanten als „Hugenotten“ bezeichnet. Sie glaubten an den Calvinismus, eine aus den 1530er Jahren stammende christliche Lehre Johannes Calvins. Der Begriff Hugenotten geht entweder auf den alemannsichen Begriff „Eidgenosse“ zurück oder auf die flämische Bezeichnung „Huis Genooten“ (Hausgenossen), welcher die Bezeichnung für flämische Protestanten war. Zu der Zeit, in der Martin Luther in Deutschland mit seinen Thesen die Reformation der Katholischen Kirche in Gang setzte, hatte der französische König Franz I. die katholische Kirche in Frankreich zunehmend zu einem Verwaltungsorgan des Staates umgebaut. Seit 1516 hatte er nicht nur das Recht hohe Ämter der französischen Kirche nach eigenem Willen zu besetzen, sondern er nutzte die Kirchenbücher mit allen Aufzeichnungen über Taufen, Trauungen und Todesfällen für verwaltungstechnische Aufgaben. Zudem war Franz I. sehr aufgeklärt und aufgeschlossen, sodass er der beginnenden Reformationsbewegung nicht abgeneigt war. Dadurch breitete sich der protestantische Glauben insbesondere im Süden Frankreichs schnell aus.
Doch schon bald setzte die katholische Gegenbewegung ein und nicht zuletzt die Exkommunikation von Luther 1521 setzte Franz I. unter Druck. So wurde 1523 der erste französische Protestant öffentlich hingerichtet und die protestantische Kirche wurde zunehmend in den Untergrund gedrängt. Nachdem Franz I. starb und sein Sohn Heinrich II. den Thron bestieg, wurde ab 1547 die Situation für die Hugenotten immer gefährlicher. Zudem begann das Habsburgerreich in eine Vielzahl von Kleinstaaten zu zerfallen und Kaiser Karl V. bekam die Reformation nicht mehr unter Kontrolle, sodass das Kaiserreich gespalten wurde. Um diese Situation in Frankreich zu verhindern, setzte Heinrich II. alles daran, die Hugenotten durch Edikte zu unterdrücken. Sein Sohn Franz II. begann mit der Verfolgung der Hugenotten und ab 1562 wurden diese immer wieder angegriffen und ermordet. Mit dem Edikt von Fontainebleau wurde die Ausübung des protestantisch-reformierten Glaubens von Ludwig XIV. sogar unter Strafe gestellt.
Durch das Edikt von Fontainebleau verließen rund 200.000 Hugenotten das Königreich Frankreich. Obwohl sie nun besitzlos waren, zählten sie ursprünglich zur leistungsfähigsten Schicht der französischen Gesellschaft und wurden daher bereitwillig von Nachtbarländern aufgenommen. Rund 20.000 Hugenotten folgten dem Aufruf Friedrich Wilhelms, der durch das am 08.11.1685 erlassene Edikt von Potsdam seine Glaubensbrüder nach Preußen einlud. Doch nicht nur religiöse Gründe bewegten den Großen Kurfürsten zu dieser Tat: Durch den 30jährigen Krieg war Brandenburg stark verwüstet und die Bevölkerung dramatisch reduziert worden. Daher richtete sich das Edikt von Potsdam auch eher an die mittellose, aber arbeitssame und vor allem handwerklich und kaufmännisch qualifizierten Einwanderer. Für diese wurden Transporte organisiert, die sie in die neue Heimat brachten.
Die in Berlin und Brandenburg ankommenden Hugenotten teilten zwar ihren Glauben und die Sprache, waren aber ansonsten keine homogene Gruppe, da sie aus unterschiedlichen Regionen Frankreichs stammten. Da kaum jemand von ihnen jedoch die deutsche Sprache beherrschte und sie von den Berliner und Brandenburg nicht sehr freundlich empfangen wurden, weil ihnen mehr Rechte und Freiheiten von der Obrigkeit zugesichert waren, rückten sie schnell zusammen. Erst die Nachkommen der ursprünglich eingewanderten Flüchtlinge wuchsen in die neue kulturelle Umwelt rein, sie lernten Deutsch und knüpften Kontakte zu ihren deutschen Mitmenschen. Damit einhergehend fanden aber die wirtschaftlichen und kulturellen Leistungen der Hugenotten Einzug in die deutsche Umgebung und trugen damit maßgeblich zur Geburt des modernen Preußens bei.
Auch die Straße Freiheit in Berlin Köpenick ist ein kulturelles Erbe der Hugenotten, denn ursprünglich hieß die Straße „Kurfürstliche Freiheit“ und bezieht sich auf die liberale Flüchtlingspolitik der brandenburgischen Kurfürsten. Bereits 1705 standen in der Freiheit die ersten 25 Häuser für die Neuankömmlinge aus Frankreich, sodass sich hier unter anderem Tuchmacher und Seidenweber ansiedelten. Ihr Gotteshaus befindet sich seit über 300 Jahren auf der nahen Schlossinsel, sodass das Erbe der Hugenotten noch heute im Stadtbild Berlins zu finden ist – nicht nur in Köpenick, sondern in ganz Berlin.
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Wer auf der A19 unterwegs ist, fährt wahrscheinlich an Dobbin-Linstow vorbei. Was sollte es denn schon sehenswertes in dieser kleinen Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern geben? Das Wolhynier Umsiedlermuseum! Hier wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges rund 40 Familien in Übergangslagern untergebracht. Nach der Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone wurde jeder Familie 10 Hektar Land zugewiesen, oft mit etwas Wiese und Wald. Hier konnten sie ab 1947 Bauernhäuser in ihrer traditionellen Holzbauweise errichten. Obwohl sie 1974 wieder enteignet wurden, blieben viele Familien und nach der Wiedervereinigung wurden ein wegen Einsturzgefahr gesperrten Gebäude übernommen und wieder hergerichtet. Es entstand das Museum. 1993 wurde dann der Heimatverein Linstow gegründet und das Museum erweitert um ein Wirtschaftsgebäude, ein Erdkeller sowie eine Scheune, in der sich heute ein Bildungszentrum befindet. So entstand das bundesweit einzige Museum, welches mit einer Dauer- sowie wechselnder Sonderausstellungen einen bewegten Einblick in das Leben der Wolhynier sowohl in der alten als auch in der neuen Heimat ermöglicht. Projekttage für Kinder und Jugendliche, Publikationen aber auch der Austausch mit Nachkommen der Wolhyniendeutschen ergänzen das Angebot. Wer also auf der A19 unterwegs ist, sollte einen Halt in Linstow machen. Quelle: umsiedlermuseum-wolhynien.de
In der Schule lernt heutzutage jedes Kind von Mendel und Darwin und der Evolutionstheorie. Der britische Naturforscher Charles Darwin (12.02.1809-19.04.1882) begann zunächst ein Medizinstudium, um Arzt zu werden wie sein Vater, wechselte dann aufgrund von Langerweile zur Theologie, wo ihn besonders die Naturphilosophie und die neuen Kontinente interessierten. 1831 folgte er der Einladung mit dem Vermessungsschiff HMS Beagle, da er auf der Reise zur Vermessung von Patagonien und Feuerland in Südamerika auch sein Interesse für Natur und Geologie verfolgen konnte. Er sammelte Pflanzen, Tiere und Gesteinsproben und hielt seine Beobachtungen in zahlreichen Notizbüchern fest. Nach seiner Rückkehr nach England 1836 schenkt er den mitgebrachten Vögeln erst einmal keine Beachtung. Da sie unterschiedliche Schnäbel haben - von dick und kräftig zum Nüsse knacken bis hin zu lang und schmal zum Insektenfangen, denkt er, es handelt sich um Zaunkönige, Schwarzdrosseln und Kernbeißer. Erst ein herbeigerufener Kollege stellt fest, dass alle Vögel Finken und miteinander verwandt sind. Darwin kombiniert schnell: Da die Nahrung auf den Galápagos-Inseln, von wo er alle Vögel mitgebracht hatte, knapp war, herrschte dort ein ständiger Überlebenskampf und zufällig entstandene Varianten des Schnabels brachten den Vögel Vorteile, da sie so eine neue Nahrungsquelle erschließen konnten. Charles Darwin nannte dies, die natürliche Auslese oder Selektion und entwickelte seine Evolutionstheorie, mit der die Entstehung von Arten auf naturwissenschaftliche Grundlagen zurückzuführen konnte. Die Kirche, welche an die Erschaffung alle Lebewesen durch Gott glaubte und diese Theorie vertrat, bekämpfte die Evolutionstheorie von Darwin zunächst. Heute gilt diese jedoch auf Grundlage für die Biologie und Darwin hat unser modernes Weltbild durch seine Beobachtungen und Schlussfolgerungen nachhaltiger beeinfluss als kaum ein anderer Wissenschaftler. Quelle: geo.de & planet-wissen.de

Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen wurde am 01.04.1815 geboren, als zweiter Sohn des Rittmeisters Karl Wilhelm Ferdinand von Bismarck, aus dem Adelsgeschlechts Bismarck stammend, und der bürgerlichen Luise Wilhelmine Mencken. Sie war es auch, die ihre Söhne dazu brachte, in den Staatsdienst einzutreten. Bismarck besuchte das Gymnasium und machte 1832 das Abitur am humanistischen Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster. Anschließend nahm er das Studium der Rechtswissenschaften in Göttingen auf, welches er an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität (heute Humboldt Universität) fortführte. Nach seiner Militärzeit übernahm der die Verwaltung des elterliches Guts und unterstützte seinen Bruder im Landtag. Im Juli 1849 wurde er selbst in die die zweite Kammer des Preußischen Landtages gewählt und wurde zum Vollzeit-Politiker. Durch geschickte Diplomatie schaffte er es, deutsche Staaten hinter Preußen zu vereinen, denn sein Tram war ein kleindeutscher Nationalstaat ohne Österreich unter der preußischen Führung. Er war demnach kein Nationalist, der ein vereinigtes Deutschland wollte, sondern ein konservativer Preuße, welcher die Machtposition Preußens in der europäischen Welt stärken und vergrößern wollte. Nach dem Sieg gegen Frankreich und der Deutschen Reichsgründung 1871 wurde dieser Traum war und Otto von Bismarck wurde als Fürst von Bismarck zum ersten ersten Reichskanzel des Deutschen Kaiserreiches. Nach 19 Jahren im Amt, entzog ihm Kaiser Wilhelm die Unterstützung am 15.03.1890, da dieser seine Regierungszeit nicht mit dem Konfliktkurs von Bismarck beginnen wollte. Otto von Bismarck zog sich auf das Gut zurück. Er starb am 30.07.1989. Quelle: dhm.de & wikipedia
Bereits 1943 erhoben die Alliierten Daten zur Situation der Inhaftierten, Zwangsarbeiter und Flüchtlinge in Mitteleuropa, da sie das Ende des Zweiten Weltkrieges näher rücken sahen. Diese Aufgabe wurde zunächst vom Hauptquartier der Alliierten Streitkräfte übernommen und ab Februar 1944 zusätzlich mit der Aufgabe eines Zentralen Suchbüros betraut. Nach dem Kriegsende übernahm die Leitung zunächst die UNRRA (Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen), ab Juni 1947 die IRO (Internationale Flüchtlingsorganisation) und ab 1948 die ITS (Internationaler Suchdienst). Der Sitz der Organisation wurde bereit im Januar 1946 in das hessische Bad Arolsen verlegt, denn hier befand sich die geografische Mitte der vier Besatzungszonen Deutschlands. Heute obliegt die Leitung den Arolsen Archives sowie dem Bundesarchiv. Die heutigen Aufgaben erstrecken sich von der Archivierung und Digitalisierung über die Erschließung der Archivunterlagen sowie der Informationsweitergabe zu NS-Verfolgte. Der Bereich der Aufklärung und Bildung zu den Schicksalen von NS-Verfolgten nimmt dabei einen immer größer werdenden Part ein. Die aktuell rund 30 Millionen historischen Dokumenten der Arolsen Archive sowie weitere Dokumente aus externen Quellen kann online durchsucht werden, wobei der Bestand regelmäßig anwächst. Wer in den digitalen Beständen nicht fündig wird, kann eine Rechercheanfrage stellen. Quelle: Arolsen-archives.org
Bis ins 18. Jahrhundert hinein wusste das Königreich Preußen über regelmäßige staatliche Statistiken, wer im Land lebt. Zentrale Grundlage war dabei die regelmäßige Volkszählung, bei der Formulare von Pfarrern, Gutsherren oder Steuerbeamten ausgefüllt werden mussten. Aber auch Gebäude und Vieh wurde dabei erfasst. Verantwortlich dafür war ab 1805 das Königliche Statistische Bureau. Zu dieser Zeit führte Napoleon in Frankreich und den französisch besetzten Gebieten den "Code Civil", die Grundlage der staatlichen Gesetzgebung, in der auch die Erfassung von Geburten, Heiraten und Todesfälle durch den Staat verordnet wurde. Hier lag also die Dokumentation nicht mehr nur in der Hand der Kirchen. Nach der Napoleanischen Herrschaft behielten einige Gebiete diese Praxis bei, wie beispielsweise in den Rheinprovinzen, in anderen Gebieten wurde das preußische Landrecht wieder eingeführt. Dadurch gab es in den deutschen Gebieten über einige Jahrzehnte unterschiedliche Praktiken bei der Erfassung der Personenereignissen. Auch der Vorrang der Zivilehe vor der kirchlichen Ehe wurde demnach unterschiedlich gehandhabt. 1874 wurde das Personenstandsgesetz in Preußen eingeführt, gegen den Widerstand der Kirche. Auch die Führung der Personenstandsregister durch den Staat, im sogenannten Standesamt, wurde damit staatlich angeordnet und das Gesetz 1876 auf das gesamte Deutsche Reich ausgeweitet. Diese Rechtsordnung gilt bis heute, auch wenn mittlerweile die kirchliche Trauung heute wieder terminlich vor der staatlichen Trauung stattfinden kann - eine Rechtsfolge hat nur die staatliche Trauung. Geburten und Sterbefälle müssen immer beim Standesamt registriert werden. Quelle: Computergenealogie 1/2024 & wikipedia
Ob Napoleon selbst Familienforschung betrieben hat, ist nicht überliefert, doch sein Einfluss auf die Genealogie in Deutschland ist enorm. Bereits 1804 führte er in Frankreich das Zivilgesetzbuch "Code Civil" ein. Hier wurden nicht nur die Grundprinzipien der Französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - Liberté, Égalité, Fraternité) verankert, sondern legte Regeln für den Bereich des Privat-, Personen-, Familien-, Eigentums-, Vertrags- und Erbrecht fest. Damit wurden die bisherigen Gewohnheits- und Partikularrechte abgelöst. Das "Code Civil" hatte auch weltweit einen großen Einfluss auf die Rechtsordnung. Zeitgleich mit der Einführung des "Code Civil" schaffte Napoleon auch Zivilstandsregister, um Geburten, Heiraten und Todesfälle staatlich zu erfassen - und machte dies zur Pflicht. Damit wurde die bisherige Vormachtstellung der Kirchenbücher abgeschafft. Mit der Ausbreitung des französischen Staatsgebietes durch Eroberung von deutschen Herzog- und Fürstentümern sowie Königreichen, wurde auch in diesen Gebieten, selbst wenn sie autonom geführt wurden, der "Code Civil" eingeführt. Auch wenn die Zivilstandsregister teilweise nach dem Wiener Kongress und dem Ende der Herrschaft Napoleons abgeschafft wurden, gab es einige Gebiete wie die Rheinprovinz, Lübeck und Bremen, welche an der staatlichen Dokumentation festhielten. Mit der Schaffung des Deutschen Kaiserreiches wurden die Personenstandsregister dann einheitlich im gesamten deutschen Reich eingeführt - heute neben den Kirchenbüchern eine wichtige Quelle für die Familienforschung. Quelle: demokratiegeschichte.de , wiki.genealogy.net & wikipedia
