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Die Machtergreifung der NSDAP

23. Dezember 2024
In den frühen Anfängen der Weimarer Republik wurde kurz nach der Novemberrevolution am 05.01.1919 in München die Deutsche Arbeiterpartei DAP gegründet. Die Umbenennung in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterparte (NSDAP) erfolgte am 20.02.1920 ebenfalls in München. Das erste Parteiprogramm hatte die Hauptpunkte, den Versailler Friedensvertrag aufzuheben, den Juden die deutsche Staatsbürgerschaft zu entziehen und die Volksgemeinschaft zu stärken. Auch wenn die Partei zu Beginn nur einige weniger Mitglieder hatte, wollte man nicht als unbedeutende Kleinstpartei dastehen. Daher begann das offizielle Parteiverzeichnis mit der Nummer 501. Bis 1923 wurde der Zuspruch vor allem in Bayern größer. Adolf Hitler übernahm ab 1921 den Parteivorsitz, sein Putschversuch am 09.11.1923 scheiterte jedoch. Am 23.11.1923 wurde ein reichsweites Verbot gegen die NSDAP ausgesprochen, welches bis zum 27.02.1925 gelten sollte. Das Parteivermögen wurde konfisziert, die Geschäftsstelle in München geschlossen. Hitler war bereits seit dem 11.11.1923 in Untersuchungshaft und wurde am 01.04.1924 wegen Hochverrats zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt, von denen er jedoch nur einige wenige Monate verbüßen musste.

Im Februar 1925 wurde die NSDAP neu gegründet und Hitler begann aus der Partei eine Führerpartei zu machen. 1928 war die NSDAP zu den Reichstagswahlen zugelassen, gewann aber erst 1929 durch eine gemeinsame Kampagne ""Kampagne gegen den Young-Plan"" zusammen mit der DNVP (Deutschnationale Volkspartei) und dem Stahlhelm reichsweite Aufmerksamkeit. Durch das DNVP Mitglied Alfred Hugenberg, einem Großverleger, wurde die NSDAP und vor allem Hitler über die Zeitungen bekannt.

In den folgenden Jahren stiegen die Mitgliedszahlen auf rund 130.000 und die NSDAP nutzte die Weltwirtschaftskrise geschickt für ihre Kampagnen aus. Vor allem Jugendliche und junge Männer traten in die Hitlerjugend ein und auch bei den Bauern fand die NSDAP eine größer werdende Unterstützung. So kam es am 14.09.1930 dazu, dass die NSDAP bei den Reichstagswahlen mit 18,3 % der Stimmen zur zweitstärksten Partei hinter der SPD wurde - auch wenn sie weiterhin als Opposition gegen das demokratische System wahrgenommen wurde. Ihre Wählerschaft wuchs weiter vor allem durch die Propaganda-Kampagnen.

Am 1932 gab es erneut Reichstagswahlen, da Paul von Hindenburg den Reichstag erneut auflösen musste, bei welchem die NSDAP mit 33,1 % zur stärksten Kraft wurde. Der parteilose Kurt von Schleicher wurde zum 13. Reichskanzler - und zum letzten. Er wollte die Nationalsozialisten spalten, um deren Machtposition zu schwächen, doch sein Versuch scheiterte. Als sein Vorschlag, den Reichstag ohne Neuwahlen aufzulösen, von Hindenburg abgelehnt wurde, legte er sein Amt nieder. Der Weg für Hitler als neuer Reichskanzler war frei - und es kam zur Machtergreifung durch die NSDAP, welche erst am 08.05.1945 mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges endete.

Quellen: bdb.de & wikipedia


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11. Dezember 2024
Nach der Machtübernahme der NSDAP 1933 und der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler, wurde nur noch vom Dritten Reich gesprochen. Diesen Begriff hatte Arthur Moeller van den Bruck, ein nationalistischer Schriftsteller, bereits 1923 in seinem Buch ""Das Dritte Reich"" geprägt, in Anlehnung an das Erste (Heiliges Römisches Reich) und Zweite Reich (Deutsches Kaiserreich). Wer heute in der Familiengeschichte forscht, kommt um die Zeit des Nationalsozialisum nicht drum herum. Doch hier ist neben der klassischen Recherche- und Archivarbeit auch Fingerspitzengefühl gefragt. Nicht nur Zeitzeugen aus dieser Zeit sondern auch Familienangehörige der nachfolgenden Generation könnten mit den familiären Geschehnissen und möglichen entdeckten Geheimnissen hadern und sich vor dem Schicksal der Vorfahren verschließen wollen. Auch wenn die Nazionalsozialisten am Ende des Zweiten Weltkrieges versuchten viele Dokumente zu vernichten, konnte viel Material gesichert und aufgewahrt werden. Die zunehmende Digialisierung und wissenschaftliche Aufarbeitung hilft bei der eigenen Familienrecherche. In der Zeit des Dritten Reiches 1933-1945 gibt es verschiedene Facetten: Auf der einen Seite die Verfolgten, wie die jüdische Bevölkerung, Homosexuelle, Menschen mit Behinderungen oder politischen und religiösen Gegnern. Auf der anderen Seite die Verfolger, Angehörige der Schutzstaffel (SS), Geheimen Staatspolizei (Gestapo), aber auch aus dem Nachrichtendienst (SD) und der regulären Polizei wie Kriminal- und Ordnungspolizei. Auch die ""normale"" Bevölkerung teilt sich in diese zwei Seiten: Auf der einen Seite, die Helfer von Verfolgten, die Unterschlupf gewährten, (illegale) Auswanderungen ermöglichten oder Sympathie zeigten und so selbst zu Verfolgten wurden. Und auf der anderen Seite die Mitläufer, welche die Politik der NSDAP billigten oder sogar beführworteten und unterstützen. Auch der Teil der Bevölkerung, der einfach weg sah, um sich selbst zu schützen gehört in diese Gruppe. Doch dabei gabt es kein Schwarz oder Weiß. Man muss auch immer die Lebensumstände der Vorfahren berücksichtigen, wenn man sich mit der NS-Vergangenheit in der eigenen Familie auseinander setzt. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreiches, den Goldenen Zwanzigern, der Weltwirtschaftskrise und der Weimarer Republik, hatten unsere Vorfahren nicht nur viel Leid erfahren sondern sich auch ihr Lebensbild hatte sich verändert. In diesen instabilen Zeiten gelingt es der NSDAP durch gezielte Propaganda Angst zu schnüren und gleichzeitig den Menschen Hoffnung auf bessere Zeiten zu geben. Durch Rüstungswirtschaft und staatliche Bauprojekte sank die Zahl der Arbeitslosen, durch kleine Verbesserungen in der Sozialpolitik und durch gezielte Propaganda, wurde das Leben der Bevölkerung leichter. Die Maßnahmen sollten zwar vorrangig die Deutschen kontrollieren und auf die NSDAP und vor allem Hitler einschwören, doch für Menschen, die zuvor von der Hand in den Mund lebten und nicht wussten, wie sie ihre Familien am nächsten Ernähren sollten, brachte es Sicherheit und einen besseren Lebensstandard. Wer das Leben der Vorfahren im Dritten Reich erforschen möchte, sollte zunächst in den eigenen Familiendokumenten suchen. Durch die zunehmende Verbesserung der Lebensumstände gab es mehr und mehr Fotoapparate, sodass möglicherweise Bilder aus dem Alltag der Vorfahren vorhanden sind. Aber auch Briefe, Tagebücher oder andere Dokumente helfen, um sich ein Bild vom privaten Umfeld der Vorfahren zu machen. Neben den Personenstandsregistern und Adressbüchern können offizielle Dokumente zum Beispiel im Bundesarchiv gefunden werden, wenn es um eine NSDAP-Mitgliedschaft bzw. Mitgliedschaften in anderen politischen Organisation der NS-Zeit geht. Auch die Entnazifizierungsakten können Aufschluss geben, sind jedoch immer kritisch zu hinterfragen, da hier oft Angaben gemacht wurden, die nicht immer den Tatsachen entsprechen, um nicht als Hauptschuldige oder Belastete (Aktivisten, Militaristen oder Nutznießer) eingestuft zu werden. Wer beispielsweise aufgrund von Sterbeurkunden nach verfolgten und ermordeten Angehörigen sucht, kann im Arolsen Archives fündig werden. Hier sind viele Unterlagen zu den Verfolgten der NS-Zeit zu finden. Für die verfolgten Juden gibt es seit 2007 im Bundesarchiv das online Gedenkbuch ""Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"". Aber auch die Lastenausgleichsakten können wertvolle Informationen liefern, um das Leben der Vorfahren zu erforschen. Fazit: Die Recherche in der NS-Vergangenheit der Vorfahren ist spannend und aufwändig und auf jeden Fall emotional, sodass auch Takt- und Fingerspitzengefühl notwendig ist, zumal nicht immer alle Fragen beantwortet werden können. Quelle: Computergenealogie 04/2023, bpd.de & wikipedia
27. November 2024
1673 entstand das neue Stadtgebiet „Dorotheenstadt“ als Vorort von Berlin und Cölln, um den Glaubensflüchtlingen (insbesondere den Hugenotten) eine neue Heimat unter der Regierung des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm (1640-1688) zu geben. Im Zuge der Ernennung von Berlin zur Residenzstadt des Königreich Preußens, wurde die Dorotheenstadt als Stadtteil nach Berlin eingemeindet. König Friedrich Wilhelm I. (1740-1786) baute Berlin zur Garnisonstadt aus und so entstanden 1773 am Spreeufer die ersten Kasernen, in der das 4. Regiment Artillerie und das 9. Bataillon Artillerie untergebracht wurde. 1897 Abriss der maroden Gebäudeteile und Errichtung von Neubauten. 1901 bis 1919 Stationierung des Kaiser-Alexander-Garde Grenadier Regiment Nr. 1. 1920 bis 1935 Nutzung durch die Freiwillige Volkswehr und der Sicherheitspolizei. 1935 Nutzung durch die Wehrmacht-Kommandantur Berlin (Westkaserne). 1945 einfache Instandsetzungsmaßnahmen Nutzung durch die Volkspolizei 1962 Umbenennung in Friedrich-Engels-Kaserne Preußen war seit der Reformation ein rein evangelischer Staat und die katholische Konfession war durch den Westfälischen Frieden nur geduldet. Die erste offizielle Anstellung eines katholischen Geistlichen in Berlin erfolgte 1722, als der Dominikaner Dominicus Torch als Seelsorger für die katholischen Soldaten in Berlin und Brandenburg seinen Dienst aufnahm. Bis dato betreute der evangelische Feldprobst auch die katholischen Soldaten. Seit der Ernennung Berlins 1871 zur Reichshauptstadt nahm der Anteil der katholischen Bevölkerung in Berlin sprunghaft zu. Da dazu neben Beamten auch Soldaten zählten, wurde 1894 die Grundsteinlegung einer der größten katholischen Kirchen in Berlin vollzogen. Drei Jahre später stand die Garnisionskirche „St. Johannes der Täufer“ am Tempelhofer Feld. Bereits 1936 bis 1945 war Georg Werthmann Militärgeneralvikar für die katholische Militärseelsorge. Dieses Amt übernahm er auch wieder 1956 bis 1962. Als ihm 1945 klar war, dass der Zweite Weltkrieg verloren war, brachte er nicht nur sich selbst sondern auch alle (?) schriftlichen Akten der katholischen Kurie aus Berlin in Sicherheit. In einem Kloster in Niederbayern begann er alle Unterlagen neu zu ordnen und anhand der Schriftstücke ein Buch über die Geschichte der Militärseelsorge zu schreiben. Das Buch konnte er bis zu seinem Tod 1980 nicht beenden, doch durch seine Vorsorge sind die Unterlagen - im Gegensatz zur evangelischen Seelsorge erhalten geblieben und noch heute im Archiv der katholischen Militärseelsorge einzusehen. Auch heute liegt die Hauptaufgabe der Katholischen Militärkurie auf der Betreuung der Soldaten in Berlin, doch die Seelsorger selbst sind keine Soldaten. Bei Auslandseinsätzen tragen die Seelsorger zwar Tarn, doch statt Dienstabzeichen sind sie mit dem speziellen Kreuz der katholischen Militärseelsorge gekennzeichnet. Die katholische Militärseelsorge ist auch keine Diözese, doch als Teil der Deutschen Kirche gelten auch hier die Abläufe der Kirche. So werden in der St. Johannes-Basilika Gottesdienste abgehalten und Militärangehörige können hier heiraten und ihre Kinder taufen lassen. Die Matrikeln werden im hauseigenen Archiv verwaltet. In Zusammenarbeit mit Matrikular wurden alle Kirchenbücher digitalisiert. Quelle: mündliche Informationen bei einer Führung durch die Militärkurie in Berlin
13. November 2024
Zwischen 1824 und 1933 wanderten rund 200.000 Menschen aus den deutschsprachigen Ländern nach Brasilien ein, was nach den USA eines der wichtigsten Zielländer war. Aber auch Nordost Argentinien, Paraguay, Uruguay und Süd-Chile wurde zur neuen Heimat. Ortsnamen wie Blumenau oder Novo Hamburgo zeugen noch heute von den deutschen Auswanderern. Seit der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus, eroberten vor allem die Spanier und Portugiesen nach und nach den südamerikanischen Kontinent. Durch den Vertrag von Tordesillas wurde das Land 1494 zwischen beiden Mächten vertraglich aufgeteilt. Die Trennlinie wurde dabei rund 2.200 km westlich der Kapverdischen Inseln gezogen. Spanien gehörte der westliche und Portugal der östliche Teil. Der spanische Teil war deutlich größer doch größtenteils noch unerforscht, Portugal erhielt den südamerikanischen Osten, der später zur Kolonie Brasilien wurde. Im 18. Jahrhundert entwickelten die spanischstämmigen, aber in Lateinamerika geborenen Nachfahren der ehemaligen Conquistadores (Eroberer) ein neues Selbstbewusstsein. Sie wollten mehr Mitspracherecht und mehr Anerkennung. Die Unabhängigkeitskämpfe wurden durch die Handelsmacht England unterstützt, die mit den Kolonien direkt Handel treiben wollte. Bis 1825 hatten fast alle lateinamerikanische Kolonie – bis auf Kuba und Puerto Rico – sich von Spanien losgesagt und ihre Unabhängigkeit erklärt. Brasilien wurde zur gleichen Zeit ebenfalls unabhängig, errichtete jedoch keine Republik wie den anderen Ländern, sondern ein Kaiserreich. Zeitgleich wanderten die ersten deutschen Siedler aus dem Hunsrück und der Westpfalz nach Brasilien aus, geplagt von Hunger und Armut, erhofften sie sich hier ein besseres Leben. Die Behörden vor allem in Brasilien waren anfangs an den Einwanderern aus Deutschland interessiert, denn sie erhofften sich eine landwirtschaftliche Erschließung des Südens. Später unterstützten die einheimischen Intellektuellen die Rassentheorien und bewunderten die Deutschen. Sie hofften, dass auch ihr Land „zivilisiert“ und „aufgeweist“ werden würden. So wurden Einwanderer lange finanziell und logistisch unterstützt. Zwischen 1933 und 1945 kamen rund 100.000 deutschsprachige Juden nach Lateinamerika sowie Vertriebene aus dem Sudetenland oder den donauschwäbischen Gebieten wie dem Banat. Lange wurden deutsche Traditionen in Brasilien gepflegt, doch es waren die Traditionen aus den Heimatgebieten der Auswanderer und somit keine einheitliche Kultur. 2011 fand das erste Treffen von 14 deutschstämmigen Familienforschenden in Brasilien statt, die sich mit der Geschichte der deutschen Einwanderer insbesondere im brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul widmen. Die Gruppe nannte sich GenealogiaRS und unterhält neben einem Facebook-Kanal auch eine umfangreiche Website auf Portugiesisch. Hier können digitalisierte Kirchenbücher bestellt werden bzw. per Download heruntergeladen werden. Aber auch der Verein für Computergenealogie kann für Familienforschende eine gute Anlaufquelle sein, nicht nur ein Grabsteinprojekt in Chile, sondern auch ein „Adressbuch der Deutschen im Auslande“ von 1934 können erste Anhaltspunkte liefern. Quelle: Computergenealogie 4/2021, Spiegel Geschichte Nr. 1/2022 und bpd.de
30. Oktober 2024
Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zogen Siedler aus dem deutschsprachigen Mitteleuropa in verschiedene Regionen des Russischen Reiches. Sie lebten in weitgehend autonomen und privilegierten Kolonien, pflegten die deutsche Sprache, Kulturen und Verwaltungsordnungen. Je nach Gebiet wurden sie als Wolgadeutsche, Wolhyniendeutsche oder Schwarzmeerdeutsche bezeichnet, der allgemeine Begriff Russlanddeutsche entstand erst im 20. Jahrhundert. Mit der Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871 begann für die Nachkommen der ersten Siedler eine schwierige Zeit: Die russische Regierung trieb die sogenannte Russifizierung voran, um keine „deutschen Spione“ im Reich zu fördern. Orte, die bisher ausschließlich deutsche Namen trugen, wurden ins russische übersetzt oder ganz verändert, der Schulunterricht wurde nun in russischer Sprache gehalten und die Befreiung von der Wehrpflicht wurde ausgesetzt. Von letzterem waren vor allem die mennonitischen Glaubensgemeinschaften stark betroffen, die den Dienst an der Waffe strikt ablehnen. Als Folge siedelten viele Familien nach Nord- und Südamerika aus. Während des Ersten Weltkrieges nutzen vereinzelte deutsche Familien die Heereszüge, um den Weg in das Deutsche Kerngebiet anzutreten. Die neue Sowjetregierung förderte zunächst die Selbstständigkeit der nationalen Minderheiten, an der Wolga wurde 1924 sogar die Autonome Sozialistische Sowjetrepublik der Wolgadeutschen ausgerufen. Doch in den 1930er Jahren war die Hochstimmung dann jäh vorbei: Mit der sogenannten Stalinistischen Säuberungen wurde die Kollektivierung des Privateigentums begonnen und Menschen wurden aus unterschiedlichen Beweggründen der antisowjetischen Propaganda und konterrevolutionären Sabotage bezichtigt. Anklagen führten zu langen Haftstrafen oder direkt zum Tod. Auch ein Erlass gegen Deutsche gab es zu dieser Zeit, in welchem den Russlanddeutschen vorgeworfen wurde, mit dem Dritten Reich zu kollaborieren. Die Autonomen Regionen wurden daraufhin aufgelöst und Deportationen nach Zentralasien und Sibiriern veranlasst. Zwischen 1941 und 1946 verbrachten die meisten Russlanddeutschen ihr Leben in Arbeitslagern. Obwohl sich die Bedingungen für die deutschsprachigen Menschen in Russland nach dem Tod Stalins 1953 und dem Besuch von Konrad Adenauer 1955 etwas verbesserte, eine vollständige Rehabilitation und die Widerherstellung der Autonomie fand nicht statt. Auch wenn der Wunsch nach einer Auswanderung nach Deutschland immer mehr zunahm, konnte dies erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den 1990er verwirklicht werden. Es folgte eine Massenauswanderung nach Deutschland. Da das Schicksal vieler Familienangehörigen jedoch unklar war, ist es nicht verwunderlich, dass das Interesse an der Familienforschung bei den Auswanderern in Deutschland stieg. Man suchte nach den eigenen Wurzeln und nach Angehörigen, zu denen der Kontakt aufgrund der ersten Auswanderungswelle oder der Deportation in die Arbeitslager abgebrochen war. Doch die Ahnenforschung war und ist für viele noch weit mehr: Man sucht eine Gemeinschaft und nach dem Austausch, die Erfahrungen zu verarbeiten. So haben sich weltweit verschiedene Organisationen gegründet wie die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. oder Jugend LmDR e.V. Auch heute noch leben Menschen mit deutschen Wurzeln in Russland. Quellen: Computergenealogie 3/2021 & Bundeszentrale für politische Bildung
16. Oktober 2024
Seit 2019 hat die öffentliche Forschungseinrichtung Pilecki-Institut in Berlin am Pariser Platz eine Ausstellungsfläche, wo die Geschichte des 20. Jahrhunderts und insbesondere die Geschichte des Zweiten Weltkrieges aufbereitet und dargestellt wird. Witold Pilecki wurde 1901 in der russischen Region Karelien geboren und ist der einzige bekannte Mensch, der sich freiwillig festnehmen und in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau bringen ließ. Er wollte die Wahrheit über das Lager erfahren und die Welt darüber informieren. Zwischen 1940 und 1943 organisierte er eine Widerstandsbewegung, die der Außenwelt vom Holocaust berichtete. Diese sogenannten Pilecki-Berichte wurden mündlich an die Führer des polnischen Untergrundstaates weitergegeben. Kuriere brachten die Informationen später auch nach London. Ihm gelang 1943 die Flucht aus dem Lager. 2017 wurde das Pilecki-Institut in Warschau gegründet, zwei Jahre später kam der Berliner Standort dazu. Das Institut sammelt, digitalisiert und dokumentiert Unterlagen aus polnischen, deutschen und russischen Archiven zur Verfügung und hilft bei der Erforschung der Vorkommnisse des Zweiten Weltkrieges und deren Auswirkungen auf die aktuellen weltpolitischen Geschehen. Quellen: berlin.instytutpileckiego.pl & Beitrag im Fachzeitschrift Forum (2019)
2. Oktober 2024
Der Verein für Computergenealogie ist seit 1989 überregional nicht nur in der deutschen Familienforschung unterwegs und bietet ein breites Spektrum an Möglichkeiten zur Suche, Vernetzung und Mitmach-Projekten. Durch über 4.000 Einzel-Mitgliedern und 50 Mitglieds-Vereinen mit wiederum über 20.000 Mitgliedern zählt der Verein für Computergenealogie zu Deutschlands größtem genealogischem Verein. Von der Vielzahl an Angeboten werden hier einige vorgestellt. GenWiki: Wer kennt nicht wikipedia und nutzt es regelmäßig als modernes Lexikon? GenWiki verfolgt den gleichen Zweck, Wissen und Informationen zu sammeln und zu veröffentlichen – nur speziell auf die Familienforschung ausgerichtet. Basiswissen rund um die Genealogie, Lexika und Wörterbücher, Übersichten über genealogische Vereine, Ortsseiten und vieles mehr kann mühsame Sucharbeit ersparen. GEDBAS und Ortsfamilienbücher: Warum kompliziert suchen, wenn andere bereits Familien oder Orte erforscht haben? Viele Mitglieder haben ihre Forschungsergebnisse auf GEDBAS online veröffentlicht oder in Form von digitalen Ortsfamilienbücher im GenWiki veröffentlicht. Die Suche nach den eigenen Vorfahren muss dabei nicht in jeder online Datenbank einzeln erfolgen, denn die Suchfunktion ermöglicht es in allen digitalen Quellen des Vereins für Computergenealogie zu suchen. Adressbücher und Familienanzeigen: Freiwillige erfassen private Familienanzeigen aus verschiedenen Zeitungen und stellen sie hier online. Bei den Todesanzeigen muss keine Sperrfrist eingehalten werden, bei anderen Anzeigen wird auf die datenschutzrechtlichen Regelungen geachtet, sodass aktuell nur Familienanzeigen online gestellt sind, deren Erscheinungsdatum weit zurückliegt. Historische Adressbücher sind ebenfalls von Freiwilligen indexiert worden oder warten noch auf die Indexierung. In letzteren kann meist jedoch schon bequem von zu Hause aus recherchiert werden, da diese bereits digitalisiert sind. Grabsteine und Verlustlisten: Das Grabsteinprojekt wurde 2007 ins Leben gerufen, um diese wichtige Nebenquelle zu erschließen, ähnlich wie es eher kommerziell ausgerichtete Plattformen anbieten. Jährlich erfassen viele Freiwillige vor allem kleinere Dorffriedhöfe ihrer Heimat, um diese vergängliche Quelle für Forschende zu bewahren. Die Verlustlisten des Ersten Weltkrieges wurden ebenfalls von Freiwilligen indexiert: Innerhalb von knapp 3 Jahren wurden über 8,5 Millionen Datensätze erschlossen und für eine einfache Suche erschlossen. Die Datensätze sind – bis auf einige Veröffentlichungen von privaten Forschenden – auch für nicht Mitglieder nutzbar. Es lohnt sich daher, nicht nur einen kurzen Blick auf diese Quellen zu werfen. Quelle: Computergenealogie 3/2024 & compgen.de