zurück zur Übersichtsseite
Der Mythos um die Hexenverfolgung
21. August 2019
Wenn man an das Mittelalter denkt, kommen auch zwangsläufig Bilder von Aberglauben, Zaubertränken und brennenden Scheiterhaufen auf. Tatsache ist, dass von ca. 1430-1780 – übrigens die Epoche der frühen Neuzeit und nicht des Mittelalters - in den heutigen Grenzen Europas ungefähr 40.000 bis 60.000 Todesopfer wegen Hexerei gab. Viele Opfer starben dabei Foltertode oder begangen Suizid. Doch woher kommt der Mythos, dass in ganz Europa die Frauen vor der Hexenverfolgung nicht mehr sicher waren und überall Scheiterhaufen brannten?
Schon die Kelten, Germanen und Slawen waren der Überzeugung, dass es Zauberkraft gibt – sowohl gute als auch schlechte. Für die unaufgeklärte Welt hatten magische Praktiken wie Zaubertränke, Los werfen oder Weissagen eine stabilisierende Sinn- und Schutzfunktion. Als sich das Christentum nach Europa ausdehnte, blieben die heidnischen Riten und Mythen weiterhin bei der Bevölkerung in Gebrauch. Zu Beginn hatte die junge Kirche mit Ketzern und Glaubenskritikern mehr als genug zu tun und so existierte der christliche Glaube zusammen mit heidnischen Kulturen. Um die Kritiker zu bekämpfen, wurden Inquisitoren (Ketzenjäger) installiert und immer ausgefallenere Foltermethoden erdacht. Als um 1400 im deutsch-schweizerischen Grenzraum fast keine Ketzer mehr lebten, überlegte die Kirche, welche anderen Gefahren hinsichtlich der Reinheit der christlichen Lehre existierten. Sie fanden den Zauber- und Aberglauben und somit einen neuen Feind, den es zu bekämpfen galt. Nach und nach rückten vor allem Frauen in die Aufmerksamkeit der Kirche, die sich als Hebamme oder Heilerin den Lebensunterhalten verdienten und somit mit den Wirkungen von Kräutern vertraut waren. Aber auch reiche Witwen oder Zugereiste waren vor der Bezichtigung der Hexerei nicht mehr sicher, denn hier spielte Neid und Missgunst bzw. Misstrauen eine große Rolle.
Fatal für den Hexenglauben war zum einen der um 1450 aufkommende Buchdruck, durch den sowohl Informationen auf Flugblättern als auch die zwei Bücher 'Hexenbulle' von Papst Innozenz VIII. und 'Hexenhammer' vom Dominikaner Heinrich Kramer schneller verbreitet werden konnten. In Kombination mit der gastierenden Pest (ab 1350), Wetterkatastrophen, Kriege und der ständig mitschwingenden apokalyptischen Angst vor dem Weltende verbreitete sich die Hexenverfolgung schnell und nahm eine ungeahnte Eigendynamik an.
Die anfänglichen Hexenprozesse unterlagen den kirchlichen Gerichten. Diese mussten die Reue erlauben und durften keine Todesurteile vollstrecken. Daher forderte Heinrich Kramer in seinem Buch 'Hexenhammer', dass die Hexenprozesse von weltlichen Gerichten durchgeführt werden müssen, um die Hexen ausrotten zu können. Die ersten weltlichen Gerichte, die Hexenprozesse durchführten, bestanden aus ca. sieben Laienrichtern. Doch ab ca. 1560 strebten immer mehr junge Männer in die Universitäten, studierten Jura und übernahmen im Gericht den Vorsitz. Da Hexen ihre Prozesskosten selbst tragen mussten und sich manch ein Richter zudem auch am Eigentum der Angeklagten bereicherte, konnten Juristen ihr Einkommen aufbessern.
Mit der Zeit der Aufklärung, dem gesetzlichen Verbot der Folter, neuen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und der aufkommenden Kritik aus der Bevölkerung endete die Zeit der Hexenverfolgung. Die letzten Prozesse mit Hinrichtungen geschahen 1608 in Holland, 1649 in Schweden, 1682 in Frankreich, 1714 in Preußen und 1782 in der Schweiz.
Weder Kirche noch Juristen wurden für die Gräueltaten während der Hexenverfolgung in die Verantwortung genommen. Gerichtsurteile können heute nicht mehr revidiert werden. Doch gelten die verurteilten Opfer heute im Sinne der Anklage als unschuldig. Die Leiden der verfolgten Frauen und Männer und die Verschmähungen ihrer Familienangehörigen werden dadurch jedoch nicht gelindert. Doch durch Arbeitskreise wie der 2000 vom evangelischen Pfarrer Hartmut Hegeler gegründete „Arbeitskreis Hexenverfolgung“ hilft bei der moralisch-ethischen Rehabilitierung der Hexenopfer. Und die Zeit der Hexenverfolgung sollte uns alle als mahnende Stimme dienen, wenn heute durch Mobbing, Neid, Missgunst, religiösem Fanatismus oder auf der Suche nach einem Sündenbock Menschen unschuldig leiden müssen.
Quelle: Computergenealogie 01/2017, historicum. net
Neuste Beiträge
Wer auf der A19 unterwegs ist, fährt wahrscheinlich an Dobbin-Linstow vorbei. Was sollte es denn schon sehenswertes in dieser kleinen Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern geben? Das Wolhynier Umsiedlermuseum! Hier wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges rund 40 Familien in Übergangslagern untergebracht. Nach der Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone wurde jeder Familie 10 Hektar Land zugewiesen, oft mit etwas Wiese und Wald. Hier konnten sie ab 1947 Bauernhäuser in ihrer traditionellen Holzbauweise errichten. Obwohl sie 1974 wieder enteignet wurden, blieben viele Familien und nach der Wiedervereinigung wurden ein wegen Einsturzgefahr gesperrten Gebäude übernommen und wieder hergerichtet. Es entstand das Museum. 1993 wurde dann der Heimatverein Linstow gegründet und das Museum erweitert um ein Wirtschaftsgebäude, ein Erdkeller sowie eine Scheune, in der sich heute ein Bildungszentrum befindet. So entstand das bundesweit einzige Museum, welches mit einer Dauer- sowie wechselnder Sonderausstellungen einen bewegten Einblick in das Leben der Wolhynier sowohl in der alten als auch in der neuen Heimat ermöglicht. Projekttage für Kinder und Jugendliche, Publikationen aber auch der Austausch mit Nachkommen der Wolhyniendeutschen ergänzen das Angebot. Wer also auf der A19 unterwegs ist, sollte einen Halt in Linstow machen. Quelle: umsiedlermuseum-wolhynien.de
In der Schule lernt heutzutage jedes Kind von Mendel und Darwin und der Evolutionstheorie. Der britische Naturforscher Charles Darwin (12.02.1809-19.04.1882) begann zunächst ein Medizinstudium, um Arzt zu werden wie sein Vater, wechselte dann aufgrund von Langerweile zur Theologie, wo ihn besonders die Naturphilosophie und die neuen Kontinente interessierten. 1831 folgte er der Einladung mit dem Vermessungsschiff HMS Beagle, da er auf der Reise zur Vermessung von Patagonien und Feuerland in Südamerika auch sein Interesse für Natur und Geologie verfolgen konnte. Er sammelte Pflanzen, Tiere und Gesteinsproben und hielt seine Beobachtungen in zahlreichen Notizbüchern fest. Nach seiner Rückkehr nach England 1836 schenkt er den mitgebrachten Vögeln erst einmal keine Beachtung. Da sie unterschiedliche Schnäbel haben - von dick und kräftig zum Nüsse knacken bis hin zu lang und schmal zum Insektenfangen, denkt er, es handelt sich um Zaunkönige, Schwarzdrosseln und Kernbeißer. Erst ein herbeigerufener Kollege stellt fest, dass alle Vögel Finken und miteinander verwandt sind. Darwin kombiniert schnell: Da die Nahrung auf den Galápagos-Inseln, von wo er alle Vögel mitgebracht hatte, knapp war, herrschte dort ein ständiger Überlebenskampf und zufällig entstandene Varianten des Schnabels brachten den Vögel Vorteile, da sie so eine neue Nahrungsquelle erschließen konnten. Charles Darwin nannte dies, die natürliche Auslese oder Selektion und entwickelte seine Evolutionstheorie, mit der die Entstehung von Arten auf naturwissenschaftliche Grundlagen zurückzuführen konnte. Die Kirche, welche an die Erschaffung alle Lebewesen durch Gott glaubte und diese Theorie vertrat, bekämpfte die Evolutionstheorie von Darwin zunächst. Heute gilt diese jedoch auf Grundlage für die Biologie und Darwin hat unser modernes Weltbild durch seine Beobachtungen und Schlussfolgerungen nachhaltiger beeinfluss als kaum ein anderer Wissenschaftler. Quelle: geo.de & planet-wissen.de

Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen wurde am 01.04.1815 geboren, als zweiter Sohn des Rittmeisters Karl Wilhelm Ferdinand von Bismarck, aus dem Adelsgeschlechts Bismarck stammend, und der bürgerlichen Luise Wilhelmine Mencken. Sie war es auch, die ihre Söhne dazu brachte, in den Staatsdienst einzutreten. Bismarck besuchte das Gymnasium und machte 1832 das Abitur am humanistischen Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster. Anschließend nahm er das Studium der Rechtswissenschaften in Göttingen auf, welches er an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität (heute Humboldt Universität) fortführte. Nach seiner Militärzeit übernahm der die Verwaltung des elterliches Guts und unterstützte seinen Bruder im Landtag. Im Juli 1849 wurde er selbst in die die zweite Kammer des Preußischen Landtages gewählt und wurde zum Vollzeit-Politiker. Durch geschickte Diplomatie schaffte er es, deutsche Staaten hinter Preußen zu vereinen, denn sein Tram war ein kleindeutscher Nationalstaat ohne Österreich unter der preußischen Führung. Er war demnach kein Nationalist, der ein vereinigtes Deutschland wollte, sondern ein konservativer Preuße, welcher die Machtposition Preußens in der europäischen Welt stärken und vergrößern wollte. Nach dem Sieg gegen Frankreich und der Deutschen Reichsgründung 1871 wurde dieser Traum war und Otto von Bismarck wurde als Fürst von Bismarck zum ersten ersten Reichskanzel des Deutschen Kaiserreiches. Nach 19 Jahren im Amt, entzog ihm Kaiser Wilhelm die Unterstützung am 15.03.1890, da dieser seine Regierungszeit nicht mit dem Konfliktkurs von Bismarck beginnen wollte. Otto von Bismarck zog sich auf das Gut zurück. Er starb am 30.07.1989. Quelle: dhm.de & wikipedia
Bereits 1943 erhoben die Alliierten Daten zur Situation der Inhaftierten, Zwangsarbeiter und Flüchtlinge in Mitteleuropa, da sie das Ende des Zweiten Weltkrieges näher rücken sahen. Diese Aufgabe wurde zunächst vom Hauptquartier der Alliierten Streitkräfte übernommen und ab Februar 1944 zusätzlich mit der Aufgabe eines Zentralen Suchbüros betraut. Nach dem Kriegsende übernahm die Leitung zunächst die UNRRA (Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen), ab Juni 1947 die IRO (Internationale Flüchtlingsorganisation) und ab 1948 die ITS (Internationaler Suchdienst). Der Sitz der Organisation wurde bereit im Januar 1946 in das hessische Bad Arolsen verlegt, denn hier befand sich die geografische Mitte der vier Besatzungszonen Deutschlands. Heute obliegt die Leitung den Arolsen Archives sowie dem Bundesarchiv. Die heutigen Aufgaben erstrecken sich von der Archivierung und Digitalisierung über die Erschließung der Archivunterlagen sowie der Informationsweitergabe zu NS-Verfolgte. Der Bereich der Aufklärung und Bildung zu den Schicksalen von NS-Verfolgten nimmt dabei einen immer größer werdenden Part ein. Die aktuell rund 30 Millionen historischen Dokumenten der Arolsen Archive sowie weitere Dokumente aus externen Quellen kann online durchsucht werden, wobei der Bestand regelmäßig anwächst. Wer in den digitalen Beständen nicht fündig wird, kann eine Rechercheanfrage stellen. Quelle: Arolsen-archives.org
Bis ins 18. Jahrhundert hinein wusste das Königreich Preußen über regelmäßige staatliche Statistiken, wer im Land lebt. Zentrale Grundlage war dabei die regelmäßige Volkszählung, bei der Formulare von Pfarrern, Gutsherren oder Steuerbeamten ausgefüllt werden mussten. Aber auch Gebäude und Vieh wurde dabei erfasst. Verantwortlich dafür war ab 1805 das Königliche Statistische Bureau. Zu dieser Zeit führte Napoleon in Frankreich und den französisch besetzten Gebieten den "Code Civil", die Grundlage der staatlichen Gesetzgebung, in der auch die Erfassung von Geburten, Heiraten und Todesfälle durch den Staat verordnet wurde. Hier lag also die Dokumentation nicht mehr nur in der Hand der Kirchen. Nach der Napoleanischen Herrschaft behielten einige Gebiete diese Praxis bei, wie beispielsweise in den Rheinprovinzen, in anderen Gebieten wurde das preußische Landrecht wieder eingeführt. Dadurch gab es in den deutschen Gebieten über einige Jahrzehnte unterschiedliche Praktiken bei der Erfassung der Personenereignissen. Auch der Vorrang der Zivilehe vor der kirchlichen Ehe wurde demnach unterschiedlich gehandhabt. 1874 wurde das Personenstandsgesetz in Preußen eingeführt, gegen den Widerstand der Kirche. Auch die Führung der Personenstandsregister durch den Staat, im sogenannten Standesamt, wurde damit staatlich angeordnet und das Gesetz 1876 auf das gesamte Deutsche Reich ausgeweitet. Diese Rechtsordnung gilt bis heute, auch wenn mittlerweile die kirchliche Trauung heute wieder terminlich vor der staatlichen Trauung stattfinden kann - eine Rechtsfolge hat nur die staatliche Trauung. Geburten und Sterbefälle müssen immer beim Standesamt registriert werden. Quelle: Computergenealogie 1/2024 & wikipedia
Ob Napoleon selbst Familienforschung betrieben hat, ist nicht überliefert, doch sein Einfluss auf die Genealogie in Deutschland ist enorm. Bereits 1804 führte er in Frankreich das Zivilgesetzbuch "Code Civil" ein. Hier wurden nicht nur die Grundprinzipien der Französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - Liberté, Égalité, Fraternité) verankert, sondern legte Regeln für den Bereich des Privat-, Personen-, Familien-, Eigentums-, Vertrags- und Erbrecht fest. Damit wurden die bisherigen Gewohnheits- und Partikularrechte abgelöst. Das "Code Civil" hatte auch weltweit einen großen Einfluss auf die Rechtsordnung. Zeitgleich mit der Einführung des "Code Civil" schaffte Napoleon auch Zivilstandsregister, um Geburten, Heiraten und Todesfälle staatlich zu erfassen - und machte dies zur Pflicht. Damit wurde die bisherige Vormachtstellung der Kirchenbücher abgeschafft. Mit der Ausbreitung des französischen Staatsgebietes durch Eroberung von deutschen Herzog- und Fürstentümern sowie Königreichen, wurde auch in diesen Gebieten, selbst wenn sie autonom geführt wurden, der "Code Civil" eingeführt. Auch wenn die Zivilstandsregister teilweise nach dem Wiener Kongress und dem Ende der Herrschaft Napoleons abgeschafft wurden, gab es einige Gebiete wie die Rheinprovinz, Lübeck und Bremen, welche an der staatlichen Dokumentation festhielten. Mit der Schaffung des Deutschen Kaiserreiches wurden die Personenstandsregister dann einheitlich im gesamten deutschen Reich eingeführt - heute neben den Kirchenbüchern eine wichtige Quelle für die Familienforschung. Quelle: demokratiegeschichte.de , wiki.genealogy.net & wikipedia